62 „In der Politik Mut und Sieg identisch.“ Die Wochenblattspartei. Rudloff. Presse.
Mittel im Kampfe gegen die Revolution aller Schattirungen furchtlos zu handhaben; wenn
auf irgend einem Gebiete, so ist es auf dem der Politik, daß der Glaube handgreiflich Berge
versetzt, daß Muth und Sieg nicht im Causalzusammenhange, sondern identisch sind;
wenigstens für einen König von Preußen Gott sei Dank ist es noch so.
Die Bethmann-Goltzische Opposition und Zeitung³) wird, wenn sie wirklich ins Leben
tritt, ganz anders verlaufen, als die Herrn beabsichtigen; die Möglichkeit einer „conservativ-
oppositionellen“ Richtung beruht auf einer Täuschung; eine conservative Opposition
kann nur mit und durch den König geführt werden, indem S. M. ins Interesse gegen Ihre
eignen Minister gezogen werden, nicht durch öffentliche Blätter, sondern durch persönliche
Einwirkung am Hofe; jede andre hat bei uns keinen Boden, oder sie muß radikal werden.
und das werden diese Herrn mit ihrer „conservativen“ Opposition sehr bald „schaudernd
selbst erleben“; sie werden in den Ton der Cölnischen Zeitung, in den Ton des flachen Liberalismus
verfallen, oder an Langerweile, die sie Andern machen, sterben. Selbst das Junkerthum,
welches durch seine Verzweigung im Grundbesitz, im Heer, in der Bürokratie sehr
viel mächtiger ist, als diese rheinisch-conservativen Opponenten, kann einem entschlossenen
Ministerium gegenüber nur dann mit Erfolg opponiren, wenn es die Person des Königs für
sich hat; selbst dann, wenn die Junker durch wirkliche Rechtsverletzung und schweren materiellen
Schaden zu Einigkeit und Energie aufgestachelt werden. Die Regirungsgewalt ist
m. E. in Preußen, sobald nur Krone und Minister einig sind, stärker und fester als in
irgend einem Lande der Welt; so lange Sr. M. der Entschluß zum Befehlen nicht abgebt,
wird die Reigung zu gehorchen auch da sein, 1852 nicht weniger als heut. Auf die Gefahr
hin, von E. E. für einen constitutionellen Renegaten gehalten zu werden, erlaube ich mir
dabei zu bemerken, daß ich einen Gewaltschritt zur Beseitigung der Verfassung, einen formellen
Bruch derselben, nicht einmal wünsch enswerth, geschweige denn nothwendig halte,
so wie die Umstände jetzt liegen. Die Verfassung hat durch die Art, wie sie sich in den
letzten beiden Jahren ausgebildet und interpretirt hat, aufgehört, das Regiren an sich zu
hemmen, und wird mehr und mehr das Gefäß, dem erst die Persönlichkeiten, welche regiren,
den Inhalt verleihen. Ich setze dabei als unbestritten voraus, daß der angebliche
„Geist“ des constitutionellen Systems keine Verbindlichkeiten für das Gouvernement mit sich
bringt, letztres vielmehr nur solche Veränderungen des frühern Rechtszustandes anerkennt,
welche, nach stricter Auslegung der Verfassungs-Paragrapben, expressis verbis
und zweifellos in letztern ausgesprochen sind.
Auf das heut erhaltene geehrte Rescript⁴) in Preßangelegenheiten habe ich Rudloff
beauftragt, einen amtlichen Bericht zu entwerfen; für heut gestatte ich mir nur folgende g.
Bemerkung. Es ist unverkennbar, daß persönliche, aus ältern, mir nicht vollständig bekannten
Beziehungen berrührende Animositäten die Beziehungen zwischen Rudloff und der
Preußischen Zeitung erschweren. Ich habe ersterem heut den gemessenen Befehl ertheilt,
der Neuen Preußischen Zeitung keine Nachrichten zu geben, welche die Pr. Zeitung nicht
wenigstens Einen Tag früher gehabt hat. Auf der andern Seite scheint mir die Beschwerde
des Dr. Rutenberg vom 17. c. nicht frei von Gereiztheit, die nicht nothwendig
in der Sache ihr Motiv findet. Das hiesige Intelligenzblatt erhält von mir garkeine politischen
Mittheilungen, weil Zirndorfer mir nicht discret genug ist; Rudloff giebt ihm,
seiner Erklärung nach, nur das, was vorher an die „Reform“ geschrieben ist. Was etwa
³) Das Preußische Wochenblatt.
⁴) Erlaß vom 23. September 1851.