208 Die neuen Zollvereinsverträge. 1867
eben langsam vorwärts. Andrerseits sei er fest entschlossen,
sich jedem Schritte zu widersetzen, der die Erreichung des
Zieles verhindern könnte. Also werde Bayern keinen Südbund
unter dem Protectorate einer nichtdeutschen Macht
abschließen; ein solcher Bund sei heute einfach eine Unmöglichkeit.
Unthunlich sei auch ein süddeutscher Bund unter der
Führung Osterreichs, weil in dieser Monarchie jetzt die nichtdeutschen
Elemente überwiegen. Unthunlich sei überhaupt
die Bildung eines südwestdeutschen Bundesstaats, weil.
unzweifelhaft die Übereinstimmung der Regierungen und
Bevölkerungen dafür nicht zu erreichen sei, und weil ein
solcher Bundesstaat die Kluft zwischen dem Norden und dem
Süden noch erweitern würde. Jedoch isolirt könne Bayern,
ein Staat zweiten Ranges, nicht ohne Allianz mit einer
europäischen Großmacht bestehn, und die Großmacht, an die
es sich im Fall eines Krieges anzuschließen habe, sei Preußen.
Gegen bestimmte Gewähr für die Souveränität des Königs
bringe die Allianz es mit sich, daß im Kriege die bayerischen
Truppen unter preußischen Oberbefehl treten, und daß sie
schon im Frieden in einer Art und Weise organisirt werden,
die eine gemeinschaftliche Kriegführung ermöglicht. Die
Regierung bestrebe sich, für eine solche Organisation auch
die übrigen süddeutschen Staaten zu gewinnen. Als den
Abschluß ihrer Aufgabe betrachte sie aber die Anbahnung
eines Verfassungsbündnisses mit den übrigen Staaten Deutschlands,
sobald und soweit dies unter Wahrung der bayerischen
Souveränitätsrechte und der Unabhängigkeit des Landes
möglich sei. Sie wisse, daß kein Bundesverhältniß dem
nationalen Bedürfniß ohne Opfer der einzelnen Contrahenten
entsprechen könne. Sie werde die entgegenstehenden Hinder-