Full text : Regierungs-Blatt für das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin. Jahrgang 1917 (4)

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Terrains  an  seinen  Ufern  und  die  Anlage  einer  Verkehrsbahn  direkt  neben
dem  Kanal.  Man  sollte  einmal  sehen,  wie  schnell  sich  einige  von  unseren
neuen  Volksmillionen  an  diesen  Rändern  festsetzen  würden!  Eine  ähnliche
Straße,  etwa  von  Berlin  über  Landsberg  nach  Bromberg  hin,  müßte  den
Osten  durchziehen.  Jetzt  leisten  wir  uns  den  Luxus  eines  dünn  bevölkerten
Ostens  und  eines  mit  Menschen  überhäuften  Westens.  Der  Csten  stößt
alle  seine  überzähligen  Kinder  nach  dem  Westen,  und  wenn  es  im
Westen  geringen  Derdienst  gibt,  stößt  er  sie  übers  Meer.  Hier  gibt
es  ein  Ansiedelungsproblem  von  gewaltiger  Größe,  ein  Umwandeln
des  Rittergutslandes  in  Bauern=  und  Industriegebiet.  Das  Land  der
WMasse!

Da  Deutschland  einmal  durch  sein  Dolkswachstum  auf  Industrialismus
  anselegt  ist,  muß  es  mit  diesem  seinem  Schicksal  entschlossen  Ernst
machen.  Erst  ein  dezentralisierter  Industrialismus  bietet  einer  hygienisch
und  moralisch  gesunden  Dolksentwickelung  die  nötigen  Garantien.  Da  wir
von  dem  Rauchen  der  Schlote  leben  müssen,  da  unsere  Landwirtschaft  nur
mit  der  Industrie  lebensfähig  bleiben  und  verdienen  kann,  da  wir  kein
Uebeneinander  von  gehäuften  Menschenkasernen  und  menschenleeren  Flächen,
wie  es  sich  in  England  findet,  bei  uns  wollen  können,  so  entsteht  eine  neue
politische  Aufgabe,  für  die  die  Organe  erst  gebildet  werden  müssen.  Die
Reichsgesetzgebung  muß  die  neuen  Grundlagen  legen;  aber  dezentralisierte,
in  sich  selbständige,  nicht  bureaukratische  Derwaltungskörper  müssen  die
Ansiedelungsaufgabe  in  den  verschiedenen  Landesteilen  übernehmen.  Auch
hierbei  dürfen  geschichtliche  Landes=  und  Drovinzialgrenzen  nicht  maßgebend
sein.  Auch  diese  Aufgabe  drängt  zu  einer  Dezentralisation  nach
Wirtschaftsgebieten.

Will  die  Demokratie  in  Deutschland  positive  Holitik  machen,  so  wird
sie  gar  nicht  anders  können,  als  sich  schon  jetzt  vor  die  Frage  stellen:
welche  innerpolitischen  Deränderungen  fordert  der  Industrialismusd  Diese
Frage  kann  überhaupt  nur  von  der  Dertretung  der  industriellen  Masse
mit  Erfolg  aufgeworfen  werden,  und  sie  kann  nur  mit  ihr  gelöst  werden.
Jetzt  wächst  unser  Industrialismus  und  sprengt  im  Wachsen  die  Nähte
seines  alten  politischen  Kleides,  aber  er  wächst,  ohne  für  ein  neues  politisches
  Sewand  zu  sorgen.  Hier  zeigte  die  Demokratie,  was  sie  kann,  sie