34 Das Deutchtum in d. v. neuen Reich getrennten ehemalig. Reichslanden
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soviel als für deutsche aufgewendet, für tschechische gewerbliche Zwecke
fast viermal, für tschechische Unterrichtszwecke achtmal soviel.
Noch schreiender ist die Ungerechtigkeit bei der Amterbesetzung. In
den 1057 Stellen der autonomen Provinzialverwaltung müßten nach
Maßgabe der Volkszahl 425 deutsche und 632 tschechische Beamte sitzen.
In Wirklichkeit sind es 23 deutsche und 1026 Tschechen. Unter den 24700
staatlichen Beamten Böhmens wurden 1903 nur5300 deutsche ermittelt.
Es hätten bei entsprechender Berücksichtigung der Volkszahl 10 117
sein müssen. Das ungeheuerliche Mißverhältnis macht sich in peinlichster
Weise in den gemischtsprachigen Bezirken bemerkbar. In überwiegend
deutschen Gemeinden, wo der Bruchteil der eingesprengten Tschechischredenden
ein verschwindend geringer ist, gibt es eine Uberzahl tschechischer
Beamten, während in den Gebieten mit tschechischer Mehrheit
die Interessen der deutschen Minderheit völlig unberücksichtigt sind. Das
unverhältnismäßige tschechische Ubergewicht in den Reihen des Beamtentums
erklärt sich nicht entsfernt ausreichend aus dem Nachteil, in den
die Deutschen durch Abweisung der Doppelsprachigkeit sich selbst für die
Beamtenlaufbahn setzten. Heute lernen auch die deutschen Amtsanwärter
Tschechisch. Aber das tschechische Gymnasium und die tschechische Universität
entlassen ihre Zöglinge bei tunlichst milden Anforderungen mit
den bestmöglichen Zeugnissen und verschaffen ihnen damit einen weiteren
Vorteil vor den auf deutschen Bildungsstätten gewissenhafter und
strenger bewerteten Wettbewerbern. Endlich ist die Regierung den tschechischen
Ansprüchen allzu willig entgegengekommen. Ebenso arbeitet in
Böhmen die Kirche gegen die Deutschen. Die Bischöfe sind ohne Ausnahme
Tschechen. Der Nachwuchs deutscher Priester ist gering. Zahlreiche
deutsche Gemeinden haben tschechische Seelsorger, die häufig fanatische
nationale Gegner ihrer deutschen Pfarrkinder sind. Daher die
Los-von-Rom--Bewegung, die ihren Hauptherd in Böhmen hat. In
der Tat haben dort für die Deutschen unerträgliche Zustände sich herausgebildet.
Die parlamentarischen Formen versagten nicht nur im
Böhmischen Landtag, sondern auch im Wiener Reichsrat. Der Gang
der Staatsmaschine wurde vollständig gehemmt. Es ist so weit gekommen,
daß zeitweise jede Möglichkeit einer vernünftigen Ordnung verschwunden
schien. An die mit einer gewissen Gesetzmäßigkeit sich wiederholenden
Rüpeleien des Prager Pöbels gegen die deutschen Studenten, an
denen auch vornehmer Mob sich beteiligt, sei nur mit einem Wort erinnert.