Volltext : Rosenheimer Anzeiger. 60. Jahrngang (60)

Nummier  177

 

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mann  selne  Lieben  an  seine  Männer--  und

Vatetbrust,  ein  letzter  Händedrud  der  Freunde
verlnüpft  noch  einmal  stärker  das  Band  treuer
Freundschaft.  Und  dann  gibt  es  nur  mehr
einen  König  und  ein  Vaterland.  Und  wenn
dann  der  Militärzug  kndlich  dem  heimatlichen
Bahnhof  entrollt,  dann  löst  sich  in  den  Reihen
der  Hinterbliebenen  ein  allgemeines  Schluchzen.
Die  tränenbenetzten  Taschentücher  flattern  im
Minde  und  winken  den  Scheidenden  die  letzten
Glück=  und  Segenswünsche  zu.  Zum  Teil  auch
bricht  sich  bei  Abfahrt  des  Zuges  die  patriotische
  Begeisterung  der  innerlich  Stärkeren  Bahn
und  weit  hinaus  donnern  dann  die  Rufe  und
das  letzte  Lebewohl.  Allen  rufen  wir  zu:
Seid  slarl  für  Gott  und  Vaterland!  Wenn
denn  nach  den  todbringenden  Kämpfen  der
Friede  ins  Land  Fzieht,  dann  ein  frohes  Miedersehben
  mit  jenen,  die  dem  Sensenmann  entgandcen
  sind.

1#

Rosenheim,  3.  August.
Für  das  Rote  Kreuz.  Einem  Inserate
des  hiesigen  Frauenzweigvereins  oom  Noten
Kreuz  in  heutiger  Nummer  entnehmen  wir,  dal
in  den  allernächsten  Tagen  zwei  Kurse  für
Helferinnen  vom  Roten  Kreuz  unter  Leitung
zwei  vielbeschäft.  r  Herren  Aerzte  abgehalten
  werden.  Daß  diese  Kurse  zuslande  lommen,
rerdient  umsomehr  Anerkennung,  als  ein  growher
  Teil  der  hiesigen  und  auswärtigen  Aerzie
einberufen  ist,  und  die  Zurückbleibenden  infolgedessen
  ohnehin  eine  große  Arbeitslast  erwarlet.
  Die  Opferfreudigkeit  dieser  Herren  findet
gewiß  ihren  schönsten  Lohn  in  zahlreicher  Beteiligung,
  denn  wir  sind  überzeugt,  daß  recht
riele  Frauen  und  Jungfrauen  mit  Freuden  die
Gelegenheit  ergreisen,  dem  Vaterlande  als  Pflegerinnen
  dienen  zu  können.  Aber  auch  jen-,  die
an  das  Haus  geiesselt  sind,  können  sich  durch
Vermehrung  des  Wäschedepots  um  unsere  tapseren
  Vaterlandsverteidiger  hervorragende  Verdienste

  erwerben.

Hochherziges  Anerbieten.  Frau  Baronin
  Wendelstadt,  Schloßherrin  auf  Neubeuern,
  hat  dem  hiesigen  Frauenzweigverein  vom
Roten  Kreuz  einen  Teil  ihres  Schlosses  als
Genesungsstation  für  18  Offiziere  zur  Verfngung
  gestellt.  Ebenso  haben  Private  und  Gasthäufer
  je  2—6  Betiten  als  Privat-Pflegestätten
  angemeldet.  Hoffentlich  findet  diese  Gekmut
  noch  recht  riele  Nachahmer!

Gestellungspflicht  der  Zurückgestellten.
  Durch  eine  Belanntmachung  in
Berlin  wird  darauf  aufmerksam  gemacht,  daß
infolge  der  Mobilmachung  alle  Zurücstellungen
Militärpflichtiger  ihre  Gilligkeit  verloren  haben.
Die  Zurückgestellten  müssen  sich  also  schleunigsr
  zu  einer  erneuten  Gestellung  vor  der  Ersatziommission
  einfinden.  Die  im  Ausland  besindlichen
  Militärpflichtigen  haben  sich  unverzüglich
  bei  dem  Bezirkskommando,  dessen  Beeirt
  sie  im  Reichsgebiet  zunächst  erreichen,  zu
melben.  Ter  Grund  einer  etwaigen  Verspätung
  iit  dem  Be#irkskommando  in  glaubhafter
Weise  darmlegen.

Freiwillige  Arbeitskräfte  vor!
Die  Erntearbeiten  sind  durch  den  Krieg  jäh
unterbrochen  worden.  Der  größte  Teil  der  Arbeitskräfte
  ist  zu  den  Waffen  gerusen  worden.
Der  reiche  Segen  der  Ernte  verdirbt,  wenn  nicht
fleibige  Hände  sie  bergen.  Für  Arbeiter,  deren
Werke  wegen  des  Rrieges  sich  schließen,  bietel
  sich  hier  gute  Arbeilsgelegenheit.  Wir  ruken
  sie  auf,  bei  den  Erntearbeiten  jetzt  mitzuhelfen.
  Jung  und  alt,  alle,  die  abkömmlich  sind,
werden  willkommen  sein.  Verschiedentlich  haben
sich  Freiwillige  dafür  schon  gemeldet,  ihr  Beispiel
  wird  sicherlich  Nachahmung  finden.  Wir
sind  ermächtigt,  mitzuteilen,  daß  sich  Freiwillige
  z.  B.  Ebersbergerstraße  42  finden,  denen
jedenfalls  noch  viele  sich  anschließen  werden.
Freiwillige  vor!  Es  gilt  reicher  Erntesegen  zu

Valdeszanber.

Novellette  von  E.  van  Baàndelon.

Im  schlichten  weißen  Kleide,  welches  nur  lose
von  einem  Goldgürtel  zusammengehalten  wurde,
die  kleinen  Füßchen  in  Goldkäferschuhen  stekkend,
  so  fand  er  sie  zum  ersten  Male  in  tieffter
Waldeinsamkeit.  Auf  einer  niedrigen  Moosbank,
das  Köpfchen  mit  dem  flimmernden  Goldhaar
leicht  an  den  Stamm  einer  dunklen  Tanne  gelehnt,
  saß  sie  regungslos;  sinnend  lauschten  die
großen,  fragenden  Kinderaugen  zum  grünen
Blättergewirrt  empor..

Wie  sie  so  da  saß,  glich  sie  weit  eher  einem
überirdischen  Wesen,  herabgeschwebt  vom  lichten,
blauen  Himmelsdom,  um  dem  Raunen  und  Flüstern
  des  Waldes  zu  lauschen.  ...  Unwillkürlich
  hatte  er  seine  Schritte  gehemmt  u.  starrte
wie  gebannt  auf  die  reizende  Vision.  Und  —
„Waldelse“  —  flüstern  seine  Lippen  lels

Vorsichtig  nur,  kein  Schritt  in  Hast,

daß  brechend  nicht  knistere  ein  dürrer  Ast  —

die  Waldfee  ist's,  die  zauberische  Holde  —,

wie  Nebel  wallt  sie  durch  Busch  u.  Tann  —

sie  trägt  ein  Krönlein  von  Golde
Wem  aber  sie  erscheint,  dem  bringt  sie  Glack

Drei  Wochen
mentreffen  verst

lind  seit  jenem  ersten  Zusam-Auch
  heute  sche3  Haiden  auf  der  näm- 



bergen,  der  im  bevorstehenden  Krieg  von  unendlichem
  Werte  für  alle  ist.

Die  Kriegsereignisse  laben  wir  in
den  letzten  Tagen  stets  auf  das  Schneilste  durch
Erxtrablätler  unseren  Lesern  bekannt  gegeben.
Durch  die  Mobllisierung  ist  jedoch  auch  unser
Betrieb  stark  in  Mitleidenschaft  gezogen  worcen.
Infolgedessen  sehen  wir  uns  veranlaßt,  in
Zulunft  von  der  Ausgabe  von  Ertrablättern
abzusehen.  Dagegen  werden  die  elnlaufenden
Telegramme  alsbald  an  unseren  Anschlagtaseln
  bekannt  gegeben  werden,  während  wir  nur
noch  in  ganz  besonderen  Fällen  Extrablätter  erscheinen
  lassen.

Verdächtige  Russen  in  Nosenbe
  im.  Allenthalben  kommen  Meldungen  über
das  Erscheinen  russischer  Spione  in  großer  Zahl.
Auch  Rosenheim  beherbergte  am  Sonntag  vier
Russen.  Zwischen  Kiefersselden  und  Kufstein
wurde  ein  Autompbil,  das  mit  vier  Russen,  darunter
  auch  Damen,  beietzt  war,  ausgebracht.  Das
K.  Bezirksamt  Rosenheim  beschlagnahmte  dos
Automobil  und  ließ  es  mit  seinen  Insassen  nach
Rosenheim  überführen.  Nach  Aufnahme  des
Tatbestandes  wurden  die  russischen  Automobilisien
  mit  ihrem  einwmandfkeien  Gepäck  na  1.  München
  überfährt  zur  Ueberstellung  an  oie  Polizeidirektion.
  Das  Automobil  blieb  indessen  in
Rosenheim,  wurde  zu  Gunsten  des  Staates  konfisziert
  und  ist  heute  bereits  bei  der  Ausmusterung
  der  Kraftfahrzeuge  vorgeführt  und  ausgemustert
  worden.  Auch  am  Samstag  weilten
zmei  Russinnen  in  Rosenheim.  Man  vermulete
in  ihnen  verkleidete  Männer;  diese  Annahme
hat  sich  jedoch  nicht  bestätigt.  Doch  begleilete
eine  großen  Menge  am  Samstag  die  Uebecfuhrung
  der  beiden  an  den  Bahnhaf,

Eine  freu  dige  Uebe  rraschung  bereitete
  die  Milchproduzentenvereinigung  Rosenheim
  und  Umgebung  den  Konsumenten.  In
einem  Aufruf  mahnt  nämlich  die  Vereinigung
ihl:  Mitglieder  die  Milch  zum  gleichen  Preise
zu  verkaufen  wie  vor  dem  Kriege.  Nur  wenn
zwingende  Grunde  eintreten  würden,  sollen  die

 

Produzenten  zu  einer  Preissteigerung  schreiten.

Mit  diesem  Vorgehen  wird  die  Milchproduzentenvereinigung
  sicher  allseits  allgemeine  Anerkennung
  finden.

Nachtruhe  in  den  Apotheken.  Unsere
Leser  machen  wir  darauf  aufmerksam,  daß  im
Monat  August  die  Riedersche  Apotheke  am  Ludwigsplatz
  den  Nachtdienst  zu  versehen  hat.  In
diesem  Monat  ist  von  8  Uhr  abends  bis  halb
7  Uhr  morgens  nur  diese  Apothele  zugänglich.

##cthüche  Nachrichlen.

Beichtgelegenheit  für  Reserovisten.
Zur  Fahne  eingerufene  Reservisten  werden  darauf
  aufmerlsam  gemacht,  daß  in  der  Stadtpfarrlirche
  täglich  von  5  Uhr  früh  an  Gelegenheit
  geboten  ist,  die  hl.  Satramente  zu
empfangen.

Kirchliche  Feier.  In  der  prot.  Stadtpijatrlirche
  dahier  wurde  am  Sonntag  nachmittags
  um  2  Uhr  durch  Herrn  Stadtpfarrer
Weber  für  eine  größere  Anzahl  von  Kriegsteilnehmern
  und  deren  Angehörige  eine  Abendmahlsfeier
  abgehalten.

—————————————

kür  Jali  1941.

Geborene:
Barbara  Mur#ler,  Taglöhnerskind.  Christine
Maria  Liegl,  Maschinistenskind.  Johann

Bapt.  Thaller.  Glaserskind.  Anna  Maria  Graol,
Hafnermeisterskind.  Elisabeth  Schmid,  Bäckergehilfensklind.
  Karl  Schreiner,  Modellschreinerskind.
  Franz  Hupf,  Bahnarbeiterskind.  Anna
Gell,  Surgehilfenskind.  Maximilian  Wirsing,

lichen  Moosbank  und  hörte  mit  glänzenden  Augen
  seinem  Waldmärchen  zu.

Wie  gebannt  sah  der  junge  Oberlehrer  Otto-Böhmig
  in  das  feine  Mädchengesicht,  das  jetzt
so  völlig  den  Ausdruck  trug,  wie  ihn  lauschende
Kinder  haben.  —  Ein  so  süßes  Ding!

Sie  ahnte  noch  immer  nicht,  welche  Bewandtnis
  es  mit  seinem  echen  habe;  wie  kindlich-unschuldig
  sie  doch  noch  war  Bis.
her  hatte  er  mit  keinem  Wort,  keinem  Blick
verraten,  wie  es  um  ihn  stand.  Immer  wieder
  zwang  er  die  Worte  zurück,  wenn  sie  über
seine  Lippen  wollten.  Noch  nicht!  So  schien
es  in  seinem  Gewissen  zu  rufen.  Und  doch  stand
dem  nichts  im  Wege,  die  reizende  Mädchenblume
  und  Inge  Haiden  heimzuführen  als  sein
liebes  Weib,  sein  Eigen  zu  nennen!  Er  hatte
trotz  seiner  Jugend  ein  gutes  Gehalt,  so  daß
er  wohl  daran  denken  konnte,  einen  eigenen  trauten
  Haushalt  zu  gründen,  zumal  er  so  ganz  allein
stand  in  der  it;  die  Eltern  hatte  er  früh
verloren.  Geschwister  besabß  er  nicht.  Aber  er

atte  auch  bisher  nicht  finden  können,  wmas  sein

n  suchte.  ...  Dah  er  die  idmilische  Stille
dieses  lleinen  Walddorfes  den  rauschenden  Bädern
  vorgezogen,  ließ  ihn  nun  vielleicht  unverhofft
  sein  Glück  finden.

Diese  kleine,  liebe  Inge.

Ein  einfaches,  unverdorbenes  Geschöpschen,
das  er  sich  zur  Gefährkin  erziehen  wollte,  zur
Gefährtin  seines  Lebens.

t—.—

Dienstag,  4.  August  1014

 

Hilfsarbeiterskind.  Willibald  Balduin  Preißler,
Bauführerskind.  Barbara  Blank,  Maschinenhausgehilsenskind.
  Andreas  Anton  Schweiger,
Kabelmonteurskind.  Anna  Theresia  Wimmer,
Stationepehilfenennnd,  Petronilla  Guldbrandt,
Malermelsterskind.  Katharina  und  Hedo#ig
Franz,  Eisenbahnschaffnerslinder  (Zwillinge).
Anna  Klara  Friesenegger,  Stationsgehilfenekind.
Horbinian  golet  Bss  ostschaffnerslind.Wil-Im
  Enhuber,  Stotionsgehülen
»  ultu

and.  Hermann
Maria  Lemp  Reg  i

ehrerskind.
3  Korpsbezirks
  des  1.  Armeckorps.
Seine  maies#dt  der  König  hat  das  Landesgeblet
  in  Kricpssuland  erhldtt.  für  diele
Mas#regel  And  lediçiich  Grunde  der  raschen
und  ielchmasigenburchrüprung  der  mobll.
machung  maßgebend  und  nicht  etwa  die
besotguis,  daß  die  vevölkerung  die  vaterländische
  kaltung  werde  vermiglen  lallen.
dle  Schnelligkelt  und  Slcherheit  unlferes
Rufmarsches  erfordert  einbeinliche  und  zielbewußte
  leltung  der  gelamten  vollziebenad#n
  Gewalt.  Wenn  durch  die  Erniarung
des  Kriegszuftandes  die  Gesete  verschärft
wercken,  so  wird  dadurch  niemand,  der  das
Gelset  beachtict  und  den  KNnordnungen  der
Bepörden  Folge  leinnet,  in  feinem  Tun  und
Wirken  beschränht.  10  vertraue,  das  die
gelamte  beoblkherung  aue  muttär,  und
Tpilbehörden  freudlg  und  rüchhaltslos
unternützen  und  uns  damit  die  ersüllung
  unferer  hoben  vaterländischen
Prlichten  erleichtern  wird.  Dann  ulrä  auch
der  alte  waffenruhm  des  breres  aufrechterhalten
  und  es  vor  den  Hugen  unferes
Königs  und  den  Slichen  der  nation  in
Epren  bestehen.
münchen,  den  1.  Nugun  1914.
der  Kommandierende  General
gez.  von  Nplander
Gencral  der  Infamerie.

   

   
  

        

(I.  S.)

Der  Weltkrieg.

Keine  Brunnenvergiftung.
München,  3.  August.  In  der  Stadt  war
Leute  allgemein  das  Gerücht  verbreitet,  da
die  hiesige  Wasserleitung  vergiftet  worden  sel.
Von  der  Polizeidirektion  wird  erklärt,  daß
an  d##em  Gerücht  kein  wahres  Wort  ist.
Französische  Schandtaten.
Met,  3.  August.  Ein  franzölischer  Arzt  wollte
  mit  Hilse  von  zwei  verkleideten  französischen
Offizieren  einen  Brunnen  mit  Cholerabazillen
infizieren.  Sie  wurden  vor  dem  Gelingen  des
Versuchs  ertappt  und  stundrechtlich  erschossen.

Achtung  auf  die  Telephonleitungen.

München,  3.  August.  Es  ist  bekannt  geworden,
daß  zahlreiche  ausländische  Agenten  den  #asuch
gemacht  haben,  durch  Anschaltung  an  Telegraphenund
  Telephonleitungen  die  militärischen  Dienstgespräche
  mitzuhören.  Dieser  Umstond  wird  die
gesamte  Bevölkerung  veranlassen  müssen,  den
Telegraphen=  und  Fernsprechleitungen  ihr  bebesonderes
  Augenmerk  zuzuwenden,  sodaß  alle  die
Leute,  die  sich  unbefugt  an  derartigen  Leitungen
zu  schaßen  machen,  festgenommen  und  der  nächsten
Polizeibehörde  zugeführt  werden  können.

Eine  Warnung.
München,  3.  August.  Es  erweist  sich  als
nötig,  immer  wieder  darauf  hinzuweisen  angesichts

Immer  hatte  er  sich  bezwungen,  heute  aber
fiel  es  ihm  namenlos  schwer.

Während  er  mit  Inge  plauderte,  war  ein
sehnsüchtiges  Quälen  in  ihm  entstanden,  und
eine  Stimme  rief:  „Mach'  ein  Ende,  schaff“  dir
Gewihheit!“  "(

Die  tiefe,  heil'ge  Stille  des  Waldes  schien
ihm  doppelt  geeignet  zu  seinem  süßen  Geständnis.
  4

Ein  herrlicher  Tag  war's.  Tiefblau  uno  wolkenlos
  ver  Himmel.  Wortlos  schritten  sie  jetzt
langsam  durch  einen  Birkenwald,  dessen  weiße
Stämme  wie  Silber  aufleuchteten,  wenn  ein
Sonnenstrahl  das  dichte  Blättergewirr  durchbrach
  und  an  der  glänzenden  Rinde  herabhuschte,
  um  goldene  Flecken  auf  den  mooligen  Waldboden
  zu  malen,  um  dann  wie  ein  leuchtender
Blitz  wieder  hinaufzugleiten  in  die  vom  Lusthauche
  leise  bewegten  Blktter.

In  der  lautlosen  Stille  wirkte  das  Surren
  der  Mücken  und  Käfer,  das  kraumhafte
Zwitschern  Der  Vögel  ganz  seltsam  auf  Otto,
So  weit  ab,  so  weit  ab  von  den  Menschen
sühlte  er  sich,  so  losgelöst  ...  Sanz  allein
mit  dem  reizenden  Geschöpf,  zu  dem  es  ihn  mit
allen  Fiebern  drängte.  Ein  süßer,  träumerischer
  Ausdruck  lagerte  über  dem  nachdentlichen
Gesichtchen;  sie  stand  wohl  noch  ganz  unter  dem
Eindruck  des  Märchens  ....  Wenn  er  sie  jetzt
in  seine  Arme  riß!  Wenn  er  nichts  sprach,

 

nichts  sagte,  sondern  sein  Dornröschen  einfach

er  Klagen  über  Zurhckweisung  von  Papiergel
daß  die  Banknoten  und  geen  Fhen  2
detliches  Zohlungsmiltel  find  und  daher  voll
wertig  in  Zahlung  genommen  werden  müssen,
snicht  nur  don  den  öffentlichen  Kassen,  sondern
auch  von  den  Geschäften,  Restaurants  ufw.
Die  unberechtigte  Zurückweisung  der  Noten  oder
Annahme  nach  Zugestehen  eines  Aufschlages  birgl
unter  Umständen  die  Gefahr  in  sich,  daß  die
Lokalitäten,  deren  Besützer  ein  derartiges  Versahren
belieben,  polizeilich  zugeschlossen  werden.

Kriegslazarette.

Wiesbaden,  3.  August.  Die  Deutsche  Ge.
sellschaft  für  Kaufmannserholungsheime  hat  ihre
in  Wiesbaden,  Traunstein  (Oberbayern)  Bühl
(Baden)  und  Salzhausen  (Obexhessen)  mit  zusammen
  über  500  Betten  dem  Kaiser  als  Kriegs.
lazarette  zur  Verfügung  gestellt.

Sranzöfische  Brleft  auben.

Lörrack  i.  Baden,  3.  Aug.  Heute  früh
1  Uhr  wurde  in  Muttenz  bei  Besel  ein  ehem.
franzbsischer  Offizier  7  Einfuhr  von  Srief.
tauben  verhaftel;  150  Brieftauben  wurden  beschlagnahmt.
  Der  Verhaftete  wurde  in  das  Ge.
ängcnit  Liesthal  überwiesen.

Für  die  Ernte.

Köln,  3  Aug.  Der  Oberpräfident  der  Abein.
—  ersuchte  sämtliche  Behörden,  die  ihnen
unterstellten  Schulen  schließen  zu  lassen.  Bezüglich
  der  höheren  Schulen  wurde  died  durch  daß
Provinzialschulkollegium  angeordneit.  Ferner  sei
auf#  tunlichste  doranh  r*  daß  die  Schul.
kinder  und  auch  die  Schüler  der  höheren  Lehr.
anstalten  bei  den  Erntearbeiten  mitwirken.

Verletzung  des  VBölkerrechte  durch

ie  Franzosen.

Berlin,  J.  August.  Wolffs  Telegraphen,
burecon  meldet:  Während  sich  noch  kein  dent.
scher  Soldat  auf  französischem  Gebiete  befin.
bdet,  Uberhaupt  noch  keine  Kriegserklärung  vrr#
liegt,  haben  französische  Truppen  bereits  die
Ortichaften  Gottestal,  Metzeral,  Markirch  und
Schluchtpaß  im  Oberelsaß  besetzt.  Eine  weitere
  Neutralitätsverletzung  liegt  darin,  daß
zahlreiche  französische  Flieger  über  Belgien  und
Holland  nach  Deutschland  geflogen  sind.

AUereitelter  Anschlag  auf  einen

Zeppelin-Hafen.

Frankfurt  a.  M.,  3.  August.  Die  „Fraukfurter
  Zeitung“  meldet:  In  Friedrichshafen
wurde  ein  zuspicee  Spion  erschossen,  der  die
Luftschiffhalle  in  die  Luft  sprengen  wollte.

Alerandrowo  besetzt.

Berlin,  3.  August.  Nach  einer  amtlichen
Mitteilung  haben  deutsche  Truppen,  die  russ
sche  Grenzstation  Alexandrowo  gegenüber  der
Festung  Thorn  besetzt.

Rumänien  macht  mobil.

Berlin,  3.  August.  Wie  der  „Lokakanzeiget“
  zuversichtlich  hört,  steht  die  Modilisierung
der  rumänischen  Armee  unmittelbar  bevor.  Dos
Blatt  fügt  hinzu,  daß  diese  Maßnahme  lediglich
  defensiven  Charakters  ist.

 

 

 

Elbing,  3.  August.  Im  Berlaufe  eins
Wortwechsels  gab  der  Polizeisergeant  Kinder  einen
Schuß  auf  den  Poliziewachtmeister  Histowl
ab  und  verletzte  diesen  schwer.  Darauf  tötete  flqh
Kinder  selbst  durch  einen  Schuß  in  die  Schläfe.

Augsburg,  B.  August.  Der  Bankier  Peschle
von  der  Firma  Böckenberger  und  Franck  hat
sich  heute  fräh  vom  Fenster  seiner  im  4.  Stock.
werk  gelegenen  on  auf  die  Straße  gestüch!

 

d  erl  k  it  seinen  Verl  .
Yaaääkenåälnlfltttöedtllt  Ja  besetzt  8  Lun

—  wach
sie  wäre?
Inge  hatte  soeben  über  ein  polsierliches  Eichhörnchen
  silberhell  aufgelacht.  Nun  stand  sie  an
den  Stamm  einer  silberglänzenden  Birke  gelehnt,
  und  sah  sehnsüchtig  hinauf  in  das  luftige
  Laubdach.
Dort  hinauf  möchte  ich;  dort  oben  muß  esso
kühl  und  lauschig  sein,  sagte  sie  übermötig.
Otto  stand  vor  ihr  und  sah  sie  an.  Dos
helle  Sommerkleid  brachte  ihre  graziöse  Figur
ur  vollen  Wirkung.  Das  fseingeschnittene  Gesobtchen
  war  rosig  überhaucht,  die  dunklen,  glänzenden
  Augen  und  das  reiche  Goldhaar,  das
unter  dem  einfachen,  breitrandigen,  weißen
Strohhut  hervorquoll,  boten  ein  reizvolles,  feß
selnde  Bild,  das  Otto  förmlich  mit  den  Bliken
  einsog.  ..  ..  Entzückend  war  sie.  Er  bedauerte
  im  Stillen,  kein  Maler  zu  sein.
„Warum  schauen  Sie  mich  denn  so  an,  Oen
Oberlehrer?“  Unbefangen  lachte  Inge  ihn  an.
„Soll  ich's  nicht  tun,  Fräulein  Inge?  Sie
disen  ja  gar  nicht,  wie  so  wunderfchon  Sle
in  74  «  .

küßte!  Ob's  nicht  am  Ende  das  Be,

„Ach,  auf  einem  Male?  Und  vor  drei  Wochen

  noch  war  ich  eine  lleine,  graue  Fledermaus

  “
(Cortsetzung  folgt.)