60. Jahrgang
Kosenheimer A
Nr. 193
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Rosenheimer Tagblakt
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Rosenheim. —
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uzeiger
— Augul 1914
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Grosser deutscher Siegs über die Franzosen.
Ueber acht Armeekorps geschlagen. — Die Franzosen auf der Fluchk. — Mehr wie 10000 Gefangene. — Mindestens fünfzi 9
Geschütze erbeutek.
Freudiger Jubel durchbraust seil Freitagnachmittag
das ganze Deutsche Reich. Die in den
letzten Tagen auf eine harte Probe gesiellie
(Geduld des deutschen Volkes, das sehnsüchtig
den Nachrichten vom Kriegsschauplatz entgegensah,
hat glänzenden Lohn erhalten. In
schlichten Worten, ohne jede Schönfärberei, ohne
jede Uebertreibung, gab der Generalstab die
Mitteilung hinaus, daß auf der ganzen Front
von Metz bis zu den Vogesen am Donnerstag
ein Kampf in mehreren Schlachten legonnen
hat, der den deutschen Wafsen unter Führung
des Kronprinzen Rupprecht von Bayern cinen
glänzenden Sieg brachte. Unaushaltsam wurde
der Feind auf der ganzen Linie zurüzgeworworfen,
sein Rückzug artete in Flucht aus.
Unseren lapferen Truppen, die aus allen deutschen
Stämmen vereinigt waren, mußten die
Franzosen Tausende von Gefangenen und viele
(beschütze in den Händen lassen. Außerdem sind
unsere Truppen in der günmigen Lage, den
Feinweiter verfolgen und den Kampf ge—
gen ihn fortsenen zu lönnen. Ein unbe zähm.
barer Drang nach vorwärts beseelt unsere ganze
Armee, nichts hall sie zurück, Nache an dem
Urheber des blutigen Weltlriege; zu nehmen.
Wir freuen uns dieses glänzenden Erfolges.
Es ist der erste, große, vielleicht schon entscheidende
Erfolg, der die allergünstigsten Aussichten
für den weiteren Verlauf des Krieges
cröffnet.
Der Wert und die Vedeutung diese;z Ersolges
kann nicht hoch genug angeschlagen werden.
Nicht um eine Gelegenheitsschlacht handelt
es sich, nicht um eine einzelne Schl ro#t,
sondern um eine ganze Reihe von Schlachten, die
sich aus ein Gebiet von Metz bis Aoricourt, auf
eine Strecke von etwa 80 Kilometern erstreckt.
Nicht eine Gelegenheitsschlacht ist cs, sondern ein
von beiden Seiten von allem Anfang an wohl
überlegter Kampf, der sich hier auf dem lothringisch-französischen
Felde abspielte. Große Hecresmassen
entsandte Deutschland nach Belgien,
die Franzosen glaubten daher die nicht befestigte,
langgestreckte lothringische Grenze nicht so
stark gesichert, so daß sie sich mit vielen Kräflen
auf dieses Gebiet warfen. Die Vorstöße
durch das „Belforter Loch“ ins Oberelsaß, die
Kämpfe auf den Vogesenengpässen waren alles
Versuche, über die wahren Absichten Frankreichs
zu läuschen und gleichzeitig über die deutschen
Kräfte in den Grenzgebieten Erkundigungen einzuziehen.
Andererseits mußten die Franzosen
mit dem Loch in ihrem Festungsgürtel längs
der lothringischen Grenze rechnen. Der Festungsgürtel
Verdun-Toul läßt in seiner Fortletzung
eine Lücke bis Epinal, durch welche die
fcindlichen Streitkräfte offenbar jetzt vorgedrungen
sind. Das war ein Ziel, das von langer
Hand vorbereitel wurde, dessen Verfol-
Krouprinz Rupprecht von Bayern,
der ½ an der lothringisch-- frankönschen Grenic.
*s%
gung aber jetzt jäh zusammengebrochen ist.
Die deutsche Grenze war vorzüglich gesichert,
mehr wie acht französische Armeekorps marschierten
gegen uns auf, die gesamte Masse aber,
mehr wie der dritte Teil des ganzen französi
schen Heeres, wurde unter großen Verlusten auf
der ganzen Linie zurückgeworfen. Der Feind
ist geschlagen, er mußte in wilder Flucht den
Rückzug antreten, verfolgt von unseren tapfe
ren Truppen.
Der Siegesjubel ist groß und vollauf berechtigt,
besonders berechtigt für das Vaneriand.
Zmar wußten wir, daß unser Kronprinz
RNupprecht mit ins Feld gezogen ist, nicht aber
war bekannt, auf welchem Kampfgebiese er
kommandierte. An die Spitze seines Siegesberichtes
stellte nuun der Generaistab die Mit
teilung, daß in diesem großen Kampfe die
Truppen aus allen deutschen Stämmen der
Führung unseres Kronprinzen unterstellt waren.
Mit Stolz verkünden wir diese frohe Nach
richt, mit Jubel vernimmt sie das ganze
Bayernvolk. Ein bayerischer Fürst, unser zulünfliger
König ist es, der die deutichen Truppen
zu dem ersten entscheidenden Siege führte.
Das Band zwischen Bayern und dem Reich,
zwischen Hohenzollern und Wittelsbacher, wird
dadurch fester geknüpft, die Zusammengehörigkeit
aller deutschen Stämme in der Abmehr
ruchloser Feinde von neuem besiegelt und gestärkt.
Höher läßt dies die patriotische Be
geisterung steigen, wärmer die Herien schla
gen.
wissen heute dem Himmel
Dank für den unseren Wafsen gespendeten
Segen. Unser Vertrauen für die Zulunft wiro
nicht zu schanden, weil wir eine gerechte Sache
vertreten. Heil und Sieg unseren braven Truppen
draußen im Felde!
* ½
Tausende Gebete
#
Großer Sieg über die Franzosen.
(Amtliche Meldungen des W. I. B.)
Verlin, 21. August. Unter Führung des
Kronprinzen von Bayern haben Truppen aller
deutschen Stämme gestern in Schlachten zwischen
Metz und den Vogesen einen Sieg er-
kämpft. Der mit starlen Kräften nach Lothringen
vordringende Feind wurde auf der ganzen
Linie n— iar Verlusten geworfen, und ihm
Tausende von Gefangenen und zahlreiche
Geschübe gogenommen. Der Ge jamtersolg
läßl sich noch nicht übersehen, da das Schlochtses
einen weit größeren Raum einnimm, wie
v5 unsere ge-Unsere
Trup.
viele
in den Kämpfen von
samte Armee in Anspruch nahm.
pen, beseelt von unaufbaltsamem Drang nach
vorwärts, folgen dem Feind und letzen den
Kampf fort.
Die Bente der dentschen Eruppe#.
Die Franzesen auf der Elucht.
Berlin, 22. August.
Truppen zwischen Men und den Vogesen am
Die von unseren
——ee“ss
Donnerstag geschlagenen feindlichen Kräfte sind
am Freitag verfolgt worden. Der Rückzug der
Franzosen ist in Flucht ausgcartet. Bisher
murden mehr wie 10 000 Gefangene gemacht
mindestens 50 Geschüne erobert. Die
der geschlagenen feindlichen Kräfte
und
Stärke
wurde mit mehr als acht Armeekorps festgesiellt.
* r' 2
Kaiser und König.
München, 21. Aug. Der Deutsche Kaiser
hat den König von Banern Gu den unter oer
Führung des Kronprinzen Rupprecht erfochtenen
glücklichen Eriolgen in einem herzlichen
Telegramm beglückwünscht. Das Telegramm
wurde vom König sofort erwidert.
####
Kundgebungenin München.
Müncken. 21. Aug. Die Kunde von dem
grohen Sieg, den umsere lapferen (Truppen unter
der Führung des Kronp#inzen Ruppreckt
eiern erfodltten haben. rief bei der Vevöôllerung
adaije Vegeifterung Tervor. Tausende 29gen zum
Wittelbacher Palais, um dem Konig Huldigungeu
darzubringen. Der König dankte herzlich für
die Oomnonen. „Jch bin stolz“, so fuhr der
König fort, „daß mein Soln an der Spitze
seiner lapferen Truppen jo schone Erfolge errungen
hal#. Das war aber erst der Anfang;
wir haben noch schwere Kämpfe vor uns. Ich
rertreue der Tüchtigkeit des deutschen Heeres.
vaß es auch diese überwinden wird, znögen der
Feinde nock- lo viele sein.“" Die Menge erwiderte
mit hrausfenden Hochrufen auf den König, oje
Konigin, den Kronprinzen, den deutschen Kaiser
und den Kaiser von Oesterreich. Nach ddem Absingen
der Königehymne, der Wacht am Rhein,
Deutisland. Deutschland über Alles, leerte sich
der Hof allmählich. Die Stadt trägt Flaggenschaud.
·
Aus den Verlustlisten.
Berlin, 21. Aug. Die heute erschienene 5.
Verlustliste enthält Ramen von Offizieren, deren
Tod im Felde schon vor längerer Zeit gemeldelt
wurde. So werden unter den Toten ausgeführt
der Kommandeur des Inf.-Rgts. Nr. 74,
Oberst Prinz zur Lippe; der Bruder des ehem.
Reichskanzlers. (beneralmajor v. Bülow, und der
Bürgermeister von Deidesheim, Bassermann-Jordan.
Die neue Verlustliste zählt 209 Namen
auf. Als gefallen werden aufgeführt: 6 Offiziere
und 34 Mannschaften, als schwer verwundet
3 Ofsiziere und 42 Mannschaften und
als leicht verwundet 7 Offiziere und 52 Mannschaften.
Sehr groß ist wieder die Zahl der
Vermißten. Als vermißt werden nämlich 63
Mann und ein Offizier gemeldet.