Full text : Archiv für Stamm- und Wappenkunde. 8. Jahrgang. (8)

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Meinung  der  Menge,  die  ja  leider  deren
Bestrebungen  überhaupt  nur  wenig  Verständnis
  entgegen  bringt.  Unangenehm
berührt  es  auch,  wie  versucht  wird  —  denn
Papiere  und  sonstige  Erinnerungen  fehlen
naturgemäss  —  die  Brücke  zwischen  den
beiden  Familien  zu  schlagen.  Meist  spielt
hier  eine  Flucht  aus  religiösen  oder
politischen  Gründen  eine  grosse  Rolle,
Brand  und  Wassersnot  helfen  den  Verlust
der  Dokumente  mit  zu  begründen.  Es  erinnern
  diese  »Forscher«  in  ihrem  Scharfsinn
  dabei  an  die  Historiker,  die  Ludwig  XIV.
bewiesen,  dass  er  von  Karl  dem  Grossen
abstamme  und  er  infolgedessen  mehr  Anrecht
  wie  die  Habsburger  auf  die  deutsche
Kaiserkrone  habe.

Oder  an  die  7  Historiographen,  die
Maximilian  I.  aussandte,  den  Ursprung
seines  Geschlechts  zu  entdecken.  Da  kamen
wohl  ein  Dutzend  Stammbäume  zum  Vorschein,
  die  unterrichtesten  gingen  auf  Adam
zurück,  denn  Max  wollte  »den  Julium
Caesarem  überpochen  und  Semper  e  familia
Caroli  Magni  sein«.  Die  kleine  Burg  in
der  Schweiz  wurde,  als  zu  unbedeutend,
ignoriert.

Napoleon  I.  war  manchen  seiner  Zeitgenossen
  auch  nicht  vornehm  genug,  so
schickte  ihm  der  Kaiser  von  Oesterreich  vor
seiner  Hochzeit  mit  Marie  Louise  eine  Kiste
voller  Dokumente,  die  Napoleon  zum  Abkömmling
  der  Herzöge  von  Florenz  machen
sollten.  Den  Ueberbringer  Metternich
fertigte  er  aber  sehr  kurz  ab  mit  den  Worten:
»Glauben  Sie,  ich  werde  mich  mit  solchen
Dummbheiten  abgeben?  Angenommen  selbst,
die  Tatsache  wäre  richtig,  was  würde  mir
dieses  ausmachen?  Die  Herzöge  von
Florenz  waren  nicht  soviel,  wie  die  deutschen
Kaiser.  Ich  will  mich  nicht  unter  meinen
Schwiegervater  stellen,  ich  glaube  zum
mindesten,  ebensoviel  wert  zu  sein  wie  er.
Uebrigens  datiert  mein  Adel  von  Montenette!
  Nehmen  Sie  die  Papiere  wieder  mit.«

Auf  St.  Helena  erzählt  Napoleon,  dass
man  ihm  die  Abstammung  von  der  »Eisernen
Maske«  unterschieben  wollte.  Der  Gouverneur
  von  Pignerol  hiess  Bornpars.  Er  hätte

seine  Tochter  mit  dem  geheimnisvollen  Gefangenen,
  einem  Bruder  Ludwigs  XIV.  (?)
verheiratet  und  das  Paar  unter  dem  Namen
Bonaparte  nach  Korsika  gesandt,  aus  dieser
Ehe  wären  die  Vorfahren  Napoleons  ent-Sprossen.


Wie  würden  wir  Napoleon  beurteilen,
hätte  er  Gebrauch  von  dieser  Fabel  gemacht.
  Mögen  die  entgleisten  Familienforscher
  auch  beherzigen,  dass  ihre  Pfropfversuche
  den  Nachkommen  sicherlich  nicht
verborgen  bleiben  werden.

Uebrigens  fehlten  auch  dem  Kaiser
Maximilian  I.  nicht  die  Spötter  bei  seinem
Ahnendurst.  Da  hatte  einer  von  ihnen  an

die  Wand  des  Burghofes  geschrieben:
»Da  Adam  hackt’  und  Eva  spann,
Wo  war  denn  da  ein  Edelmann.«
Der  Kaiser  aber  war  auch  nicht  verlegen,
  er  schrieb  darunter:
»Ich  bin  ein  Mann,  wie  ander’  Mann,
Nur  dass  mir  Gott  die  Ehre  gann.«

forschung  auf  militärischem  Gebiete.

Von  M.  Petiscus-Halberstadt.

Für  die  so  häufigen  Anfragen  über  den
Standort  alter  Regimenter,  sowie  über  ehemalige
  Angehörige  der  Armee,  möchte  ich
kurz  folgenden  Hinweis  geben.  War  einer
unserer  Vorfahren  Offizier  oder  überhaupt
Soldat,  so  ist  es  meistens  möglich,  etwas
Genealogisches  über  denselben  zu  erfahren.
Die  ältesten  preussischen  Ranglisten  —  inoffizielle
  —  beginnen  bereits  um  1790,  doch
bringen  sie  nur  Kapitaine,  Stabsoffiziere  und
Generäle.  Ueber  alte  Regimenter,  deren  Standort,
  Namen  bezw.  welcher  jetzige  Truppenteil
  aus  ihnen  hervorgezogen  ist,  geben  uns
Auskunft:  Archiv  des  Grossen  Generalstabes,
Berlin,  Rathenower  Str.  4;  Geh.  Archiv  des
Kgl.  Kriegsministeriums,  Berlin,  Leipziger
Str.  5;  Archiv  der  Geh.  Kriegskanzlei,  Berlin,
hinter  dem  Giesshause.  Dort  finden  sich
ausser  den  alten  Akten  auch  die  ältesten
Stammrollen.  Nötig  ist  aber,  dass  man
bei  Anfragen  mit  recht  genauen  Angaben
dort  vorspricht.  Endlich  besitzt  das  Geheime
  Staatsarchiv,  Berlin  sehr  viel  Material