gessen zu haben. Vielleicht behält auch ruhig Blut die Oberhand.
Gott gebe es. Wenn wir auch nur zugeben, daß Oestreich
triumphirend aus diesem Rriege hervorgeht, mit oder ohne uns,
so steht es so glänzend da, daß wir auf ein #enschenalter drunter
durch sind in Deutschland. Du fragst, ob ich die RKreuzzeitung
lese: Die Anzeigen, ja, und die Kammern, alles Auswärtige
seit Gochen nicht mehr, denn der vollendete Blödsinn hat nicht
einmal mehr für den Arzt ein Interesse.
Vorgestern war Geburtstags-Cour und Abends Ball, Sof in
seiner ganzen Dracht, wirklich gut. Der KRaiser sehr gnädig für
mich. Er lud mich ein, morgen der großen Darade beizuwohnen,
und ich kanns nicht ablehnen; wenn der Hrinz für die ächerlichkeit
keinen Sinn hat, daß sein Gesandter unter allen dicknäsigen Generälen
als wohlbeleibter Lieutnant figurirt, und daß er mir zweimal
feierlich versprochen hat, dem ein Ende zu machen, so ist
mirs gleichgültig für diesmal, und ich verzichte demnächst auf
die einzige Gelegenbeit, die ein Diplomat hier hat, den Kaiser
außerhalb der Winterfeste zu sehn. In meinem Oienst bin ich
bier nicht. Aus der Einlage") kannst Du ersehn, was man uns
beim Souper vorspielte, während ich zwischen Slürsstin Joussoupoff
(die Oscar noch als Tata Ribeaupierreö) kennt) und einer sehr
liebenewürdigen Sofdame Dolgoruki den kältesten aller Holar-Secte
trank. Der Raiser hat die Gewohnheit wie Hlrin]z von
Hrleußen] beim Souper umherzugehn und einen in den unbebaglichen
Fall zu bringen, daß man sitzend und über die Schulter
mit ihm redet.
An Johanna habe ich Donnerstag Abend geschrieben und hoffe,
daß sie den Brief noch in Slrankfurtl bekommen hat; übermorgen
schicke ich wieder ## Keldjäger 6) und schreibe ihr nach Berlin, wo
4) Nicht vorhanden.
) Ribeaupierre war früher als Gesandter in Berlin tätig, in seinem Hause
verkehrte der junge Biemarck.
64) FSeldjäger-Leutnant Sahn.
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