450 Die rechtlichen Grundlagen für den internationalen Verkehr zur See.
rechtlich gleichgültig, inactiv verbleibe, bis seine Action eben durch die
Berührung seiner Interessensphäre, sei es durch directe Anrufung, sei es
durch Störung seiner Rechtsordnung, unerläßlich wird. Jederfalls
bieten die Üüberaus elastischen Bedingungen der Franzöfischen Staatspraxis:
die directe und indirecte Herausforderung der staatlichen
Cognition — Sicherheit darüber, daß das durch diese beherrschte
Französische Fremdenrecht den Kauffahrteischiffen fremder Staaten in
Französischen Eigengewässern principiell keine größere Exemtion von der
Gebietshoheit einräume, als das einschlägige Gewohnheits- oder pofttive
Recht anderer Staaten.
Der ziemlich geringe principielle Werth des der Entscheidung des
Conseil d'Etat zu Grunde liegenden Gedankens hat aber nicht gehindert,
daß derselbe, allerdings in oft mangelhafter Form, in das Strafrechtssystem
einzelner Staaten und in die meisten Handels- und Consulatsverträge
der wichtigsten Culturstaaten überging. Letzteres gilt auch von
denjenigen, die, wie das Deutsche Reich, in ihren Gesetzgebungen die einschlägigen
Fragen regelmäßig ohne Specialisirung der Detailfälle nach
den in allgemeiner Anerkennung stehenden Principien des Völkerrechts
regeln.
Die zweite große Gruppe von internationalen Regelungen des
Rechtsverhältnisses der in fremden Eigengewässern liegenden Handelsschiffe
lehnt sich an die bestimmtere Vorschrift des Englischen Rechts an,
welches, im Sinne der älteren Merchant Shipping und Mercantile
Marine Acts, in der Instruction an die Consuln des Britischen Reiches
den Grundsatz aufstellt, bezw. festhält: „. . . that a British merchant
ship, while in a foreign port is subject to the laws in force at that
port, and that no persons seeking refuge on board such ships, with
a view of evading the local laws, can be protected against the
operation of those laws. The ship affords no harbour to any person
liable legally) to be taken into custody; and the crew forms no
exception to this rule.
The disciplin on board a British merchant ship while in à
foreign port is usually allowed to be regulated by the master in
conformity with British law and it is desirable that he should be
supported in maintaining it. Consular officers should assist sbipmasters
in this respect, warning them, however, of any local rules or
regulations which might interfere with their free action in the matter.
Whenever such rules are made or altered, the Consular officer
will give due information thereof to the Secretary of State.“ 5)
Das hier und im älteren continentalen Quellenmateriale vorwiegende
Princip einer stillschweigenden Auftheilung der Jurisdictionsgewalt
zwischen dem Uferstaat und dem Heimathsstaat des Schiffes hat aber
offenbar unter dem Einflusse der Französischen Theorie in der neueren
Staatspraxis allmählich die Gestalt angenommen, daß den consularischen
Functionären in den fremden Häfen eine örtlich und sachlich genau be-