Full text : Geschichte der Hohenzollern.

welcher  er  durch  feste  Begründung  der  evangelischen  Lehre  in  auswärtigen  Staaten,
für  die  Sicherheit  der  Protestanten  in  seinem  Vaterlande  zu  wirken  strebte  —

Zu  Joachim's  großem  Bedauern  war  zwischen  den  beiden  protestantischen
NRächten  im  Norden,  Dänemark  und  Schweden,  ein  neuer  Krieg  entstanden.
Luch  dieser  Angelegenheit  widmete  er  seine  Thätigkeit,  und  es  gelang  ihm  wirklich
  unter  Beistand  des  Kurfürsten  von  Sachsen,  einen  Frieden  zwischen  den
beiden  streitenden  Mächten  zu  vermitteln.

Doch  selbst  in  den  Grenzen  seines  eigenen  Gebietes  hatte  der  edle  Fürst  manchen
  Hader  und  Streit  der  Religion  wegen  auszuhalten.  Um  dem  steten  Gezänke
mit  einem  Schlage  ein  Ende  zu  machen,  oder  wenigstens  eine  Art  von  Norm
zur  Gewinnung  eines  festen  Angelpunktes  für  hin=  und  herschwankende  Meinungen
  zu  erreichen,  beschloß  er,  den  nach  Berlin  berufenen  Ständen,  welchen
er  die  vornehmsten  Geistlichen  des  Landes  beiordnete,  feierlichst  sein  Glaubens-Bekenntniß
  mitzutheilen  (1569).  Er  rechnete  dabei  um  so  eher  auf  einigen
Erfolg,  da  er  selbst  schätzbare  Kenntnisse,  namentlich  in  theologischen  Dingen,
besaß.  Er  hatte  öfter  den  Disputationen  seiner  Geistlichen  mit  den  päpftlichen
Abgesandten  beigewohnt,  und  durch  treffend  dazwischen  geworfene  Worte  bewiesen,
  daß  er  nicht  nur  seine  Ansichten  klar  auseinander  zu  setzen,  sondern  auch  des
Gegners  Schwächen  zu  finden  verstand.  Freilich  war  er  in  diesem  Punkte  nicht
ganz  unbefangen,  denn  er  hatte  einen  unüberwindlichen  Abscheu  gegen  alles
sogenannte  Sektenwesen,  und  leider  beurtheilte  er  auch  den  Calvinismus  aus
diesem  Gesichtspunkte.  Dies  Vorurtheil  trübte  mitunter  zum  Schaden  des  allgemeinen
  Besten  seinen  sonst  klaren  und  durchdringenden  Blick.  Hüten  wir
uns  jedoch,  deshalb  ein  ungünstigeres  Urtheil  über  den  Kopf  oder  das  Herz
des  vortrefflichen  Regenten  zu  fällen,  und  erinnern  uns,  daß  selbst  Luther  nicht
von  ähnlichen  Ansichten  frei  war,  daß  er  die  Calvinisten  als  Irrgläubige  ansah,
  und  sie  mit  jenen  Schwärmgeistern  zusammenwarf,  durch  deren  Lehre  die
gesellschaftliche  Ordnung  der  christlichen  Staaten  untergraben  würde.  Es  irrt
der  Nensch  so  lang  er  strebt,  und  deshalb  führt  jede  auch  noch  so  tief  begründete
  Wahrheit  diese  Gefahr  mit  sich,  vom  Mißverstande  und  der  Thorheit  er-,

  das  Unheil  neben  dem  Segen  erzeugen  zu  können.  Auch  das  Christenthum
  und  jeder  Fortschritt  in  demselben  ist  von  dieser  Gefahr  nicht  befreit.

In  seiner  freundlichen  Weise  begann  Joachim  II.  die  Auseinandersetzung
vor  den  Geistlichen  mit  den  Worten:  „So  lange  hätten  sie  ihm  etwas  vorgepredigt,
  jetzt  würde  er  seinerseits  ihnen  etwas  vorpredigen“  Er  sprach  über
eine  große  Zahl  von  Punkten  der  Glaubenslehre;  welche  ganz  besonders  Streit
unter  den  Confessionen  der  Evangelischen  erregt  hatten,  namentlich  über  das
hellige  Abendmahl  und  über  den  auch  unter  den  märkischen  Gottesgelehrten  vielfach
  abgehandelten  Punkt  der  guten  Werke.  Dabei  verwies  er  für  alle  streitigen
Gegenstände  auf  die  heilige  Schrift,  und  zeigte  eine  so  vollendete  Kenntniß  derselben,
  daß  er  seinen  Theologen  vom  Fach  darin  nichts  nachgab.  Die  Lehre
über  die  guten  Werke  hatte  schon  seit  Jahren  großen  Streit  unter  Letzteren  erregt.