Full text : Fürst Bülows Reden. 1. Band 1897-1903. (1)

234  51.  Verteidigung  des  Zolltarifgefetzes.

halte.  Ich  habe  schon  im  vorigen  Jahre  —  es  muß  im  Februar  oder
März  gewesen  sein  —  von  dieser  Stelle  aus  gesagt,  daß  es  unser
Wunsch  und  unsere  Absicht  sei,  auf  für  uns  annehmbarer
Basis  wieder  zu  Handelsverträgen  zu  gelangen.  Ich  sage:
auf  für  uns  annehmbarer  Basis;  denn  allerdings  bin  ich  nicht  der  Ansicht,
daß  Dentschland  sich  in  einer  Zwangslage  befinde,  die  uns  nötigte,  um
jeden  Preis  und  unter  jeden  Bedingung  mit  anderen  Staaten  Handelsverträge
  abzuschließen.
(Sehr  wahr!  rechts.)
Ich  bin  der  Ansicht,  daß  für  die  Staaten,  mit  denen  wir
gegenwärtig  Handelsverträge  haben,  genan  dasselbe  Interesse
  wie  für  nns  besteht,  daß  die  Handelsvertragspolitik
fortgesetzt  wird.
(Sehr  richtig!  rechts.)
Ich  bin  anch  der  Ansicht,  daß  neue  Handelsverträge  nur
möglich  sind  auf  der  Basis  voller  Gegenseitigkeit,  und  ich
bin  endlich  der  Ansicht,  daß  im  Hinblick  auf  die  kommenden
  Handelsvertragsverhandlungen  wir  unsere  Wünsche
mit  derselben  Freiheit  zur  Sprache  bringen  können  wie
andere.  Wir  brauchennicht  schüchterner  zu  sein  als  andere.
(Heiterkeit.)

Was  nun  die  tadelnden  Auslassungen  fremder  Blätter  über  unsere
Tarifvorlage  angeht,  so  werden  sich  die  verbündeten  Regierungen  dadurch
natürlich  nicht  um  eines  Haares  Breite  von  dem  Wege  abdrängen  lassen,
den  uns  unser  Recht  und  unsere  Interessen  vorschreiben.

(Bravol  rechts.)
Ich  gestehe  übrigens,  meine  Herren,  daß  mich  diese  Angriffe  der  fremden
Presse  gegen  die  Tarifvorlage  gar  nicht  weiter  betrüben;  im  Gegenteil.
wenn  der  Tarif  von  allen  Ecken  und  Enden  des  Anuslandes
beifällig  besprochen  würde,  so  müßte  mich  das  eher  nachdenklich
  stimmen!

(Sehr  wahr!  rechts.)

Die  fremde  Kritik  lobt  den  Tarif.  Wir  sind  Herren  im  eigenen  Hause
und  tun  nur,  was  wir  im  Interesse  der  wirtschaftlichen  Entwickclung
Deutschlands  für  nötig  und  nützlich  halten.

(Bravo!  rechts.)

Ich  möchte  noch  eins  hinzufügen:  fern  sei  mir  der  Gedanke,  auch
nur  einen  Augenblick  den  Patriotismus  des  Herrn  Abgeordneten  Richter