Full text : Formularbuch zum Deutschen Grundbuchrechte für Richter, Notare, Gerichtsschreiber und Grundbuchführer unter besonderer Berücksichtigung der im Königreich Sachsen geltenden Bestimmungen.

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30.  Vorkaufsrecht.)  88  1091—1104,  504—514  BGB.

Königl.  Amtsgericht.
Pulsnitz,  am  3.  Juni  1909.

Mitwirkend:

Amtsrichter  Dr.  Flatter,  als  Grundbuchbeamter,
Aktuar  Lehmann,  als  Gerichtsschreiber.

Es  erklärt  der  dem  miterschienenen  Lokalrichter  Franz  Hölzel
seiner  Versicherung  nach  von  Person  bekannte

Färbereibesitzer  Kurt  Ernst  Lehmann  von  Pulsnit:

Durch  schriftlichen  Mietvertrag  vom  1.  Juni  1909  habe
ich  dem  Kaufmann  Paul  Marx  in  Pulsnitz  mein  Grundstück
Blatt  10  des  Grundbuchs  für  Pulsnitz  vom  1.  Juni  1909  ab
auf  15  Jahre  vermietet.

Ich  räume  meinem  Mieter  für  die  Dauer  des  Mietverhältnisses
  das  dingliche  Vorkaufsrecht  an  meinem  erwähnien
Grundstücke?)  ein  und  zwar  für  alle  zukünftigen  Verkaufsfälle.)

—*

1)  Das  Vorkaufsrecht  kaun  für  eine  bestimmte  Person,  auch  juristische
Person  —  8  1090  BGB.  —  (subjektiv  persönliches  Vorkaufsrecht)  oder  für
den  jeweiligen  Eigentümer  eines  Grundstücks  (subjektiv  dingliches  Vorkaufsrecht)
bestellt  werden.  Während  ersteres  in  der  Regel  nicht  vererblich  und  nicht
übertragbar  ist  (§§  1098,  514  BG.),  hat  das  dingliche  Vorkaufsrecht  gegen
jedermann,  also  auch  gegen  jeden  späteren  Eigentümer  unmittelbare  Wirkung.
Es  bedingt  nicht  eine  Sperrung  des  Grundbuchs,  vielmehr  steht  dem  Eigentümer
  die  Veräußerung  des  Grundslücks  frei.  Der  Vorkaufsberechtigte  kann
jedoch  in  Ausübung  seines  Rechts  vom  Verpflichteten  die  Auflassung  und  vom
dritten  Erwerber  die  Zustimmung  zu  seiner  Eintragung  als  Eigentümer  verlangen.
  §  1098  Abs.  2  vbd.  m.  §  888  Abs.  1  BGB.

Die  Begründung  des  dinglichen  Vorkaufsrechts  erfordert  die  Einigung
der  Beteiligten  (den  dinglichen  Vertrag)  und  die  Eitragung  im  Grundbuche,
5*  873  BGB.;  letztere  erfolgt  auf  die  einseitige  Bewilligung  des  Grundstückseigentümers.
  8  19  GBO.

2)  oder:  an  dem  mir  zur  ideellen  Hälfte  gehörigen  Anteile  des  Grundstücks
  Blatt.  ..  8  1095  BGB.  Vom  Alleineigentümer  dagegen  kann  der
Bruchteil  eines  Grundstücks  nicht  mit  einem  Vorkaufsrechte  belastet  werden.

3)  Andernfalls  gilt  es  nur  für  den  ersten  Verkaufsfall.  8  1097  BG.