Metadata : Bavaria. Landes und Volkskunde des Königreiches Bayern.

64  Klimatologie.

Die  jährliche  Regenmenge  ist,  wie  vorstehende  Ziffern  zeigen,  in  Prag
wenig  beträchtlich,  sie  nimmt  aber  zu,  wenn  man  sich  dem  Böhmerwalde
nähert  und  erreicht  in  dessen  Mitte  ein  Maximum.  Das  auf  der  andern  Seite
des  Gebirges  liegende  Regensburg  sowie  Amberg  zeigen  schon  eine  bedeutende
Abnahme,  sowie  man  sich  aber  den  Alpen  nähert,  nimmt  die  Regenmenge
wieder  zu.  Da  sich  der  Einfluß  der  Gebirge  unmöglich  verkennen  läßt,  kön—
nen  wir  aus  der  Lage  der  Berge  unserer  Provinz  auf  die  dortige  Witterung
schließen.  Die  größere  Nähe  eines  Ortes  an  dem  Gebirge  wird  eine  größere
Menge  Regen  oder  Schnee  zur  Folge  haben.  Allgemein  ist  diejenige  Seite
eines  Gebirges  oder  Berges,  welche  von  den  Regenwinden  (W.  und  SW.)
zuerst  getroffen  wird,  die  regenreichere  und  trotz  den  enormen  Niederschlägen
auf  der  österreichischen  Seite  des  Böhmerwaldes  ist  es  nicht  unmöglich,  daß
es  auf  bayerischem  Gebiete  Orte  gibt,  an  denen  es  noch  mehr  regnet  und
schneit  als  dort,  da  der  baherische  Theil  auf  der  Südwest=  oder  Wetterseite
des  Gebirges  liegt.  Auf  der  Westseite  des  Arbers,  Rachel  u.  s.  w.  kann  es
Punkte  geben,  die  an  Regenmenge  die  österreichischen  noch  weit  übertreffen.
Auf  der  nördlichen  oder  bayerischen  Seite  der  Alpen  sind  die  Regen  trotz
der  Wirkung  des  mächtigeren  Gebirges  geringer  als  im  Böhmerwalde,  weil
das  nördlich  vom  Gebirge  sich  ausdehnende  Land  von  der  Wetterseite  abgewandt
  ist.

Merkwürdig  ist  die  große  Menge  der  Winterniederschläge.  So  fällt  in
Stubenbach  im  Februar  allein  mehr  als  ein  Fuß  Wasser  oder  wenn  wir  annehmen,
  daß  dieses  Wasser  in  fester  Form  als  Schnee  herabkomme,  etwa
14  Fuß  Schnee  auf  freiem  Felde.  Die  Sommerregen  sind  zwar  bedeutender  als
die  des  Alpengebietes,  aber  doch  ist  der  Zuwachs  verhältnißmäßig  geringer
als  bei  den  Winterniederschlägen,  und  wir  können  daher  füglich  die  große
Masse  von  Schnee  als  ein  charakteristisches  Merkmal  für  das  Klima  wenigstens
  des  gebirgigen  Theiles  unserer  Prorinz  aufstellen.

Wenn  übrigens  auch  die  Menge  meteorischen  Wassers  im  niederbayerischoberpfälzischen
  Gebiete  größer  ist,  als  im  oberbahyerischen,  so  ist  voch  der
Schluß  nicht  gerechtfertigt,  daß  die  Zahl  der  Regentage  in  demselben  Verhältnisse
  größer  sein  müße.  Allerdings  ist  die  Möglichkeit  vorhanden,  daß
mit  der  Regenmenge  auch  die  Zahl  der  Regentage  wachse;  doch  ist  dieses
nicht  unbedingt  nothwendig.  So  fallen

in  Salzberg  bei  Hall  554  Linien  in  115,3  Tagen

„  Tegernsee  524,7  „  „  169,9  „

„  Bogenhausen  364,81  „  „  175,6  „
und  es  scheint  fast,  als  seien  die  Regen  im  Gebirge  heftiger,  als  im  Flachland.
  In  den  11  Beeobachtungsmonaten  zu  Passau  kommen  auf  435,33  Linien
  Regenwasser  152  Tage,  es  fallen  also  im  Mittel  an  einem  Tage  2.86  Linien
Wasser,  während  in  Bogenhausen  nur  2,08  treffen.  Aus  diesem  Grunde
kann  man  aus  der  großen  Regenmenge  in  Niederbayern  und  Oberpfalz  nicht