Volltext : Regierungs-Blatt für das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin. Jahrgang 1917 (4)

148  Nr.  64.  1917.

Anlage.

„Ordnung  der  Reifeprüfung  für  Kriegsteilnehmer“.

1.  Die  Prüfung  zerfällt  in  einen  schriftlichen  und  einen  mündlichen  Teil.

2.  Zur  schriftlichen  Prüfung  gehören  bei  allen  Anstalten:  ein  deutscher  Aussatz
und  die  Bearbeitung  von  zwei  einfacheren  mathematischen  Aufgaben  aus  verschiedenen
Gebieten,  ferner

a)  bei  den  Gymnasien:  je  eine  Übersetzung  aus  dem  Lateinischen  und  aus  dem

Geriechischen  ins  Deutsche;

b)  bei  den  Realgymnasien:  eine  übersequng  aus  dem  Lateinischen  ins  Deutsche
und  eine  französische  oder  englische  Arbeit  (Übersetzung  in  die  Fremdsprache
oder  freie  Arbeit);

P)  bei  den  Oberrealschulen:  eine  französische  oder  eine  englische  Arbeit  (Übersetzung
  in  die  Fremdsprache  oder  freie  Arbeit)  und  eine  Aufgabe  aus  der
Physik  oder  der  Chemie.  .

3.  Die  mündliche  Prüfung  umfaßt  bei  allen  Anstalten  die  Geschichte  und  die
Mathematik,  ferner
a)  bei  den  Gymnasien:  die  lateinische  und  die  griechische  Sprache;

b)  bei  den  Realgymnasien:  die  lateinische,  eine  neuere  Sprache  und  Physik;
„P)  bei  den  Oberrealschulen:  die  französische,  die  englische  Sprache  und  die
Chemie  oder  die  Physik.

In  der  mündlichen  Prüfung  kann  auch  auf  solche  Gegenstände  eingegangen  werden,
mit  denen  sich  der  Prüfling  nach  seiner  Angabe  besonders  eingehend  beschäftigt  hat.

Bei  befriedigendem  Ausfall  der  schriftlichen  Arbeiten  kann,  falls  auch  genügende
Leistungen  des  Unterrichts  in  den  Lehrgängen  vorliegen,  von  der  mündlichen  Prüfung
in  den  betreffenden  einzelnen  Fächern  abgesehen  werden.  Im  Deutschen  findet  entsprechend
  den  allgemeinen  Bestimmungen  nur  eine  schriftliche  Prüfung  statt.

Das  Gesamturteil  für  jedes  Fach  wird  festgestellt  auf  Grund  der  Leistungen  in
den  Lehrgängen  und  der  schriftlichen  und  mündlichen  Prüfungsleistungen.

Für  die  Fächer  der  Sonderklassen,  welche  nicht  Gegenstände  der  Prüfung  sind,
werden  in  das  Reifezeugnis  die  Prädikate  der  Fachlehrer  ausgenommen;  sie  sind  bei
der  Wertung  der  gesamten  Leistungen  zu  berücksichtigen.

Im  übrigen  gelten  für  die  Sonderreifeprüfungen  die  Bestimmungen  der  allgemeinen
Prüfungsordnung,  nur  sind  für  die  Anfertigung  der  beiden  mathematischen  Arbeiten
dreieinhalb,  für  die  Übersetzungen  in  den  Sprachen  je  zwei  Stunden,  unter  entsprechender
Vereinfachung  der  Aufgaben,  anzusetzen.  Dem  Regierungskommissar  steht  die  Befugnis
zu,  die  mündliche  Prüfung  in  dem  einen  oder  anderen  Fach  bei  einzelnen  Prüflingen
abzukürzen  oder  ganz  fortfallen  zu  lassen.  Der  Ausgleich  nicht  genügender  Leistungen
in  einzelnen  Lehrgegenständen  durch  die  Leistungen  in  anderen  Lehrgegenständen  ist

atthaft.
n  Kür  die  zu  erfüllenden  Zeellorderungen  gelten  als  Mindestmaß  im  wesentlichen
die  Lehrziele,  welche  aus  den  „Lehrplänen  und  Lehraufgaben  für  die  Sonderklassen  der

nhme  sich  ergeben  (Anlage).