Juni 1899. 71
nur telegraphische Meldungen vor, die ich in einem unseren Missionen
im Auslande mitgeteilten Auszug, den ich vor mir liegen habe, mit Erlaubnis
des Herrn Präsidenten hier verlesen möchte, obwohl der wesentliche
Inhalt bereits bekannt ist.
„Die Oberkommission ist am 13. Mai in Apia eingetroffen
und hat alsbald mit beiden Parteien wegen Auflösung der
Streitkräfte verhandelt. Die Befürchtung, daß die Ruhe nur
durch Wiederaufnahme der Feindseligkeiten gegen Mataafa wiederherzustellen
sei, hat sich als grundlos erwiesen. Malictoa-Tann
und Mataafa haben beide der Kommission Besuche gemacht, den
Entschluß ihrer Parteien, der Kommission zu gehorchen, übermittelt
und die Niederlegung und Auslieferung aller Waffen
versprochen. Mataafa hat am 31. Mai den Anfang mit Ablieferung
von über 1800 Gewehren gemacht. Beide Häuptlinge
sind von der Kommission als gleichberechtigte Parteihäupter
empfangen worden, und es ist nicht ausgeschlossen, daß dem
Streit beider Teile durch Abschaffung des Königtums ein Ende
gemacht werden wird. Admiral Kautz hat mit dem amerikanischen
Kriegsschiff „Philadelphia“ die Rückreise nach San Francisco
angetreten. Statt der „Philadelphia“ wird demnächst der Krenzer
„Newark“ eintreffen. Der englische Konful Maxse wird sich am
16. Juni nach Europa zurückbegeben. Alsdann wird auch
Generalkonsul Rose den von ihm Ende vorigen Jahres beantragten
Urlaub erhalten. Die verhafteten Deutschen Hufnagel
und Marquard sind, nachdem die Kommission sich von ihrer
völligen Unschuld überzeugt hat, ungesänmt in Freiheit gesetzt
worden. Die Bevölkerung von Samoa setzt großes Vertranen
in die Kommission. Nach Ordnung der allgemeinen politischen
Verhältnisse wird die Kommission zu der Entschädigungsfrage
Stellung nehmen.“
Meine Herren, die Samoakommission hat vor allem die Aufgabe,
gemäß der Samoa-Akte auf Samva den Frieden und die Rechtsordnung
wiederherzustellen, welche dort in einer Weise gestört worden sind, die
das deutsche Rechtsgefühl tief verletzt hat.
(Sehr wahr! sehr richtig!)
Es würde nach unserer Auffassung dem Artikel 1 der Samoaakte entsprechen,
wenn hinsichtlich der Schaffung einer künftigen Eingeborenenregierung
die Wünsche der Bevölkerung timlichst in Berücksichtigung gezogen
würden. Es könnte das vielleicht in der Weise geschehen, daß