Kap. XIX. Die gallischen Kelten. 149
Wie in Helvetien werden die Ansiedlungen regelmässig als
oppida, vici, aedificia, agri bezeichnet. Sie sind als Gegenstände
der Kultur im Kriege Objekte der Zerstörung. (In Germanien,
wo es insgemein keine oppida gab, waren es vici aedificiaque.)
Die Stadtbewohner sind oppidani II 338; VII 12. Der Stamm
hat eine Mehrzahl von Städten, oppida (insbesondere ummauerte
Städte) oder urbes, unter denen eine die Hauptstadt ist. Die
Suessionen haben z. B. wie die Helvetier 12 oppida, Gall II 4;
die Biturigier mehr als 20 urbes unter denen ihre Hauptstadt
Avarikum (Bourges), ihr grösstes und festestes oppidum mit
Forum und freien Plätzen, Schutz und Zierde des Stammes, fast
die schönste Stadt, urbs von Gallien, VII 18, 15, 28. Auch
Gergovia bei Clermond-Ferrand, die Hauptstadt der Arverner
wird urbs wie oppidum genannt, VII 36, 47. Bei den Remern
wird ihrer oppida und insbesondere ihres oppidum Bibrax gedacht
I 8, 6, 7. Das oppidum der Kadurken Uxellodunum stand unter
dem Befehl des Lucterius, quod in clientela fuerit ejus, VIII 32.
Ausser den Helvetiern beschlossen auch die Gallier während
der Erhebung des Jahres 52 die Zerstörung aller eignen oppida,
vici atque aedificia und führten sie, abgesehn von Avarikum
aus, VII 14, 15.
Den Remern wurden vici aedificiaque in Brand gesetzt, die
agri verwüstet Il 7. Dieselben Formeln: vici aedificia finden sich
1 11; III 6, 43; vici aedificia, agri II 5; IV 4. Ein vicus im
Lande der Veraguer wird Octodurus genannt, III 1. Die aedificia
legt man am Wald oder Fluss an, VI 30.
_ Von den besprochenen Verfassungsformen stimmen die der
civitas, des pagus und des vicus in ihren Grundzügen mit der
vierten, dritten und ersten Stufe der germanischen Formen überein,
und jene sollen in den nächsten Kapiteln dargelegt werden.
Verwandte Stämme.
Nicht nur der einzelne Stamm wurde durch das Bewusstsein
blutsverwandter Zusammengehörigkeit in sich gefestigt, son-