Volltext : Geschichte der Hohenzollern.

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auslagen,  warf  der  König  oft  historische  und  statistische  Fragen  auf,  welche  ihm
seine  Umgebung  nicht  beantworten  konnte;  daher  wünschte  er  Jemand  bei  der
Hand  zu  haben,  der  ohne  Prunken  mit  gelehrter  Form,  und  ohne  daß  man
mit  ihm  viel  Umstände  machen  durfte,  den  nöthigen  Dienst  leisten  könnte.
Grumbkow  sah  in  Paul  Gundling  den  geeigneten  Mann,  da  derselbe  nicht  nur
ausgebreitete  Kenntnisse  besaß,  sondern  durch  seine  wunderliche  Persönlichkeit
Gelegenheit  zu  derben  Späßen,  wie  sie  der  König  liebte,  darbot,  und  ihn  deshalb
  gegen  jede  Besorgniß  vor  einem  etwa  zu  großen  Einfluß  auf  den  König
sicher  stellte.  Deshalb  war  es  wohl  auch  nur  Scherz,  wenn  dem  häufig  verspotteten
  Gundling  in  schneller  Folge  die  Titel  als  Kammer-,  Kriegs-,  Geheimer
Oberappellations=  und  Kammergerichts-Rath  nebst  der  Freiheit,  allen  Sitzungen
dieser  Collegien  beizuwohnen,  ertheilt  wurden.  Aus  ähnlichem  Grunde  ernannte
ihn  der  König  1717  zum  Ober-Ceremonienmeister  und  schenkte  ihm  einen
eben  so  glänzenden  Anzug,  wie  Besser  unter  der  Regierung  seines  Vaters  getragen
  hatte,  durch  welchen  die  wunderliche  Person  ein  um  so  lächerlicheres
Aussehen  erhalten  mußte.  Bald  darauf  wurde  Gundling  in  das  damalige
General-Finanz-Direktorium  eingeführt,  wo  man  ihm  als  Departement  die
Aufsicht  über  alle  Seidenwürmer  und  deren  zweckmäßige  Erhaltung  im  ganzen
Lande  ertheilte.  Diese  vielfachen  Ernennungen  dienten  offenbar  nur  dazu,  um
desto  ergötzlicheren  Spott  zu  treiben,  denn  man  weiß,  daß  Gundling,  der  den
Wein  liebte,  und  hierbei  nicht  rechtes  Maaß  hielt,  oft  in  der  Trunkenheit  zu
den  derbsten  und  possenhaftesten  Scherzen  Anlaß  geben  mußte.

Diese  seltsame  Persönlichkeit  also  bestimmte  der  König  zum  Nachfolger  des
berühmten  Leibnitz  als  Präsident  der  Akademie  der  Wissenschaften,  offenbar  eine
Demonstration  zu  Gunsten  der  praktischen  Lebensthätigkeiten,  denen  gegenüber
die  theoretische  Wissenschaft  als  ein  eitles  und  verlachenswerthes  Ding  erscheinen
sollte.  Ueberhaupt  ging  des  Königs  ganzes  Streben  auf  das  Reale  unter  Verachtung
  alles  bloßen  äußeren  Scheines,  mit  einer,  wie  wir  schon  oben  erwähnt,
durchaus  demokratisch-republikanischen  Lebensrichtung.  Deshalb  hatte  auch  das
Hoftitelwesen  und  der  nach  Ausschließung  anderer  Elemente  strebende  Adelstolz
durch  manche  Einfälle  seiner  spottenden  Laune  zu  leiden.  Wir  wissen,  daß  er
es  höchst  lächerlich  fand,  als  ein  Herr  von  altem  Adel  selbst  in  der  Kirche
#ungstlich  den  Vorsitz  zu  behaupten  suchte,  so  wie,  daß  er  die  Ernennung  zum
Baron  für  eine  Lumperei  erklärte.  Auch  bei  der  Person  Gundlings,  der  zuletzt
  vollständig  den  Standpunkt  eines  lustigen  Rathes  einnahm,  erwies  sich  dieselbe
  Absicht,  was  die  schon  oben  erwähnte  Ernennung  zum  Oberceremonienmeister,
  die  später  in  eben  der  Art  erfolgte  eines  Kammerherrn,  namentlich  aber
das  förmlich  den  Adelstand  verspottende  Diplom,  durch  welches  er  Gundling
„vorerst  nur  in  den  Freiherrnstand  erhob,  während  seine  großen  Dienste  längst
meritirt,  daß  er  mit  dem  Grafenstand  beehrt  würde“.

Nach  Gundlings  Tode  wurde  es  etwas  besser  mit  der  Akademie  der  Wissenschaften,

  indem  Jablonski,  ein  in  der  gelehrten  Welt  ehrenvoll  anerkannter
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