Contents : Unser Pommernland. 3. Jahrgang 1915/16. (3)

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durch  S.  Königl.  Majestät  hervorgerufen  worden
sind.

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Wir  haben  auf  das  Beispiel,  welches  Euer  Exzellenz
  von  dem  Ruin  vieler  Eurer  Provinzen  anführet,
  geantwortet.  Wir  können  aber  nicht  begveifen,
  wie  Sie  wollen,  daß  wir  uns  mit  dem
Herrn  Grafen  Steinbock  wegen  Führung  eines  humanen
  Krieges  nach  dem  Beispiel  der  Grausamkeit,
welches  er  uns  gegeben,  vereinbaren  sollen.  Eine
Grausamkeit,  welche  so  vielen  unschuldigen  Leuten
das  Leben  gekostet,  selbst  Frauen  in  Kindesnöten
liegend  und  Kranken,  welche  nicht  im  Stande  waren
  aus  dem  Bette  zu  gehen.  Wie  viel  Kinder  und
Alte,  so  den  wütenden  Flammen  entrissen,  sind
nicht  in  dem  Schnee  erbärmlich  umgekommen,  weil
sie  der  rauhen  Kälte  nicht  widerstehen  konnten.  Wie
viel  unglückliche  Arme  von  unterschiedlichem  Alter
umd  Geschlecht,  welche  der  Rauheit  der  Jahreszeit
ausgesetzt  sind,  kommen  nicht  noch  täglich  von  Kälte
mid  Elend  um.  Sind  das  Beispiele  der  Humani-=täl,
  welche  der  Herr  Graf  Steinbock  uns  nachzgufolgen
  gibt?  Wie  können  wir  sie  unsern  Herrschern
vortragen?

Wir  haben  den  Brief  gesehen,  welchen  der  Graf
Steinbock  an  den  Herrn  von  Wibe  geschrieben.  Wir
werden  unser  Anteil  darüber  aussetzen;  aber  er
wisse,  daß  die  Drohungen  nichts  über  gerechte  Personen
  und  großmütige  Herzen,  wie  solche  am  dänischen
  Hofe  sind,  vermögen.

9.

Wir  schließen  und  sagen,  daß  Euer  Esxzellenz
niemals  die  Verbrennung  von  Allona  wird  rechifertigen
  können;  aber  sie  (die  Verbrennung)  wird  alles,
  was  wir  werden  zu  einer  gerechten  Rache  deswegen
  unternehmen  kömen,  rechtfertigen.  Und
wenn  unsere  Durchlauchtigsten  Herrscher  nach  Ihrer
Humanität  und  Mäßigkeit  gut  finden,  die  Nachfolge
  eines  so  grausamen  Beispiels  noch  aufzuschieben,
  wenigstens  da  sie  nicht  durch  neue  Grausamkeiten
  von  gleicher  Art  dazu  genötigt  wurden;  so
sind  wir  doch  versichert,  daß  Gott  selbst  die  unerhörten
  Grausamkeiten,  welche  in  Altona  verübet
worden,  nicht  werde  ungestrafet  lassen.

Wir  sind

Euer  Egzellenz  ete.
Graf  von  Flemming.

Hamburg  im  Januar  1713.

J.  Scholten.

Anumerkungen
zu  dem  Schreiben  des  General-Feldmarschalls
von  Flemming  und  des  Generals  von  Scholten.

Ad.  1.

Man  ist  eben  nicht  um  einen  Richter  bekümmert
gewesen.  Und  hatte  der  Herr  Graf  Welling  auf  das
Urteil  der  Feinde  sich  berufen  wollen,  so  würden
die  Schweden  ohne  Zweifel  ihre  Sache  verloren
haben.

Unser  Dommerland

Ad.  2.

Es  wird  nicht  bestritten,  daß  eine  Ungleichheit
zwischen  Stade  und  Altona  sei:  jene  ist  mit  schwachen
  Festungswerken  versehen,  diese  hat  gar  keine.
Allein  was  für  eine  Not  hat  erfordert,  eine  Stadt
von  so  schlechter  Befestigung  zu  verbrennen?  Dem
in  Ermangelung  einer  Besatzung  hätte  sie  sich  doch
auf  Gnade  und  Ungnade  ergeben  müssen.  Wahr  ist
es,  es  stehet  einem  jeden  frei,  die  Art,  welche  zur
Eroberung  einer  Stadt  ihm  am  bequemsten  dünket,
wach  Belieben  zu  wählen.  Man  behauptet,  daß
zwischen  einer  Bombardierung  und  einer  Anzündung
  mit  der  Fackel  gar  kein  Vergleich  wäre,  wenn
die  Bomben,  anstatt  des  Einschlagens  und  Niederreißens,
  die  Häuser  notwendig  in  die  Asche  legen
und  die  nichtbefestigten  Magazin-Oerter  durch  Feuerballen
  oder  glühende  Kugeln  und  nicht  durch
Fackeln  unmngänglich  verbrannt  werden  mücßten.
Doch  sind  die  in  Stade  eingeworfenen  Bomben  den
Fackeln  nicht  so  ungleich  gewesen,  indem  der  Feuerwerker
  sie  mit  einer  neuen  Erfindung  und  einer  solchen
  brennenden  Materie  zu  spicken  gewußt,  daß
jede  zersprungene  Bombe  wenigstens  ein  Dutzend
Feuerballen  geworfen,  die  so  beschaffen  gewesen,
daß  sie  allenthalben  hafteten  aber  nicht  gelöscht
werden  konnten.  Diese  neue  Manier,  Städte  unter
dem  Mantel  einer  Bombardierung  zu  verbrennen,
hebet  den  Vergleich  auf,  welcher  gegenteils  zwischen
einem  unvermeidlichen  Blutvergießen  und  einer
mutwilligen  Metzelei  gemacht  worden  ist.

Ad.  3.

Daß  Korn=  und  Provianthäuser  in  Altona  und
fasi  die  ganze  Stadt  mit  Proviant  für  die  feindliche
  Armee  und  zwar  in  solcher  Menge  angefüllt
gewesen,  daß  so  viel  Fuhren  als  zu  ihrer  Wegführung
  erforderlich  aufzubringen  unmöglich  war,  solches
  ist  eine  ganz  unwidersprechliche  Wahrheit.
feindlichen  Befehle,  den  Proviant  noch  zu  vergrößern,
  welche  der  Graf  Steinbock  auffangen  lassen,
geben  davon  ein  unverwerfliches  Zeugnis.  Alle,
denen  es  bekannt  ist,  müssen  gestehen,  daß  kein  anderes
  Mittel  sich  gefunden,  um  dieselbe  zu  verderben
  als  durch  Verbrennung  einer  Stadt,  deren  Lage
und  Vorteile  sie  ganz  bequem  eigneten,  um  daraus
einen  Waffenplatz  zu  machen  und  daselbst  so  viel
Magazine  zu  errichten,  die  da  ausreichten,  alle  drei
feindliche  Armeen  zu  versorgen  und  den  Krieg  so
lange  zu  unterhalten,  als  derselbe  in  Holstein  geführt
  werden  mußte.  Dieses  kann  nun  nicht  mehr
geschehen  und  man  gestehet  gerne,  daß  es  der  einzige
  Vorteil  ist,  den  der  Graf  Steinbock  davon  gezogen;
  doch  ist  derselbe  so  ansehnlich,  daß  er  das
Unteonehmen  des  Grafen  zu  rechtfertigen  mehr  als
zureichend  ist.  Ob  gedachter  Herr  Generab  in  seiner
den  Allonaischen  Abgeordneten  erteilten  Antwort
alle  seine  Ursachen  zu  eröffnen  nktig  gefunden  habe,
ist  eine  Sache,  davon  man  keine  Nachricht  hat.  Aber
so  viel  ist  ganz  gewiß,  daß  es  nur  an  diesen  Abgeordneten
  gelegen,  die  erwähnten  Magazine  mit

Die