König weniger zur Nachgiebigkeit bereit als Bismarck. 399
Jütland⁴ die uns als pis aller angebotene Linie als schließliches Ergebnis werde ins Auge
fassen können. Dabei wollen Ew. Exzellenz hervorheben, wie unsere Stellung in Deutschland
uns nötige,' die rein deutsche Bevölkkerung von der Rückkehr unter dänische Herrschaft
nach Kräften u bewahren, und darauf verweisen, daß die materielle Wichtigkeit der
Guteilung von 50 000 oder 100 000 Einwohnern auf der einen oder andern Seite in gar
keinem Verhältnis steht m der erbitterten Unzufriedenheit, welche die lauten Klagen dieser
geringen, ihrem Schicksal überlassenen Einwohnerzahl in der öffentlichen Meinung von
ganz Deutschland und Preußen hervorrufen würden.
Ew. Exzellen; werden dabei zugleich eine Aufklärung darüber gewinnen können, wie
sich das französische Kabinett das künftige Verhältnis der Städte Eckernförde, Schleswig
und Husum denkt, welche eine viel größere Wichtigkeit besitzen als die Halbinsel Schwansen.
— Zunächst wollen Ew. Exzellenz mir unverzüglich Ihre eigene Ansicht über die Ihnen
vorstehend empfohlene Haltung gefälligst mitteilen.
Nachschrift.
Zu Ew. Exzellenz Orientierung bemerke ich noch, daß ich persönlich lieber die angebotene
Grenzlinie „für den schlimmsten Fall“ annehmen, als mich der Gefahr aussetzen möchte,
eine europäische Übermacht für ein noch ungünftigeres Ergebnis uns gegenübertreten zu
sehen, daß es mir aber nicht gelungen ist, die allerhöchste Zustimmung m dieser Auffassung
zu gewinnen. Die Hoffnung, günstigere Resultate, welche natürlich auch mir erwünschter
sein würden, durchsetzen zu können, ist infolge der glänzenden Haltung unserer Truppen
erheblich gestiegen, und auch im größeren Publikum läßt die Tapferkeit, mit welcher der
Erfolg von Düppel errungen wurde, das politische Gewicht desselben überschätzen.
Schließlich erlaube ich mir die ergebenste Bemerkung, daß in der auf die Eröffnung
der Konferenz bezüglichen Depesche vom 22. d. M. (Nr. 137) eine Andeutung über das
diesseitige „bereitwillige Eingeben auf die vertraulichen Vorschläge Frankreichs“ enthalten
ist. Ich erachte es nicht für wünschenswert, die Existenz der gegenwärtigen, dem
Geschäftsgange entrückten Korrespondenz in Depeschen, welche sich nicht genau auf denselben
Gegenstand beziehen, zu berühren, und ich ersuche Ew. Exezellenz ganz ergebenst, diesen
Gesichtspunkt gefälligst überall festhalten zu wollen.³
*345. Telegramm an den Gesandten in Wien Freiherrn von Werther.
[Konzept von der Hand des Vortragenden Rats Abeken.]
In der Sitzung der Londoner Konferenz vom 25. April, der ersten, in der alle Delegierten
zur Stelle waren, war seitens der neutralen Mächte der dringende Wunsch nach einem provisorischen
Waffenstillstand von etwa vier Wochen ausgesprochen worden, den jedoch Dänemark
nicht auf die Feindseligkeiten zur See und die Blockade ausgedehnt wislen wollte. Der dänische
Standpunkt, der für die deutschen Mächte ganz; unannehmbar sein mußte, wurde bezeichnender
Weise vor allem von den englischen Staatsmännern vertreten, die sogar wieder an eine Entsendung
der englischen Flotte in die Ostsee als Druckmittel dachten. Vgl. das Billet Lord
4 Die Worte von: „lowie“ bis „Jütland“ eigenhändige Zufügung König. Wilhelms I.
5 Das Wort „können“ hat König Wilhelm l. eigenhändig statt des von Bismarck konzipierten „wollen
gesetzt.
6 Der Passus von den Worten an „aber Ihre Zweifel“ im vorhergehenden Satze eigenhändger Zusatz
Bismarchs im ersten Konzept von v. Keudells Hand mit dem Vermerk „Aenderung auf Befedl Seiner Majestat“.
7 Der letzte Absatz eigenhändiger JZusatz Bismarcks in v. Keudells Konzept.
8 Der letzte Absatz Zusatz im Reinkonzept von v. Keudells Hand.
345. 9 Das Protokoli über die Sitzung vom 25. April, sowie die weiteren 11 Sitzungen findet sich u. a. in:
Das Staatsarchiv, VII. 2 ff.