Mitte
Juli
29. Juli
336 Drittes Buch. V: Scheitern der Politik Friedrichs.
wägungen der Politik leiten zu lassen. Die Brust hob sich ihm in sehnsuchtsvollem
Ruhmesdurst, wenn er der Großtaten gedachte, die jetzt seine Freunde
und Gefährten in Italien vor den Augen ihres kaiserlichen Herren verrichteten.
Endlich litt es ihn nicht mehr daheim. Um Ostern zog er mit einer
Schar Krieger über den Julier- und Bernina-Paß nach Italien, übte in
Toskana einige Fürstenpflichten, vereinigte sich noch mit mehreren anderen
dem Kaiser zuziehenden Hilfstruppen und stieß endlich in der Nähe Roms zu
jenem. Friedrich lagerte sich mit seiner ganzen Macht vor dem vividarischen
Tore, und bald hatte er die ganze Stadt mit Ausnahme des Vatikans, des
Laterans und der festen Schlösser der stets papsttreuen Frangipani in seinen
Besitz gebracht. Vor allem wünschte Friedrich den gewöhnlichen Sitz der
Päpste, den Vatikan, mit der ältesten und vorzüglichsten Kirche Roms, der
Peterskirche, zu erobern. Diese waren aber stark befestigt und wurden von
den Römern und päpstlichen Söldnern, die sie besetzt hielten, mit der äußersten
Gewalt verteidigt, so daß der Kaiser eine regelmäßige Belagerung gegen
diese Ortlichkeit beginnen mußte. Acht Tage lang waren alle Bestürmungen
vergebens; da legten die Deutschen an die der Peterskirche nahe Marienkirche
Feuer, die Flamme sprang über, die Peterskirche geriet in Brand, einer
ihrer Türme stürzte krachend ein, Hitze und Rauch erfüllten bald alle Räume
der kleinen Festung und nötigten die mutigen Verteidiger, sich zu ergeben.
Ein im Sinne jener Zeit schrecklicher Frevel war verübt. Nicht nur die
heiligsten Gotteshäuser der ganzen Christenheit waren von verruchter Hand
niedergebrannt, auch zwei hochverehrte, reich verzierte und vergoldete Heiligenbilder
waren von dem sündhaften Feuer ergriffen. Solche Taten mußten
die Rache der Gottheit auf die schuldigen Urheber herabziehen. Gerade zu
dieser Zeit kehrte der alte Welf von seiner kurzen Pilgerfahrt zurück und traf
in Rom im kaiserlichen Lager ein. Wie mußte ihn alles, was er hier sah, in
Erstaunen, Schreck und Grimm versetzen! Der verhaßte Staufer hatte sein
Ziel erreicht, die Hauptstadt der Welt war in seinen Händen. Der Papst
dagegen, den er selbst seit fast zehn Jahren verehrt, war als halber Gefangener
im Lateran eingeschlossen, dessen Gegner, der verächtliche Paschal, im Begriffe,
zu triumphieren. Und zu diesen Ergebnissen, den schlimmsten, die für
Welf aus dem Römerzuge hatten erfolgen können, hatte sein eigener Sohn
beigetragen, dem er doch jede Teilnahme an dem Kampfe streng untersagt
hatte! Dazu also hatte er selbst sich durch kluge List entfernt und vielleicht
den Kaiser gegen sich erzürnt, damit sein Sohn alle seine Berechnungen zu
schanden mache, das erhöhe, was er selbst gestürzt, das stürze, was er selbst
erhöht zu sehen wünschte! Das erfüllte den leidenschaftlichen Alten mit wildem
Zorne. Er fluchte dem Kaiser, fluchte dem ganzen Heere, machte seinem
Sohn die bittersten Vorwürfe und eilte dann voll knirschenden Grimmes und
Kummers über die Alpen zurück.
Friedrich ließ den mürrischen Greis gern ziehen, brachte ihm doch jeder
Tag neue Triumphe. Er betrachtete Alexander schon sicher als seinen Ge-