Weigerung unmoͤglich; sie verließ ihre Gesellschaft; doch wie erstaunte fie, als
sie ihr ganzes Haus erleuchtet sah und beim Eintreten in die festlich geschmück.
ten Zimmer des Kronprinzen die Königin, umgeben von allen ihren Kindern,
erblickte. „Ich habe mir die Freude nicht versagen können, sagte fie zu der
überraschten Frau, Ihnen, meine liebe Madame Argelander, meinen Glückwunsch
zu dem heutigen Tage zu bringen. Auch Dankbarkeit führt mich zu Ihnen, da
die Prinzen eine so freundliche, gute Aufnahme in Ihrem Hause gefunden haben.
Gern möchte ich nun mit meinen Kindern Ihr Geburtefest feiern; Ihre ebenfalls
eingeladenen Freundinnen werden sogleich hier sein, und wenn aufrichtige Theilnahme
zur Freude stimmt, so wird es uns daran nicht fehlen.“ Bald erschienen
sämmtliche Gäste, und entzückt von der huldvollen Freundlichkeit der Königin
feierten sie ohne den geringsten Zwang den Tag in ihrer Alles belebenden Gesellschaft;
und es läßt sich ermessen, wie sehr eine so liebevolle Huld die Begeisterung
für die edle Fürstin in den Herzen der Unterthanen stärkte.
In diesem Sinne verfuhr sie bei jeder Gelegenheit, auch während der
traurigen Zeit. „Sie lebt zwar still und zurückgezogen, sagt ein Augenzeuge,
entzieht sich jedoch nicht dem Blicke des Publikums. Sie sucht, so weit es zarte
Weiblichkeit verstattet, das Elend, welches der Krieg mit sich führt, möglichst
nach ihren Kräften zu mildern. Sie sorgt in unablässigen Bemühungen mit
ansehnlichen Unterstützungen für die Verwundeten und hilft nach allen Richtungen
den Nothleidenden. Jeder, dem das Glück wird, sich ihr zu nahen, sie zu
sehen und zu hören, muß bekennen, daß, wenn irgend eine hohe, edle Seele,
sie dem hohen Ideale der reinsten Weiblichkeit gleich kommt. Nicht mächtig und
imponirend, aber sanft und wohlthuend ist der Eindruck, den sie auf Jeden, Große
und Kleine, Fremde und Einheimische, macht, mit dem sie das Unglück trägt."
Das ist ja der himmlische Segen für den edlen und gerechten Menschen,
daß ihm selbst das Unglück, das unverdiente, zu einem Quell reicher Befriedigung
wird; denn außer den stillen Freuden des Gemüthes ist die Achtung und
gesteigerte Liebe der Lohn für den Duldenden. So waren denn auch die Tage
in Memel für das hohe Paar nicht ohne reiche Befriedigung ihres menschlichen
Daseins, und nicht ohne Rührung kann man die Abschiedsworte lesen, in welchen
der König schreibt: „Ich danke der braven und guten Bürgerschaft von Memel
für die während meiner Anwesenheit so vielfach und herzlich geäußerten Beweise
der Treue, Liebe und Aufrichtigkeit an meine Person, meine Gemahlin und mein
ganzes Haus. So wie es unvergeßlich sein wird, daß Memel allein von allen
Städten meines Reiches von den Kriegsdrangsalen unmittelbar verschont geblieben,
so werde auch ich mich stets dankbar erinnern, daß die göttliche Vorsehung
meine Familie hier eine Freistätte finden ließ. Die vielen und rührenden Beweise
der Liebe und unerschütterlichen Treue, welche die sämmtlichen Einwohner der
Stadt und Gegend mir, selbst bei Annäherung der größten Kriegsgefahr gegeben,
erhöhen den Werth dieser Erinnerung und sichern der Stadt mein immerwährendes
Wohlwollen. Mit Freuden werde ich jede Gelegenheit ergreifen, ihr
solches thätig zu bezeigen als ihr gnädiger König."