Full text : Protokolle der im October 1873 im Königlich Preußischen Unterrichts-Ministerium über verschiedene Fragen des höheren Schulwesens abgehaltenen Conferenz.

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dafür  von  Jacob  Grimm  in  der  Vorrede  zum  Deutschen  Wörterbuch
  geltend  gemachten  Gründe  seien  noch  nicht  widerlegt  worden.
«  Derselbe  äußerte  dabei,  es  scheine  ihm  keineswegs  angemessen,
die  Sache  von  oben  her  durch  Erlaß  besonderer  Verordnungen
fördern  zu  wollen;  die  Praxis  werde,  wenn  man  sie  nur  nicht
hindere,  sondern  ihr  durch  Beispiel  und  eine  gewisse  Begünstigung
nachhelfe,  allmählich  zum  Ziele  der  allgemeineren  Verbreitung
lateinischer  Schrift  kommen.  Er  verhehle  sich  aber  nicht,  daß  die
Consequenz  derselben  auch  die  Minuskel  statt  der  großen  Anfangsbuchstaben
  fordere,  und  diese  Neuerung  werde  wahrscheinlich  weniger
leichten  Eingang  finden.

Hr.  Reichensperger  erklärte,  nur  damit  nicht  allgemeine
Einstimmigkeit  gefolgert  werde,  seinen  Dissensus  dahin  kundgeben
zu  wollen,  daß  er  die  Nützlichkeit  der  Anwendung  lateinischer  Lettern,
wo  man  für  Ausländer  schreibe,  nicht  bestreiten  wolle,  daß  er  sich
aber  im  übrigen  gegen  das  Aufgeben  der  sogenannten  gothischen
Buchstaben  und  namentlich  auch  der  großen  Anfangsbuchstaben  für
die  Hauptwörter  im  Interesse  der  Bewahrung  dieser  deutschen  Eigenthümlichkeit
  aussprechen  müsse,  ähnlich  wie  für  die  Pflege  der
Dialekte  neben  der  des  Hochdeutschen.

Frage  Nr.  9  der  Vorlage:
Ist  auf  gesetzliche  Bestimmungen  über  den  Umfang
der  Schulen,  die  Classenzahl  und  die  Classenfrequenz
  Bedacht  zu  nehmen  Eventl.  welche
Bestimmungen  würden  in  dieser  Hinsicht  zu
ttreffen  sein?  «  ·
Der  Referent  über  diesen  Gegenstand,  Schul  R.  Gandtner,
laubte  die  Progymnafien  und  höheren  Bürgerschulen  von  der  Besprechung
  ausschließen  zu  sollen,  da  ihre  gewöhnliche  Einrichtung
zu  besonderen  Bemerkungen  keinen  Anlaß  biete,  zine  Lerheblie  Zunahme
  ihrer  Frequenz  aber  naturgemäß  zur  Umgestaltung  in  Gymnasien
  oder  Realschulen  führe.  -
Hihonsichtlich  der  Gymnasien  und  Realschulen  war  er  mit  Anderen
(Hofmann,  Östendorf)  der  Ansicht,  daß  die  Normen  über  den
Umfang  der  Schulen  sowohl  was  die  Classenzahl  als  auch  was
sie  Elaslenfreguen  betrifft,  im  Wege  der  Gesetzgebung  festzuen
  seien.
Von  einer  Seite  dagegen  (Gallenkamp)  glaubte  man,  daß
wefen  des  zulässigen  Maximums  der  Classenzahl  besser  keine  ge—
setzliche  Bestimmung  getroffen  werde,  da  besondere  Verhältnisse
Ausnahmen  oft  unerläßlich  oder  doch  wünschenswerth  machen
würden.
Für  die  höheren  Unterrichtsanstalten  sah  der  Referent  die  Zahl

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