nicht mehr Minister war, bei der Katastrophe — die Hände in
Unschuld waschen. Dies um so wirksamer, als er kurz vorher
als Kron-Oberanwalt, d.h. als oberster Beamter der Staatsanwaltschaft
des Königreichs, nach Celle versetzt und derart
politisch kaltgestellt worden war. Er konnte daher für die Ratschläge,
welche die Haltung des Königs bestimmt hatten, nicht
verantwortlich gemacht werden. Dies dürfte ihm in seinem
persönlichen Verhältnis zum Könige nach dessen Entthronung
nicht wenig dienlich gewesen sein.
Der ‚Politiker‘‘ in ihm war zu stark entwickelt, als daß
er, auch als sein Hannover in Preußen aufgegangen war, sich
von der politischen Bühne zurückgezogen, die Flinte ins Korn
geworfen hätte. Er ließ sich sowohl in den preußischen Landtag
wie in den norddeutschen Reichstag wählen. Nicht um, wie
seine beiden nationalliberalen Landgenosen Bennigsen
und Miquel, welche das Vergangene auf sich beruhen lassen
wollten und nur noch darauf bedacht waren, den werdenden
deutschen Nationalstaat unter preußischer Führung auszugestalten,
vielmehr um unter Wahrung seines partikularistischen,
hannöverisch-welfischen und großdeutsch-österreichischen Standpunktes,
dem preußisch-deutschen Siegeswagen den Hemmschuh
anzulegen, in der Hoffnung, daß Hannover doch noch wiedererstehen
und Österreich Preußen niederringen werde. Sei es
auch erst im Gefolge eines europäischen Krieges.
Mit den Mitgliedern der ‚katholischen‘‘ Fraktion im
preußischen Landtage hatte er schon von Hannover aus persönliche
Fühlung genommen. Er war dazu nach Berlin gekommen
und hatte ihre Wortführer von der Tribüne aus sprechen
hören. Mit den Reichensperger und Mallinckrodt hatte er seitdem
engeren Verkehr gepflegt. Sie wußten, daß sie, zumal auch
in bezug auf die Verfechtung der römischen Papstkirche, auf
ihn zählen konnten, und hatten von der Befähigung des alterfahrenen
Parlamentariers und Ministers für Politik mit
gutem Grunde die höchste Vorstellung. Mit nicht geringer
Genugtuung erhielt A. Reichensperger auf die Frage nach den
neuen Persönlichkeiten in den Parlamenten an der Spree von
seinem Freunde, dem Alt-Liberalen Georg v. Vincke,
zur Antwort:
„Wollen Sie wissen, wer die drei gescheitesten Leute jetzt bei uns sind ?
Das sind drei annektierte Hannoveraner! Der eine ist Bennigsen,