Full text : Rosenheimer Anzeiger. 62. Jahrngang (62)

Zummer  2

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Dienstag,  II.  Januar  1910

 

Die  Räumung  von  Gallipoli.

London,  8.  Jan.  (Reuter.)  In  Genecral
Hamiltons  letztem  Bericht  werden  die  Operationen
  vor  und  während  der  kombinierten

Kämpfe  in  der  ersten  Augusthälfte  auf  Gallipoli

  ausführlich  besprochen.  Der  Berichtschließt
mit  der  Mitteilung,  daß  die  Zufuhr  von  Munition
  und  neuen  Truppen  abnahmen  und  daß
die  auf  Gallipoli  stehenden  Truppen  slark  von
Krankheiten  heimgesucht  wurden,  daß  sie  aber
trotzdem  wohlgemut  und  voll  Vertrauen  waren,
  als  Kitchener  ihn  am  1.  Oktober  telegraphisch
  aufforderte,  ihm  eine  Schätzung  der
Verluste  einzusenden,  die  eine  Räumung  Gallipolis
  mit  sich  bringen  würde.  General  Hamilton
  antwortete,  dah  er  einen  solchen  Schritt  für
undenkbar  hielte.  Am  16.  Oktober  wurde  er
telegraphisch  nach  London  zurückgerufen,  da  die
Regierung  ein  Gutachten  von  dem  verantwortlichen
  Befehlshaber  über  die  Frage  der  Näumung
  in  nächster  Zukunft  zu  erhalten  wünschte.
Den  Hauptteil  in  dem  Berichte  bildet  die  Schilderung
  der  schrecklichen  Schlacht  im  August.
Die  Türken  wurden  bei  Suvla  vollkommen
überrascht.  Aber  insolge  der  unerträglichen
Hitze  und  der  Erschöpfung  der  T  Truppen  und  infolge
  der  fortwährenden  Kämpse  in  dem  schwierigen
  Gelände  und  der  großen  Beschwerden  bei
der  Wasserversorgung,  kbeschlossen  General
Stropford  und  seine  Divisionäre,  zu  warten,
um  die  Truppen  ausruhen  zu  lassen.  12  Stunio-
  Ruhe,  die  den  Truppen  gegönnt  wurden,
ermöglichten  es  den  Türken,  große  Verstärkungen
  heranzuziehen,  und  da  die  türlischen
Streitkräfte  immer  stärler  wurden,  muhten  die
Truppen  sich  aus  den  eroberten  Stellungen  zurückziehen.
  Da  die  britischen  Truppen  schnell
zusammenschmolzen  und  die  Türlen  über  einen
Ueberfluß  an  Munition  und  Truppen  verfügten,
  drahtete  General  Hamilton  um  50000
Mann  frischer  Truppen.  Wenn  diese  sofort  geschickt
  worden  wären,  hätte  er  der  Flotte  noch
den  Weg  nach  Konstantinopel  bahnen  können.
  (7)  Seine  Enttänschung  war  um  so  gröher,
  als  er  vernabm,  daß  die  verlangten  Verstärkungen
  nicht  geschict  werden  könnten.

4

Mientnes  ves  Estes

Der  König  an  der  Front.

München,  9.  Jan.  Der  König  hat  heute
abend  1½29  Uhr  mit  Sonderzug  eine  Reise  nach
der  Front  angetreten.  Er  ist  begleitet  von  dem
stellvertretenden  Kriegsminister  General  Freiherrn
  v.  Speidel  mit  dem  Adjutanten  des
Kriegsministers  Major  Freiherru  v.  Haller,  serner
  von  Obersthofmeister  Frhrn.  v.  Leonrod,
Kabinettschef  Staatsrat  v.  Dandl,  Generaladiutanten
  Gencral  v.  Walther,  den  Flügeladjutanten
  Grasen  Castell  und  Freiberrn  v.  Perfall
  und  dem  Generalstabsarzt  v.  Seydel.

Berlin-München-Konstantinopel.

Wien,  9.  Jan.  Laut  amtlicher  Mitteilung
gasolgt  die  Eröffnung  des  Zugsverkehrs  Berlin-München-Wien-Konstantinopel

  am  15.  Januar.

  (6)

Einc  zweite  französische  Kriegsanleihe.


Amsterdam.  9.  Jan.  In  der  französischen
  Deputiertenlammer  bereitete  Finanzminisier
  Ribot  die  Abgeordneten  auf  die  Nolwendigkeit
  einer  zweiten  Kriegsanleihe  von  mindestens
10  Milliarden  für  längstens  April  vor.  Wahrscheinlich
  wird  auch  der  Notenumlauf  der  Bank
von  Frankreich  auf  20  Milliarden  erhöht  werden.
  (3.)

der  Schah  der  Sabäer.

#####do  C.  Trach.
[Nachdrus  v#b

„uauf  uns,  nafiin  Sie  ocuten  an  bie
Möglichkeit  einer  Vorrfo  gung:  ?

„Der  Steamer  lommt  von  Massauah,  und
die  gewohnliche  Jalrrinne,  die  wir  abechtlich
vermieden  baben,  liegt  fünfzig  Seemeilen  weiter
nach  Osten.  Es  ist  ohl.  ie  gwei  jel  das  italicn.sa;e
Kanonenbook,  von  dem  der  Gouverneur  gesprochen
  hat.“

„Aber  es  lag  doch,  soniel  ich  gesehen  habe,
gar  teines  im  Hasen  non  Massaua#.

„Soviel  Sie  gesehen  haben  das  stimm:,
junger  Mnnrn  Aber  es  kam  eben  ein,  als  wir
den  Hafen  ereien  “

hat  uns  erkannt?“

Ich  faute  laum.  Wir  waren  unter  Segel,
hatten  keinen  Dampf  auf  und  keine  Lichter  am
Mast.  Als  ich  seine  Lichter  sah,  ließ  ich  schnell  ein
paar  Südwester  über  unsere  Stcitentaternen
hängen.  Wenn  einem  die  Leuie  niehl  freundlich
gesinnt  sind,  tut  man  manchmal  gut,  ihnen
aus  dem  Wege  zu  gehen.  Und  ich  wüßte
wirklich  nicht,  weshalb  ich  dem  Italiener  noch
dazu  behilflich  lein  sollie,  sich  um  unsere  Angelegenheiten
  zu  kümmern.“

„Werden  wir  jetzt  unter  Segel  bleiben,
Herr  Kapitän?"

„Solange  der  Wind  vorhält  —  ja!“  rersetzte
  der  Kapiten,  schob  leelenruhig  sein  Telestop
nu#sammen  und  wanderte  zum  Salton,  in  dem
die  Herrschafften  versammelt  waren.  GEleich  da-  



 

 

Kriegsvorbereitungen  der  Entente
für  1917.

Amsterdam,  9.  Jan.  Hier  eingetroffene
amerikanische  Blätier  melden,  daß  Jutalien,
Rußland  und  Frankreich  bereits  die  Einkäufe
an  Kriegsmaterial  für  1917  beginnen.  (3.)

Die  innere  Lage  Englands.

Amsterdam,  9.  Jan.  England  befindet
sich  in  einer  polit!  schen  Aufregung,  wie  nie
zuvor  seit  Menschengedenken.  Die  Vorgänge
im  Parlament  lassen  alle  Weltereignisse  zurücktreten.
  Die  Frage  des  Dienstzwanges  hat  eine
solche  Verwirrung  im  Anhange  der  Parteien
hervorgerufen,  daß  die  Führer  machtlos  geworden
  sind.  Die  Arbeiterparteien  sind  sehr
erregt  über  Henderson,  dem  sie  in  öffentlichen
Versammlungen  Verrat  und  Irreführung  der
englischen  Arkteiterschaft  vorwersen.  Politiker
sind  der  Meinung,  daß  das  ganze  Kabinett  zurücktreten
  müsse  und  nicht  einzelne  Minister.

„Die  Schlappheit  in  England“.

Bern,  9.  Jan.  „Popolo  d'Italia“,  das
Blatt  der  Kriegshetzer  und  der  unenkwegten
Ententefreunde,  beschäftigt  sich  in  einem  Leitartilel
  mit  der  Schlappheit  in  England.  England
  verfüge,  so  heißt  es,  heutzutage  über  keinen
einzigen  Mann  und  über  leine  starke  Seele;
politischer  Staatslenker  Englands,  seit  Lloyd-=George
  sich  zurückgezogen  habe,  sei  ein  gutmütiger
  Advolat,  Asquith.  Dieser,  der  die  Bedürfnisse
  dieser  schrecklichen  Stunde  genau  kenne,
hale  nichts  gelan,  was  die  Umstände  erforderten.
  Er  versuche  nur  eine  Versöhnungspolitik
zwischen  den  verschiedenen  Parteien;  seine  Militärvorlage
  Lestehe  fast  nur  aus  Ausnahmen.
Während  Franzosen,  Russen  und  Jtaliener
ohne  Ausnahme  die  surchtbarsften  Blutopfer
brächten,  suche  man  in  England  sich  noch  immer
an  der  Sache  vorbeizudrücken.

 

 

nach  waren  sie  sämtlich-anfj  Deck,  und  auch  von

 

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.  7½½v  %
2  “  5%  5)

9

Aden

—

hen  Stahlwerken.

Neuyork,  9.  Jan.  (Reuter.)  Während
des  Ausstandes  in  den  Stahlwerken  von  East-VBoungstomn
  steckten  die  Streikenden  6  Gruppen
von  Gebäuden  in  Brand  und  Hlünderten.  Drei
Personen  wurden  getötet,  19  verletzt.  Um  zu
verhindern,  daß  die  reroltierenden  Arbeiter  in
einen  anderen  Stadtteil  gelangten,  wurde  die
Brücke  in  Brand  gestekt.  Aus  der  Umgebung
Uerangezogene  Truppen  kamen  am  Samstagfrüh
  an.  Die  Arteiter  bemächtigten  sich  einer
Menge  von  500  Pfund  Pulver  und  sprengten
damit  mehrere  Geläude;  auch  drohten  sie,  die
Wohnhäuser  zu  zerstören.  Darauf  stahlen  sie
Whiely  und  betranken  sich.  Es  wurden  zahlreiche
  Verhaftungen  vorgenommen.  (3.)

Youngstomn,  3.  Jan.  (Reuter.)  Drei
Milizregimenter  hallen  East-Youngstowmn  und
die  anderen  industriellen  Vororte  besetzt.  Heute
lam  es  zu  einigen  kleinen  Tumulten,  die  ohne
Bedeutung  waren.  Der  gestern  angerichtete
Schaden  wiro  auf  eine  Million  Dollar  geschätzt.

Große  Streikunruhen  in  amerikanisch


Feuerskrunst  auf  einer  Nilwerft.

Amsterdam,  9.  Jan.  Eine  große  Feuersbrunst
  brach  auf  einer  Schiffowerft  in  Kairs
aus.  Drei  Nildampfer  und  zwei  Schlepper  wurden
  vernichtet.  Der  Schaden  wird  auf  1  Million
  Mark  geschätzt.  Ein  Eingeborener  lam  in
den  Flammen  um.  (J.)

Der  Aufstand  in  Indien.

London,  9.  Jan.  Aus  Peling  meldet  die
„Associated  Preß“,  daß  dort  Gerüchte  über
Tnktliche  Unruhen  in  Indien  im  Umlauf  seien.

Die  Waffen  seien  aus  China  eingeschmuggelt.

J.
—.-Einberusung

  der  Jahresllasse  1917

in  Feankreic

In  der  JZeit  vom  5.  bis  zum  9.  Januar

#  ur  in  Frankreich  bereits  die  Jahresllasse

1917  zur  Vorbereitung  der  aitrohen  Sssensiver
einberufen.  Es  sind  dies  die  im  Jahre  1

Geborenen,  deren  Zahl  bekannt  ist.  Ilse
samt  hat  Frankreich  im  Jahre  1897  eine  An-Zahl

  von  818000  Geburten  auszuweisen  gehabt,

  von  denen  367  000  Knaben  waren.  Wenn
man  die  Sterblichkeit  in  Frankreich  bis  zum
18.  Lebenejahre  berücksichtigt,  nach  der  von
1000  lebendig  geborenen  Knaben  nur  730  die
Altersgrenze  von  18  Jahren  überschreiten,  dann

ergibt  sich  daraus,  daß  die  Jahresklasse  1917

ungefähr  255000  Mann  stark  ist.  Auf  große
Abgänge  durch  Untaugliche  und  für  Hilfsdienste
Eingezogene  wird  man  nicht  mehr  rechnen  können,
  da  die  Grundsätge  des  neuen  Kriegsministers
  Gallieni  derartige  Verminderungen  des
Heeresersatzes  nicht  begünstigen.  Schon  früher
war  die  Grenze  der  Untauglichkeit  im  französischen
  Heere  sehr  weit  gesteckt  worden,  und  jetzt,
bei  dem  großen  Mangel  an  Mannschaften,  gibt
es,  nach  Ansicht  der  französischen  Fachleute,
Untaugliche  fast  überhaupt  nicht  mehr.  Da
auch  alle  Begünstigungen  durch  Abgeordnete
usw.  angeblich  fortfallen,  so  dürfte  die  Jahresklasse
  1917  das  französische.  Hecer  um  rund
250  000  Mann  vermehren.  Es  ist  ein  lleiner
Ersatz,  der  kaum  die  Verluste  der  letzten  groben
  mißglückten  Offensive  Frankreichs  ausgleicht.
Es  kommt  dazu,  daß  das  französische  Ofsfizierskorps
  bisher  Gesamtverluste  von  fast  35.000
Mann  erlitien  haben  soll.  Mit  der  Einberufung
  der  Jahresklasse  1917  macht  die  völlige
Vechluenng  Frankreichs  weitere  reißende  Fortschritte,
  da  Frankreich  nicht  in  dem  Mahße  von
Bevölkerungezuwachs  begünstigt  isi,  wie  Rußland
  und  sogar  England.  Man  bedenke,  daß
die  Bevölkerungszunahme  in  Frankreich  seil  dem
Friedensschluß  im  Jahre  1871  kaum  eineinhalh
Millionen  Menschen  belrug,  während  die

völkerung  in  Deutschland  um  35  Millionen
Menschen  im  sellen  Zeitraum  zunahm.  Da  die
Verluste  Frankreichs  bisher  eine  Million  Menschen
  bei  weitem  übersteigen,  so  ist  die  Bevölkerung
  Frankreichs  heute  bereils  wieder  auf
dem  Standpunft  angelangt,  auf  dem  sie  im
Jahre  1670  war.  Diese  Verblutung  des  Landes
  kann  durch  leinen  Sieg  wieder  gutgemacht
werden,  von  dem  heute  noch  der  Vierverband
vielleicht  zu  träumen  wagt.  Sie  tröflen  sich  mit
der  Offensive  im  März  1916  und  verschieben
alle  ihre  Hoffnungen  darauf.  Glauben  sie  denn.
daß  Deutschland  und  seine  Verbündeten  nicht
Zuwachs  an  Lften  erhalten?  Wenn  die  große

Ossensive  im  Oktober  vorigen  Jahres  trotz  der
ungeheuren  Uebermacht  des  Vierverbandes  nicht
nur  keinen  Ersolg  bringen,  sondern  auch  nicht
einmal  unseren  gewaltigen  Vormarsch  gegen
Serbien  im  geringsten  aufhalten  konnte,  wie
soll  eine  Offensive  im  Frühjahr  1916  ihnen
den  gewünschten  Erfolg  bringen,  wo  Serbien
längst  abgetan  ist,  und  unsere  starken  und  voll
gesüllten  Armeekorps,  mit  allem  Notwendigen
aufs  beste  ausgerüstet,  in  voller  Kraft  den
Stoß  erwarten

i  s  s
DNMIHMM»
England  und  das  Verbrechen  der
„Baralong'“.

Berlin,  9.  Zan.  Wie  bereits  berichtet,  hat
die  englische  Regierung  über  die  Forderungen
Deutschlands  zu  der  Ermordung  deutscher  U-Boot-Leute
  durch  die  Besatzung  des  englischen
Hilfskreuzers  „Baralong“  ein  Weihbuch  er- 



 

der.  Sün  mannschaft  sehlte  niemand.  Auf
endeine  Weise  haite  sich's  innerhalb  weniger
Mlentn  unter  der  Vesagung  herumgesprochen.
daß  die  „Iphrodite“  von  einem  italienischen
Kanonenbert  verfolgt“  werde,  und  nun  wollle
natiulich  jeder  den  „Jeind“  sehen.

Herr  von  Sylvander  und  der  Varon  stinden
ein  wenig  abseus  in  lebhaftem  Ceipach.  und
namemtlich  der  Geheim#rat  schien  sich,  nach  seinen
Gestikulaticonen  zu  urteilen,  schon  wieder  in  erheblicher
  Aufregqung  zu  be  indden.  Veamegard
war  dem  Anschein  nach  ruhiger.  Cr  sah  allerdinge
  leichendlatz  aus;  aber  das  konnte  recht

obl  eine  Nachwirkung  seiner  nicht  eben  angemehmen
  gestrigen  Crlebnisse  sein.

Enka  eine  zu  Holmitekten  auf  die  Brücke.
Sie  wußte  wohl,  daß  cs  auf  einem  Schiffe
niemandem  als  dem  Kapitän  gestattet  ist,  mit
dem  dienstnenden  Osfe#zier  zu  reden;  aber  in
diesem  Augenblick  allgemeiner  Erregung  glaubte
sie  sich  über  das  Verbot  hinwegsetzen  zu  dürfen.

„Um  Gottes  willen,“  flüsterte  16  pn  zu,
„sie  werden  doch  nicht  auf  uns  schie

—ii'““  B-  einem  beruhigenden  S  chr  schürteute
en

„Nein,  gnädiges  Fräulein,  etwas  Derartiges
ist  wohl  unter  keinen  Umständen  zu  fürchten.
Meine  seemännischen  Erfahrungen  sind  zwar
nicht  mesemlich  größer  als  die  Ihrigen.  So
viel  aber  weiß  ich  doch,  daß  sich  die  Jtaliener
mit  solchen  Gewaltsamkeiten  sehr  schwer  gegen
das  Völkerrecht  verfündigen  werden,  was  sie
natürlich  unter  keinen  Umständen  wagen  werden.
Wenn  sie  wirklich  etwas  von  uns  wollen.  werden
sie  es  uns  bald  genug  durch  ein  Signal  zu  erkennen
  geben.“

Seine  Voraucsage  erfüllte  sich  sehr  schnell.
Das  Prieasschiff  machte  sechzohn  uoten  in  der

 

Slundr.  und  die  „Aphrodit“  nur  sieben;  die
Verfolgung  konnte  also  nicht  lange  währen.
Schon  um  ein  Uhr  latterte  die  grün--weiß-rote
UBlagge  Italiens  am  Jolmas#des  Kanonenbootes,
und  darunter  erschien  die  rot-weiste  Signal  jagge
mit  dem  Vuchstaden  I.  der  in  der  internationalen
Scesprache  bedeutet

„Hall!  —  Ich  rabe  Wichtiges  mitzuteilen.“

Und  der  Führer  der  „Aphrodite-  hatte  es
ersichtlich  nicht  auf  offenen'  oder  passiven  Widerltand
  abgesehen.  Die  Jacht  hin#te  die  deutsche
Flagge  mit  dem  Antwortwimpel,  und  Kapitän
Stumpf  erteilte  die  der  Aufforderung  entsprechenden
  Bejehle.  Das  Hauptsegel  senlte  sich.

und  das  Jocklegel  wurde  badgeholt,  so  daß
das  Schiff  beidrehen  konnte,  während  der  Jialicner,
  an  dessen  Bug  man  jeßt  den  Namen
„Cigno“  lesen  konnte,  rasch  näher  kan
Frau  von  Heyden  näherte  lih  dem  Kapitän
und  Klüfterte  ihm  etwas  Ins  Ohr.

„Sehr  wohl,  gnädige  FrauI“  stimmte  er
zu  und  g  nach  vorn,  wo  die  Mannschast
14h,  vollzählig  versammelt  hatte.

„Alle  Mann  mit  Ausnahme  der  Wache  ?  noch
unten!“  kommandierte  er.  „Und  ich  bitte  mir
aus.  ndan  alle  Luten  geltefeen  bleiben.  sowie
Oaß  memano  wie  in  rommt,  eye  10)
Befehl  dazu  ere  habse  2

Die  Leute  gehorchten  in  verdrießlichem
Schweigen,  und  als  der  Italiener  seine  Maschinen
1n  möclichster  Nähe  der  Jacht  sloppte,  konnte

fzae  sich  von  der  Kopfzahl  der  Besatzung  unmaai
  eine  kgendnln  zutrefsende  Vorstellung

machen.

Dos  Krlegsschiff  ließ  ein  Boot  zu  Wasser
aber  irgend  etwas  mußte  nicht  in  der  gehörlgen
Ordnung  sein.  Der  hintere  Block  klemmte  sich,
das  voll  besetzte  Boot  kam  aus  seiner  hori- 



 

Sontalen  Lage  und  hing  plötzlich  mit  dem  Bug
nach  unten,  so  daß  ein  Ossfizier  und  ein  halbes
Dußend  Matrosen  unfreiwillige  Vekanntschaft
mit  dem  nassen  Element  zu  machen  hatten.  Sie

wurden  zwar  allesamt  rasch  wieder  ausgesischt,
rne  ernstlichen  Schaden  genommen  zu  haben;
aber  das  wenig  glän  zende  Schaunspiel,  das  er
den  deutschen  Reisenden  gegeben,  konnte  unmöglich
  danach  angetan  sein,  den  Kapitan  des
„Cigno“  in  eine  besonders  freundliche  Laune
zu  versetzen,  während  Kapitän  Stumpfs  breites
Gesicht  wie  im  Abglanz  eines  schier  überirdischen
Vergnügens  strahlte.

Ein  trockener  Ofüizier  und  sechs  trockene
Matrosen  mußten  die  durchnäßten  ersetzen,  und
binnen  zurzem  lag  das  Ruderboot  längsseit
der  Ja

Wnn  Stumpf  rief  eine  recht  ironisch
gesärbte  Frage  hinunter,  aber  sie  verfehlte
beider  ihre  Wirkung,  da  augenscheinlich  keiner

der  Bootsinsassen  des  Deutschen  mächtig  war.

Es  bedurfie  der  Vermilllung  der  Fran  von
Henden,  bis  Stumpf,  der  sich  ganz  merkwürdig
begriffsstutzig  zeigte,  kapiert  zu  haben  schien,

daß  nach  dich  geigte.  des  italienischen  Offiziers
die  Treppe  herabgelassen  werden  sollte.  Und
dies  geschab  nun  „rein  zufällig"  mit  so  sonderbarer
  Plötzlichkeit  und  Behemenz,  dah  das  Voot
um  ein  Haar  zum  zweiten  Male  zu  Schaden
gekommen  wäre.

Der  Offizier,  ein  sehr  elegant  und  weltmännlsch
  aussebender  junger  Herr,  stleg  an

ord  und  verneigte  sich  zunächst  mit  vollendeter
  Höflichkeit  gegen  die  beiden  Damen,
eren  Schönheit  und  Vornehmheit  ihn  in  nicht
geringem  Maße  zu  überraschen  schien.

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