129
dafür von Jacob Grimm in der Vorrede zum Deutschen Wörterbuch
geltend gemachten Gründe seien noch nicht widerlegt worden.
« Derselbe äußerte dabei, es scheine ihm keineswegs angemessen,
die Sache von oben her durch Erlaß besonderer Verordnungen
fördern zu wollen; die Praxis werde, wenn man sie nur nicht
hindere, sondern ihr durch Beispiel und eine gewisse Begünstigung
nachhelfe, allmählich zum Ziele der allgemeineren Verbreitung
lateinischer Schrift kommen. Er verhehle sich aber nicht, daß die
Consequenz derselben auch die Minuskel statt der großen Anfangsbuchstaben
fordere, und diese Neuerung werde wahrscheinlich weniger
leichten Eingang finden.
Hr. Reichensperger erklärte, nur damit nicht allgemeine
Einstimmigkeit gefolgert werde, seinen Dissensus dahin kundgeben
zu wollen, daß er die Nützlichkeit der Anwendung lateinischer Lettern,
wo man für Ausländer schreibe, nicht bestreiten wolle, daß er sich
aber im übrigen gegen das Aufgeben der sogenannten gothischen
Buchstaben und namentlich auch der großen Anfangsbuchstaben für
die Hauptwörter im Interesse der Bewahrung dieser deutschen Eigenthümlichkeit
aussprechen müsse, ähnlich wie für die Pflege der
Dialekte neben der des Hochdeutschen.
Frage Nr. 9 der Vorlage:
Ist auf gesetzliche Bestimmungen über den Umfang
der Schulen, die Classenzahl und die Classenfrequenz
Bedacht zu nehmen Eventl. welche
Bestimmungen würden in dieser Hinsicht zu
ttreffen sein? « ·
Der Referent über diesen Gegenstand, Schul R. Gandtner,
laubte die Progymnafien und höheren Bürgerschulen von der Besprechung
ausschließen zu sollen, da ihre gewöhnliche Einrichtung
zu besonderen Bemerkungen keinen Anlaß biete, zine Lerheblie Zunahme
ihrer Frequenz aber naturgemäß zur Umgestaltung in Gymnasien
oder Realschulen führe. -
Hihonsichtlich der Gymnasien und Realschulen war er mit Anderen
(Hofmann, Östendorf) der Ansicht, daß die Normen über den
Umfang der Schulen sowohl was die Classenzahl als auch was
sie Elaslenfreguen betrifft, im Wege der Gesetzgebung festzuen
seien.
Von einer Seite dagegen (Gallenkamp) glaubte man, daß
wefen des zulässigen Maximums der Classenzahl besser keine ge—
setzliche Bestimmung getroffen werde, da besondere Verhältnisse
Ausnahmen oft unerläßlich oder doch wünschenswerth machen
würden.
Für die höheren Unterrichtsanstalten sah der Referent die Zahl
9