346 Der Einfluß persoönlicher Verhältnisse auf die Strafbarkeit der Teilnahme.
schließungsgründe :2). Läßt aber der obwaltende Strafausschließungsgrund den
vollständigen (insbesondere auch den subjektiven) Deliktstatbestand bestehen und
verbietet er nur wegen eines subjektiven oder individuellen Grundes — z. B.
wegen „Bestürzung, Furcht oder Schrecken“ im Falle eines Notwehrexzesses
nach § 53 Abs. 3, jugendlichen Alters nach § 173 Abs. 4 22), Verwandischaft
gemäß §§ 247 Abs. 2, 3, 257 Abs. 22½), 289 Abs. 5, Monarchengqualität 5)
oder Immunität der diplomatischen, sog. völkerrechtlichen Personen und der
Abgeordneten (§ 11 StGB.) 36) — die den Täter an sich treffende Strafe,
so wird dadurch die Strafbarkeit der Teilnehmer nicht berührt: Subjektive
Strafausschließ sgründe
Nicht zu den letztgenannten Strafausschließungsgründen, wie in der
Literatur öfter zu lesen ist, sondern zu den — wenn auch nicht allgemeinen —
Strafaufhebungsgründen (vgl. StPO. 8 295 Abs. 2) ist der Rücktritt vom
Versuch und die tätige Rene gemäß 88 46 Nr. 1 und 2, 163 Abs. 2, 310
zu rechnen. Der die an sich verwirkte Strafe ohne Aenderung des Verbrechenscharakters
der Tat hinterher beseitigende Rücktritt des einen Beteiligten, z. B.
des Täters, macht die andern, Mittäter oder Teilnehmer, nicht straffrei?), es
sei denn, daß das Gesetz selbst (z. B. 8 204: „ die Strafe der Kartellträger
fällt weg . .“) das Gegenteil ausdrücklich vorschreibt :#).
22) Vgl. R. 11I. vom 28. Jannar 1889 (E. Bd. 18 S. 419), III. vom 9/16. Juni
1884 (E. Bd. 11 S. 66), II. vom 10. Juni 1890 (Bb. 21 S. 14), I. vom 8/22. Dezember
1898 (Bd. 31 S. 395).
23) Bedenklich RGE. III vom 23. September 1889 (Bd. 19 S. 391): Die gesetzliche Straflosigleit
noch nicht 18 Jahre alter Vewandter und Verschwägerter absteigender Linie enthalte
keinen persönlichen Strafausschließungsgrund, sondern das vollendete 18. Lebensjahr sei ein
positives Tatbestandsmerkmal strafbaren Inzestes, so daß solche noch nicht 18 Jahre alte
Deszendenten nicht als schuldhaft Beteiligte, als Teilnehmer, sonderu als Objekte des Delikts,
„nur als willenlose (7), unter dem Ansehen und der Gewalt der sie mißbrauchenden Aszendenten
handelnde Werhzeuge oder Opfer der letteren“ anzusehen seien und ihre Beeidigung
im Strafverfahren nach 8 56 Nr. 3 St PO. nicht ausgeschossen sei.
24) Vgl. RGE. 1 vom 29. April 86 (E. Bd. 14 S. 102, Rechtspr. Bd. 8 S. 313),
hierüber Olshausen § 50 N. 2. -
25) Vgl. Frank a. a. O. (3. und 4. Au. 1903) § 50 N. IV S. 82 (in der 1. Aufl. 1897
ebenda S. 73); Birkmeyer a. a. O. S. 157.
26) Ob auch wegen Strafunmündigkeit des Täters in den Fällen der 88 55 fg., ist
bestritten; dafür: Oppenhoff N. 6, Olshausen § 55 N. 5 fg., Rubo, Rüdorff ib.,
Borcherta.- a. O S. 24, Schütze in Goltdammer's Archiv XXI, 164, Herzog, zuletzt im „Gerichtssaal'XXNXVIII,
312, Bünger, Zeitschr. f. d. ges. Strafrechtswifsensch- VIII579, van Calker,
Befehl S. 36; dagegen: Geyer, Grundr. I, 187 und in Holtzendorff's Handb. II, 363,
Hälschner 1 S. 223, Merkel, Lehrb. S. 56, H. Meyer, Lehrb. S. 223, v. Liszt S. 166 fg.,
Binding, Normen 1,29, Frank § 55 N. II, v. Kries in d. Zeitschr. f. d. ges. Strafrechtsw. V. 10,
Birkmeyer, Teilnahme S. 158, 269, Kohler, Studien 1 114 u. a. Das Reichsgericht
hat sich der ersteren Ansicht angeschlossen: RG#. III vom 12. April und II vom 6. Juni 1882
E. VI. 187, 336), vom 20. September 1882 (Rechtspr. IV 700), I. vom 29. April 1886
(E. XIV 104), III vom 29. April 1889 (XIX 192), vom 3. Dezember 1897//(Goltdammer's
Arch. XLVI. 41). Die gegenteilige Ansicht wird zwar den Anstifter zum Delikt des Strafunmündigen
als mittelbaren Täter bestrasen können, den Gehilfen aber straflos lassen müssen;
dieses Ergebnis ist wenig befriedigend. Ebenso wäre gemeinschaftliche Begehung im Sinne
der 88 119, 123 Abs. 3, 223, 293 u. a. — d. i. Mittäterschaft — mit einem Strafunmündigen
ausgeschlossen, demnach auch die Strasschärfung für den ————- isn
27) Ebenso die herrschende Ansicht, insbesondere RGE. I vom 13. Januar
(E. III 5 7* ¾ 7 II vom 6. Juni 1882 (E. VI. 341, Rechtspr. 17 533), Il. vom
15. Märznö. E.XIVI, N. VIII 171), IV vom 19. April 1887 (Rechtspr. IX 253), II vom * November
1887 (E. XVI 347, Rechtspr. IX 650, IV vom 13. Dezember 1887 (Rechtsor. IX 724) IV
vom 9. Oklober li##ß#Rechtspr. X 555) Vgl. Birkmeyer a##a O. S. 156 N. 281.
28) 8 200 hat teilo strafansschließende, teils strafaufhebende Wirkung.