74
durch S. Königl. Majestät hervorgerufen worden
sind.
8
Wir haben auf das Beispiel, welches Euer Exzellenz
von dem Ruin vieler Eurer Provinzen anführet,
geantwortet. Wir können aber nicht begveifen,
wie Sie wollen, daß wir uns mit dem
Herrn Grafen Steinbock wegen Führung eines humanen
Krieges nach dem Beispiel der Grausamkeit,
welches er uns gegeben, vereinbaren sollen. Eine
Grausamkeit, welche so vielen unschuldigen Leuten
das Leben gekostet, selbst Frauen in Kindesnöten
liegend und Kranken, welche nicht im Stande waren
aus dem Bette zu gehen. Wie viel Kinder und
Alte, so den wütenden Flammen entrissen, sind
nicht in dem Schnee erbärmlich umgekommen, weil
sie der rauhen Kälte nicht widerstehen konnten. Wie
viel unglückliche Arme von unterschiedlichem Alter
umd Geschlecht, welche der Rauheit der Jahreszeit
ausgesetzt sind, kommen nicht noch täglich von Kälte
mid Elend um. Sind das Beispiele der Humani-=täl,
welche der Herr Graf Steinbock uns nachzgufolgen
gibt? Wie können wir sie unsern Herrschern
vortragen?
Wir haben den Brief gesehen, welchen der Graf
Steinbock an den Herrn von Wibe geschrieben. Wir
werden unser Anteil darüber aussetzen; aber er
wisse, daß die Drohungen nichts über gerechte Personen
und großmütige Herzen, wie solche am dänischen
Hofe sind, vermögen.
9.
Wir schließen und sagen, daß Euer Esxzellenz
niemals die Verbrennung von Allona wird rechifertigen
können; aber sie (die Verbrennung) wird alles,
was wir werden zu einer gerechten Rache deswegen
unternehmen kömen, rechtfertigen. Und
wenn unsere Durchlauchtigsten Herrscher nach Ihrer
Humanität und Mäßigkeit gut finden, die Nachfolge
eines so grausamen Beispiels noch aufzuschieben,
wenigstens da sie nicht durch neue Grausamkeiten
von gleicher Art dazu genötigt wurden; so
sind wir doch versichert, daß Gott selbst die unerhörten
Grausamkeiten, welche in Altona verübet
worden, nicht werde ungestrafet lassen.
Wir sind
Euer Egzellenz ete.
Graf von Flemming.
Hamburg im Januar 1713.
J. Scholten.
Anumerkungen
zu dem Schreiben des General-Feldmarschalls
von Flemming und des Generals von Scholten.
Ad. 1.
Man ist eben nicht um einen Richter bekümmert
gewesen. Und hatte der Herr Graf Welling auf das
Urteil der Feinde sich berufen wollen, so würden
die Schweden ohne Zweifel ihre Sache verloren
haben.
Unser Dommerland
Ad. 2.
Es wird nicht bestritten, daß eine Ungleichheit
zwischen Stade und Altona sei: jene ist mit schwachen
Festungswerken versehen, diese hat gar keine.
Allein was für eine Not hat erfordert, eine Stadt
von so schlechter Befestigung zu verbrennen? Dem
in Ermangelung einer Besatzung hätte sie sich doch
auf Gnade und Ungnade ergeben müssen. Wahr ist
es, es stehet einem jeden frei, die Art, welche zur
Eroberung einer Stadt ihm am bequemsten dünket,
wach Belieben zu wählen. Man behauptet, daß
zwischen einer Bombardierung und einer Anzündung
mit der Fackel gar kein Vergleich wäre, wenn
die Bomben, anstatt des Einschlagens und Niederreißens,
die Häuser notwendig in die Asche legen
und die nichtbefestigten Magazin-Oerter durch Feuerballen
oder glühende Kugeln und nicht durch
Fackeln unmngänglich verbrannt werden mücßten.
Doch sind die in Stade eingeworfenen Bomben den
Fackeln nicht so ungleich gewesen, indem der Feuerwerker
sie mit einer neuen Erfindung und einer solchen
brennenden Materie zu spicken gewußt, daß
jede zersprungene Bombe wenigstens ein Dutzend
Feuerballen geworfen, die so beschaffen gewesen,
daß sie allenthalben hafteten aber nicht gelöscht
werden konnten. Diese neue Manier, Städte unter
dem Mantel einer Bombardierung zu verbrennen,
hebet den Vergleich auf, welcher gegenteils zwischen
einem unvermeidlichen Blutvergießen und einer
mutwilligen Metzelei gemacht worden ist.
Ad. 3.
Daß Korn= und Provianthäuser in Altona und
fasi die ganze Stadt mit Proviant für die feindliche
Armee und zwar in solcher Menge angefüllt
gewesen, daß so viel Fuhren als zu ihrer Wegführung
erforderlich aufzubringen unmöglich war, solches
ist eine ganz unwidersprechliche Wahrheit.
feindlichen Befehle, den Proviant noch zu vergrößern,
welche der Graf Steinbock auffangen lassen,
geben davon ein unverwerfliches Zeugnis. Alle,
denen es bekannt ist, müssen gestehen, daß kein anderes
Mittel sich gefunden, um dieselbe zu verderben
als durch Verbrennung einer Stadt, deren Lage
und Vorteile sie ganz bequem eigneten, um daraus
einen Waffenplatz zu machen und daselbst so viel
Magazine zu errichten, die da ausreichten, alle drei
feindliche Armeen zu versorgen und den Krieg so
lange zu unterhalten, als derselbe in Holstein geführt
werden mußte. Dieses kann nun nicht mehr
geschehen und man gestehet gerne, daß es der einzige
Vorteil ist, den der Graf Steinbock davon gezogen;
doch ist derselbe so ansehnlich, daß er das
Unteonehmen des Grafen zu rechtfertigen mehr als
zureichend ist. Ob gedachter Herr Generab in seiner
den Allonaischen Abgeordneten erteilten Antwort
alle seine Ursachen zu eröffnen nktig gefunden habe,
ist eine Sache, davon man keine Nachricht hat. Aber
so viel ist ganz gewiß, daß es nur an diesen Abgeordneten
gelegen, die erwähnten Magazine mit
Die