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Was der Maͤrtyrer vielleicht noch im Gefaͤngniß, vielleicht
in seiner Todesstunde gesagt hatte, wurde wie ein Orakel befolgt,
und mancher, der wegen Abfalls oder irgend eines andern
Verbrechens von der Kirchengemeinschaft ausgeschlossen
war, fand den bequemsten Weg zur Wiederaufnahme, wenn
er beweisen konnte, daß ihn ein Märtyrer als Bruder erkannt
habe. Das war Zerstörung aller Kirchenzucht, deren Behauptung
damals desto wichtiger war, da bei so vielen aufmerksamen
Feinden der Fehler eines einzelnen Mitglieds sehr leicht
der ganzen Gesellschaft hätte können zum Verbrechen gemacht
werden. Aber sauch Ansehen der Geistlichkeit mußte darunter
sehr Noth leiden, denn das Wortudes Märtyrers und Confessors
galt mehr als das Wort des Bischofs, und der Märtyrer
nahm sich wohl manchmal die Freiheit, selbst den Bischof
zu bestrafen. Man tritt der Ehre dieser unerschrocknen Bekenner
des Christenthums gar nicht zu nahe, wenn man zweifelt,
ob sie immer auch aufgeklärte und moralisch gut gebildete
Menschen waren, und beides müßten sie doch gewesen seyn,
wenn von ihrer Entscheidung der Wohlstand der ganzen Kirchendisciplin
und die Verfassung mancher einzelnen Kirche,
hätte abhangen sollen. Es war dem Bischof nicht möglich,
volliger Herr von seiner Gemeine zu werden, so lange ein solcher
Laie bei den wichtigsten Angelegenheiten derselben so viel
zu sagen hatte, und wenn oft der Märtyrer und Confessor für
sich selbst gegen den Bischof nicht übel gesinnt gewesen wäre, so
wurde er von andern in der Gemeine aufgereizt. Der Bischof
mußte den Maͤrtyrer und Confessor aus der Armencasse versorgen,
aber manche der vornehmen Frauen in der Gemeine
schickte reichlicher aus ihrem eigenen, als der Bischof aus der
öffentlichen Casse, und so wurde die Ruhe einer ganzen Kirche
bisweilen der Intrigue eines einzigen Weibes preisgegeben.