Volltext : Lehrbuch der Geburtshülfe für die Preußischen Hebammen.

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Menge  sehr  verschieden  ist.  Durchschnittlich  berrägt  sie  am  Ende  der
Schwangerschaft  /2  bis  1  Liter.  Der  Nutzen  des  Fruchtwassers  während
  der  Schwangerschaft  besteht  darin,  daß  es  die  Eihäute  und  die
Gebärmuner  in  der  gehörigen  Ausdehnung  erhält  und  dadurch  der
Frucht  den  nöthigen  Raum  zur  freien  Entwicklung  und  Bewegung
gewährt,  sie  gegen  Druck  von  außen  schützt  und  das  Zusammenwachsen
ihrer  an  einander  liegenden  Theile  verhinder.  (Von  dem  Nutzen  des
Fruchtwassers  unter  der  Geburt  wird  später  die  Rede  sein.)

Mit  dem  Muterkuchen  ist  die  Frucht  durch  die  Nabelschnur
verbunden.  Die  Nabelschnurscheide  geht  am  Nabel  unmittelbar  in
die  Haut  der  Frucht  über.  Die  Nabelschnur  entsteht  schon  im  2.  Monate
  der  Schwangerschaft,  ist  Anfangs  sehr  kurz  und  nimmt  allmälich
an  Länge  zu.  Am  reifen  Kinde  ist  fie  durchschnittlich  50  bis  54  Centimeter
  lang,  öfters  aber  auch  viel  länger  oder  kürzer.  Sie  ist  bald
stärker,  bald  schwächer  gewunden  (um  sich  selbst  gedreht).  Je  nach
der  Menge  der  Sulze,  welche  die  Adern  umgiebt,  unterscheidet  man
dicke  (sulzreiche)  und  dünne  (sulzarme)  Nabelschnüre.  Durch
eine  vermehrte  Anhäufung  der  Sulze  an  einzelnen  Siellen,  verbunden
  mit  einer  stärkeren  Schlängelung  der  Adern,  entstehen  häufig  begränzte
  Wülste,  sogenannte  falsche  Knoten.  Sehr  selten  dagegen
ist  die  Nabelschnur  zu  einem  wahren  Knoten  verschlungen.  Die
Eintrittsstelle  der  Nabelschnur  in  den  Mutterkuchen  liegt
gewöhnlich  der  Mitte  desselben  nahe,  öfter  aber  auch  in  der  Nähe
des  Randes.  Ausnahmsweise  heftet  sich  die  Nabelschnur  in  einiger
Entfernung  von  demselben  an  die  Zottenhaut  an,  so  daß  die  Hauptäste
  der  Adern  noch  eine  Strecke  weit  in  den  Eihäuten  verlaufen,
ehe  sie  den  Mutterkuchen  erreicheu.  Bei  der  Geburt  werden  die  Eihäute
  mit  dem  Mutterkuchen  und  der  an  demselben  haftenden  Nabelschnur
  in  der  Regel  erst  nach  dem  Kinde  ausgestoßen  und  deshalb
die  Nachgeburt  genannt.

8.  42.

Die  Frucht  ist  am  Ende  des  ersten  Schwangerschafts-Monats
  noch  sehr  klein,  die  menschliche  Gestalt  kaum  schon  erkennbar,
  die  Gliedmaaßen  nur  eben  angedeutet.