Rechte an die schlesischen Fürstenthümer wieder erwecken durfte. Friedrich war
sofort dazu entschlossen. Schon am 28. Oktober schreibt er von Rheinsberg
an Algarotti: „Ich werde nicht nach Berlin gehen; eine Kleinigkeit, wie der
Tod des Kaisers ist, fordert keine großen Regungen. Alles war vorhergesehen,
Alles vorbereitet; also handelt es sich nur um die Ausführung der
Entwürfe, die ich seit langer Zeit in meinem Kopf bewegt habe.“
Und ebenfalls noch im Oktober an Voltaire: „Der Tod des Kaisers zerstört
alle meine friedlichen Ideen. Ich glaube, im Monat Januar wird es mehr auf
Pulver, Soldaten und Tranchéen ankommen, als auf Aktricen, Ballette und
Schauspiele; die Zeit ist da, wo das alte politische System eine
gänzliche Aenderung leiden kann; der Stein ist losgerissen, der
auf Nebucadnezars Bild von viererlei Metallen rollen und sie
zermalmen wird.“ Wie deutlich geht aus alledem hervor, daß Friedrich
vollkommen auf Fälle der Art vorbereitet und vollständig mit dem dazu Nöthigen
versehen war. Diese Pläne hat er gefaßt und ihre Ausführung vorbereitet;
jedenfalls sind fie sein ihm allein gebührendes unbestrittenes Verdienst. An einen
Angriff auf das Haus Habsburg dachte Niemand als er selbst.
Andere, Diener und Freunde seines Hauses, nugen sich ebenfalls mit
Plänen der Erhöhung des preußischen Ansehens, aber nicht von so kühnem
Schwunge. Man dachte an die Kaiserkrone, welche nach dem Abgange des habsburgischen
Hauses wohl an einen Hohenzoller kommen durfte. Ansichten der Art
hegte Fürst Leopold von Dessau, welcher auf die Nachricht von dem Tode des
Kaisers dem jungen König, wohl um seine gute Meinung wieder zu gewinnen,
Vorschläge der Art machte, mit dem Bemerken, es lebe Niemand in Curopa,
der diese Erhöhung mehr verdiene und im Stande sei, sie besser aufrecht zu
erhalten als Friedrich II. Auch in Berlin muß davon mehrfach die Rede gewesen
sein; denn es wird ausdrücklich erwähnt, daß, als eine der königlichen
Prinzessinnen den Einwand machte, es ließe das protestantische Bekenntniß gar
nicht daran denken, ein anwesender hoher Staatsbeamter vom diplomatischen
Standpunkte aus ganz richtig darauf entgegnete, dies sei kein Hinderniß, denn
es gebe kein Gesetz, durch welches ein Protestant vom kaiserlichen Thron ausgeschlossen
sei. Friedrich erwiederte dem Fürsten dankend und verbindlich, doch
ohne irgendwie näher auf das Anerbieten einzugehen, weil sein Entschluß schon
fest stand. Mit durchdringendem Blick erkannte er, daß ihm die Kaiserwürde nur
leeren Glanz, keine wirkliche Stärke verleihen würde, zumal so lange die Erben
des habsburger Hauses durch überwiegenden Landbesitz jeder Machtausübung
den nachhaltigsten Widerstand entgegensetzen durften. Nichts aber in der Welt
war einem so klaren und praktischen Geiste widerwärtiger, als eitler Schimmer
mit Ohnmacht gepaart.
Nachdem er seine Entscheidung getroffen, entbot er zwei Männer von Fach
nach Rheinsberg, um die nöthigen Maßregeln zur Erreichung seines Zieles mit
ihnen zu besprechen, nämlich den Feldmarschall Schwerin und den Kabinets-