Full text : Deutsche Geschichte. Zweiter Band. (2)

32  1.Die  Zeit  Ludwigs  XIV  und  des  Kurfürften  Friedrich  Wilhelm.

ungläubigen  Barbaren  unterftügen.  Der  Bapjt  Innozenz  XI
machte  feinen  Einfluß  geltend  und  half  mit  den  Mitteln  der  Kirche
den  wie  immer  elenden  Finanzen  de3  Kaijer3  auf.  Leopold  Hatte
mit  dem  König  von  Polen  Johann  Sobiesft  ein  Biindni3  ge-Ichloffen,
  da3  ihm  von  Dorther  eine  Hilfe  von  zwanzigtaujend  Kriegern
  ficherte;  die  Kurfürften  Mar  Emanuel  von  Bayern  und  Sohann
Georg  III  von  Sacjjen  zogen  perjünlich  mit  zu  Felde:  der  Kurfürft
  von  Brandenburg  begnügte  fich,  zwölfhundert  Mann  zu  dem
Polenheere  jtoßen  zu  lajjen,  jein  Groll  gegen  den  Kaifer  wegen  de3
Kymweger  Friedens  war  noch  nicht  bejchwichtigt,  ja  er  hatte  gerade
in  jenen  Tagen  wegen  der  ablehnenden  Haltung  des  Kaijerz  feinen
Ichlefifchen  Anfprüchen  gegenüber,  wovon  noch  weiter  zu  veden
fein  wird,  neuen  Grund  dem  Kaifer  zu  zürnen.  BiS  auf  jech®-undfiebzigtaufend
  jchäßte  man  das  Neichgentfaßheer,  zu  dejfen  Oberfommandierenden
  Herzog  Karl  von  Lothringen  auserjehen,  das
freilich  noch  nicht  beifammen,  gejchweige  zur  Stelle  war.  Man
mußte  e8  in  Wien  auf  eine  Belagerung  ankommen  lafjen:  die
Verteidigung  der  Stadt  leitete  der  Graf  Rüdiger  von  Starhemberg.
  Der  Kaijer  Hatte  Wien  verlaffen  und  fi  nad)  PBafjau  in
Sicherheit  gebracht;  Eifer  und  Entjchloffenheit  der  Bürgerjchaft  der
Stadt  und  ihres  Bürgermeifter  Andreas  von  Liebenberg  aber
liegen  nichts  zu  wünfchen.  Doc  die  Rettung  fam  nicht  fo  rajch:
Mangel  und  Krankheit,  die  natürlichen  Begleiter  langer  Belagerungen,
  ftellten  fich  ein  und  die  Lage  wurde  ernfthaft.  Indes  die
Polen  und  die  Deutjchen  Streitfräfte  hatten  ihre  Vereinigung  bewirft
  und  ‚waren  nahe.  Das  Notzeichen  der  Eingejchlofjenen,  eine
Rafetengarbe  vom  Stephanzdom  aufgelaffen,  wurde  vom  Kalenberg
her  erwidert:  eg  war  höchite  Zeit.  Kara  Muftafa  glaubte  die  Stadt
noch  überwältigen  zu  Tönnen,  obgleich  er  den  Entjab  jchon  in
nächiter  Nähe  wußte  und  noch  einige  angftvolle  Tage  für  die  Belagerten
  vergingen.  Doc)  der  Tag  brach  an,  der  12.  September
1683,  der  hier  im  DOften  den  Wendepunkt  in  dem  langen  Kriege
zwifchen  Slam  und  Chriftentum,  Afien  und  Europa  bildete.  Einen
langen  Herbfttag  hindurch  —  e3  war  ein  Sonntag  —  wurde  heiß