Full text : Rosenheimer Anzeiger. 60. Jahrngang (60)

60.  Jahrgang

Kosenheimer  A

Nr.  193

 

·  Dujafesdelmussielsekmudem  Mc  und  sta  4  ausgestatteten  achtseltigen

„Rosenheimer  Sonalagsblatt“  erscheint  tägl#
und  Feiertage).  —

60  Pf.,  sowohl  für  hieslge  als  —  ze  auswärtige  Abonnentken.  —  Postzustellgebühr,
tlich.  —  Telegramm  -Adresse:

frei  ins  Haus  gellesert,  14  Plg.  m
4
t

ich  na  2  4  Uhr  (m
—  Der  #bonmemnemntöpr.en  beträgt  W  1  Mark  80  Pfg.,  monatlich

Telephon-Anschlüsse:  No#o  und  Verlag:  Nr.  72;  Inseraten  -Abtellung:  235.

Rosenheimer  Tagblakt

Ausnahme  der  Sonn-Anzeiger

  Rosenheim.  —

 

 

  

#rats.

uzeiger

—  Augul  1914

—wet

 

den  sechs  Fillalbreite

  Pettizelle

 

Das  Abonnement  wird  für  NRosenheim  in  der  M.  Nledermoyr'schen  Buchdruckerei  sowie  in
ll-  Expeditionen  der  Stadt  —  ne

rõheren  Ortschaften  der  Umgebung  errichteten  Agenturen,  sowie  alle  Postanstalten  und  smnt  -

liche  Postboten  die  geetelung  di-  sm  den  „Nosenheimer  Anzeiger“  aon.  —  Dle  einfpaltige  50  mm

tostet  10  —  die  75  mmm  breite  Zeile  im  Reklametell

30  Pfennig;  bel  aee  oder  Zetlenabschlüssen  Rabatt  nach  aufliegendem  Tartf.

entgegengenommen:  hmen  die  in  cu.  40

 

 

Amtkliches  PBublikakions-Organ.

 

 

#########voon  Inlersten,  Netflamen  und  Bellagen  durch  die  Annoncen-Expedilion  Daasenstein  à  Vogler  U.-G.  Nosenhetm,  München

„,  Innsbruck,  Narlsruhe,  Kn  u.
übernou#men.

rnberg,  Berlin,  Bern.  Chemmin.  Dresden.  Erfurt,  Franffurt  a.  R.  Hambr#ro,  Ha####
Schluß  der  Inseraten-  Unnahme  1  Uhr  mittags.  Noch  dlesem  Zetwunli  tann  far  Ausnahme  u  die  4  lausende  een  nicht  mehr  garantiert  werden.  Für  schlechtgeschriedene=  Manufkript  wird  keine  Ver#a#cortung

Grosser  deutscher  Siegs  über  die  Franzosen.

Ueber  acht  Armeekorps  geschlagen.  —  Die  Franzosen  auf  der  Fluchk.  —  Mehr  wie  10000  Gefangene.  —  Mindestens  fünfzi  9
Geschütze  erbeutek.

Freudiger  Jubel  durchbraust  seil  Freitagnachmittag
  das  ganze  Deutsche  Reich.  Die  in  den
letzten  Tagen  auf  eine  harte  Probe  gesiellie
(Geduld  des  deutschen  Volkes,  das  sehnsüchtig
den  Nachrichten  vom  Kriegsschauplatz  entgegensah,
  hat  glänzenden  Lohn  erhalten.  In
schlichten  Worten,  ohne  jede  Schönfärberei,  ohne
jede  Uebertreibung,  gab  der  Generalstab  die
Mitteilung  hinaus,  daß  auf  der  ganzen  Front
von  Metz  bis  zu  den  Vogesen  am  Donnerstag
ein  Kampf  in  mehreren  Schlachten  legonnen
hat,  der  den  deutschen  Wafsen  unter  Führung
des  Kronprinzen  Rupprecht  von  Bayern  cinen
glänzenden  Sieg  brachte.  Unaushaltsam  wurde
  der  Feind  auf  der  ganzen  Linie  zurüzgeworworfen,
  sein  Rückzug  artete  in  Flucht  aus.
Unseren  lapferen  Truppen,  die  aus  allen  deutschen
  Stämmen  vereinigt  waren,  mußten  die
Franzosen  Tausende  von  Gefangenen  und  viele
(beschütze  in  den  Händen  lassen.  Außerdem  sind
unsere  Truppen  in  der  günmigen  Lage,  den
Feinweiter  verfolgen  und  den  Kampf  ge—
gen  ihn  fortsenen  zu  lönnen.  Ein  unbe  zähm.
barer  Drang  nach  vorwärts  beseelt  unsere  ganze
Armee,  nichts  hall  sie  zurück,  Nache  an  dem
Urheber  des  blutigen  Weltlriege;  zu  nehmen.
Wir  freuen  uns  dieses  glänzenden  Erfolges.
Es  ist  der  erste,  große,  vielleicht  schon  entscheidende
  Erfolg,  der  die  allergünstigsten  Aussichten
  für  den  weiteren  Verlauf  des  Krieges
cröffnet.

Der  Wert  und  die  Vedeutung  diese;z  Ersolges
  kann  nicht  hoch  genug  angeschlagen  werden.
  Nicht  um  eine  Gelegenheitsschlacht  handelt
  es  sich,  nicht  um  eine  einzelne  Schl  ro#t,
sondern  um  eine  ganze  Reihe  von  Schlachten,  die
sich  aus  ein  Gebiet  von  Metz  bis  Aoricourt,  auf
eine  Strecke  von  etwa  80  Kilometern  erstreckt.
Nicht  eine  Gelegenheitsschlacht  ist  cs,  sondern  ein
von  beiden  Seiten  von  allem  Anfang  an  wohl
überlegter  Kampf,  der  sich  hier  auf  dem  lothringisch-französischen
  Felde  abspielte.  Große  Hecresmassen
  entsandte  Deutschland  nach  Belgien,
die  Franzosen  glaubten  daher  die  nicht  befestigte,
  langgestreckte  lothringische  Grenze  nicht  so
stark  gesichert,  so  daß  sie  sich  mit  vielen  Kräflen
  auf  dieses  Gebiet  warfen.  Die  Vorstöße
durch  das  „Belforter  Loch“  ins  Oberelsaß,  die
Kämpfe  auf  den  Vogesenengpässen  waren  alles
Versuche,  über  die  wahren  Absichten  Frankreichs
zu  läuschen  und  gleichzeitig  über  die  deutschen
Kräfte  in  den  Grenzgebieten  Erkundigungen  einzuziehen.
  Andererseits  mußten  die  Franzosen
mit  dem  Loch  in  ihrem  Festungsgürtel  längs
der  lothringischen  Grenze  rechnen.  Der  Festungsgürtel
  Verdun-Toul  läßt  in  seiner  Fortletzung
  eine  Lücke  bis  Epinal,  durch  welche  die
fcindlichen  Streitkräfte  offenbar  jetzt  vorgedrungen
  sind.  Das  war  ein  Ziel,  das  von  langer
  Hand  vorbereitel  wurde,  dessen  Verfol- 



Krouprinz  Rupprecht  von  Bayern,
der  ½  an  der  lothringisch--  frankönschen  Grenic.

*s%

 

 

 

 

gung  aber  jetzt  jäh  zusammengebrochen  ist.
Die  deutsche  Grenze  war  vorzüglich  gesichert,
mehr  wie  acht  französische  Armeekorps  marschierten
  gegen  uns  auf,  die  gesamte  Masse  aber,
mehr  wie  der  dritte  Teil  des  ganzen  französi
schen  Heeres,  wurde  unter  großen  Verlusten  auf
der  ganzen  Linie  zurückgeworfen.  Der  Feind
ist  geschlagen,  er  mußte  in  wilder  Flucht  den
Rückzug  antreten,  verfolgt  von  unseren  tapfe
ren  Truppen.

Der  Siegesjubel  ist  groß  und  vollauf  berechtigt,

  besonders  berechtigt  für  das  Vaneriand.
Zmar  wußten  wir,  daß  unser  Kronprinz

RNupprecht  mit  ins  Feld  gezogen  ist,  nicht  aber
war  bekannt,  auf  welchem  Kampfgebiese  er
kommandierte.  An  die  Spitze  seines  Siegesberichtes
  stellte  nuun  der  Generaistab  die  Mit
teilung,  daß  in  diesem  großen  Kampfe  die
Truppen  aus  allen  deutschen  Stämmen  der
Führung  unseres  Kronprinzen  unterstellt  waren.
  Mit  Stolz  verkünden  wir  diese  frohe  Nach

richt,  mit  Jubel  vernimmt  sie  das  ganze
Bayernvolk.  Ein  bayerischer  Fürst,  unser  zulünfliger

  König  ist  es,  der  die  deutichen  Truppen
  zu  dem  ersten  entscheidenden  Siege  führte.
Das  Band  zwischen  Bayern  und  dem  Reich,
zwischen  Hohenzollern  und  Wittelsbacher,  wird
dadurch  fester  geknüpft,  die  Zusammengehörigkeit
  aller  deutschen  Stämme  in  der  Abmehr
ruchloser  Feinde  von  neuem  besiegelt  und  gestärkt.

  Höher  läßt  dies  die  patriotische  Be
geisterung  steigen,  wärmer  die  Herien  schla
gen.

 

wissen  heute  dem  Himmel
Dank  für  den  unseren  Wafsen  gespendeten
Segen.  Unser  Vertrauen  für  die  Zulunft  wiro
nicht  zu  schanden,  weil  wir  eine  gerechte  Sache
vertreten.  Heil  und  Sieg  unseren  braven  Truppen
  draußen  im  Felde!
*  ½

Tausende  Gebete

#
Großer  Sieg  über  die  Franzosen.
(Amtliche  Meldungen  des  W.  I.  B.)
Verlin,  21.  August.  Unter  Führung  des
Kronprinzen  von  Bayern  haben  Truppen  aller

 

 

deutschen  Stämme  gestern  in  Schlachten  zwischen
  Metz  und  den  Vogesen  einen  Sieg  er- 



kämpft.  Der  mit  starlen  Kräften  nach  Lothringen
  vordringende  Feind  wurde  auf  der  ganzen
Linie  n—  iar  Verlusten  geworfen,  und  ihm
Tausende  von  Gefangenen  und  zahlreiche
  Geschübe  gogenommen.  Der  Ge  jamtersolg
läßl  sich  noch  nicht  übersehen,  da  das  Schlochtses
  einen  weit  größeren  Raum  einnimm,  wie
v5  unsere  ge-Unsere
  Trup.

viele

in  den  Kämpfen  von
samte  Armee  in  Anspruch  nahm.

 

pen,  beseelt  von  unaufbaltsamem  Drang  nach

vorwärts,  folgen  dem  Feind  und  letzen  den

Kampf  fort.
Die  Bente  der  dentschen  Eruppe#.
Die  Franzesen  auf  der  Elucht.
Berlin,  22.  August.
Truppen  zwischen  Men  und  den  Vogesen  am

Die  von  unseren
——ee“ss

 

Donnerstag  geschlagenen  feindlichen  Kräfte  sind
am  Freitag  verfolgt  worden.  Der  Rückzug  der
Franzosen  ist  in  Flucht  ausgcartet.  Bisher
murden  mehr  wie  10  000  Gefangene  gemacht
mindestens  50  Geschüne  erobert.  Die

der  geschlagenen  feindlichen  Kräfte

 

und
Stärke
wurde  mit  mehr  als  acht  Armeekorps  festgesiellt.

*  r'  2

Kaiser  und  König.

München,  21.  Aug.  Der  Deutsche  Kaiser
hat  den  König  von  Banern  Gu  den  unter  oer
Führung  des  Kronprinzen  Rupprecht  erfochtenen
  glücklichen  Eriolgen  in  einem  herzlichen
Telegramm  beglückwünscht.  Das  Telegramm
wurde  vom  König  sofort  erwidert.

####

Kundgebungenin  München.

Müncken.  21.  Aug.  Die  Kunde  von  dem
grohen  Sieg,  den  umsere  lapferen  (Truppen  unter
  der  Führung  des  Kronp#inzen  Ruppreckt
eiern  erfodltten  haben.  rief  bei  der  Vevöôllerung
adaije  Vegeifterung  Tervor.  Tausende  29gen  zum
Wittelbacher  Palais,  um  dem  Konig  Huldigungeu
  darzubringen.  Der  König  dankte  herzlich  für
die  Oomnonen.  „Jch  bin  stolz“,  so  fuhr  der
König  fort,  „daß  mein  Soln  an  der  Spitze
seiner  lapferen  Truppen  jo  schone  Erfolge  errungen
  hal#.  Das  war  aber  erst  der  Anfang;
wir  haben  noch  schwere  Kämpfe  vor  uns.  Ich
rertreue  der  Tüchtigkeit  des  deutschen  Heeres.
vaß  es  auch  diese  überwinden  wird,  znögen  der
Feinde  nock-  lo  viele  sein.“"  Die  Menge  erwiderte
mit  hrausfenden  Hochrufen  auf  den  König,  oje
Konigin,  den  Kronprinzen,  den  deutschen  Kaiser
und  den  Kaiser  von  Oesterreich.  Nach  ddem  Absingen
  der  Königehymne,  der  Wacht  am  Rhein,
Deutisland.  Deutschland  über  Alles,  leerte  sich
der  Hof  allmählich.  Die  Stadt  trägt  Flaggenschaud.
  ·

Aus  den  Verlustlisten.

Berlin,  21.  Aug.  Die  heute  erschienene  5.
Verlustliste  enthält  Ramen  von  Offizieren,  deren
Tod  im  Felde  schon  vor  längerer  Zeit  gemeldelt
  wurde.  So  werden  unter  den  Toten  ausgeführt
  der  Kommandeur  des  Inf.-Rgts.  Nr.  74,
Oberst  Prinz  zur  Lippe;  der  Bruder  des  ehem.
Reichskanzlers.  (beneralmajor  v.  Bülow,  und  der
Bürgermeister  von  Deidesheim,  Bassermann-Jordan.
  Die  neue  Verlustliste  zählt  209  Namen
auf.  Als  gefallen  werden  aufgeführt:  6  Offiziere
  und  34  Mannschaften,  als  schwer  verwundet
  3  Ofsiziere  und  42  Mannschaften  und
als  leicht  verwundet  7  Offiziere  und  52  Mannschaften.
  Sehr  groß  ist  wieder  die  Zahl  der
Vermißten.  Als  vermißt  werden  nämlich  63
Mann  und  ein  Offizier  gemeldet.