Berathung über den Militäretat. 283
Thaler nicht mehr ausreichen und die Militärverwaltung für das
nächste Jahr nur aus dem Grunde damit auskommen könne, weil
besondere Umstände erhebliche Verringerungen der Ausgaben zulassen.
Als solche Umstände wurden angeführt, daß die gewöhnlichen
Herbstübungen diesmal ausfallen könnten, daß die Rekruten
von Elsaß-Lothringen erst im Oktober zur Einstellung gelangen,
daß die Occupationstruppen von Frankreich verpflegt würden, und
daß das Retablissement der Armee an Bekleidung, Ausrüstung, Waffen
und Munition nach Beendigung des Krieges einen geringeren Aufwand
erwarten lasse. Schon bei der Generaldebatte über die
Feststellung des Haushaltsetats am 30. Oktober rechnete der Abgeordnete
Lasker aus, daß künftig der Betrag pro Mann von 225
auf 249 Thaler steigen und das Militärbudget die Summe von
104 Millionen Thalern erreichen werde. Es sei natürlich, sagte
Lasker, daß man an der Verpflegung der Truppen nicht sparen
dürfe; die Frage über Ersparniß oder Mehraufwand sei lediglich
von der Größe des Kontingents abhängig. Darüber müsse eine Verständigung
mit der Volksvertretung herbeigeführt werden. Andererseits
sei die Aufrechthaltung der Armee in voller Wehrhaftigkeit
bei gegenwärtigen politischen Zuständen eine Nothwendigkeit. Kriegsminister
Graf Roon antwortete, daß, wenn Lasker meine, der nächste
Etat werde eine Erhöhung der Forderungen für die Armee bringen,
er ihm darin nur Recht geben könne. Er wolle nicht, daß jemand
dadurch überrascht werde, daß die Militärverwaltung für die Kriegsbereitschaft
der Armee und für die Waffenfähigkeit der Nation
auch die Freigebigkeit der Nation in höherem Maße als bisher in
Anspruch nehmen müsse. Durch das Eingeständniß der Regierung,
daß die etatsmäßige Summe von 225 Thalern eigentlich schon
überschritten sei, indem Posten, welche gar nicht erxistirten, in die
Berechnung aufgenommen worden waren, fühlten sich einige Abgeordnete
veranlaßt, auf Abstriche anzutragen. Lasker und Stauffenberg
stellten in der Kommissionsberathung den Antrag, daß die
Summe für das elsaß-lothringische Kontingent für die ersten Dreivierteljahre,
in denen es nicht zur Einstellung kommen solle, und
die für die Erhöhung der Militärbeamten-Gehalte verlangte Summe,
welche auf einen anderen, als den Militärfond verwiesen war, auch
nicht verwilligt werde, was zusammen eine Ersparniß von 1,421,198
Thalern ausmache. Die Fortschrittspartei gieng weiter und bean-