Böhmer — Bonifacius.
bildeten die tschechischen Deputierten die
Rechte und stützten die Regierung im
Kampf gegen die Ungarn sowie nach Beendigung
der Revolution bei Begründung
des Absolutismus. Auf dem 1861 gewählten
böhmischen Landtag verschaße
sich die tschechische Partei das ÜUbergewicht
und setzte die Wahl ihrer Parteiführer in
den Reichstag durch, wo diese im Anschluß
an die Polen den zentralisierenden Plänen
Shmerlings entgegenarbeiteten. Ein Beschlutz
des Landtags von 1864 machte die
geisce Sprache auch für die deutschen
Mittelschulen obligatorisch. Das Tschechentum
fand kräftige Unterstützung beim feudalen
Adel und der katholischen Geistlichkeit.
Das föderalistische Programm, das
Belcredi nach dem Sturz merlings
1865 annahm, war ganz nach dem Sinn
der tschechischen Partei. Um so größer war
ihr Grimm, als 1867 unter Beust die
erfassung wiederhergestellt wurde. Jene
rächtesich durch Nichtbeschickung des Reichstags,
und ihre Führer traten mit ihren
panslawistischen Neigungen offen hervor.
Bei den Ausgleichsverhandlungen mit dem
Ministerium Hohenwart 1871 machten
die Tschechen in den -Fundamentalartikelne
so hohe Ansprüche, daß Hohenwart
fiel und die Einheit Osterreichs diesseit der
Leitha gerettet wurde. Auch neuerdings
beharren sie auf ihrer Forderung nationaler
Selbständigkeit und der Herstellung
der -Wenzelskrone. Doch hat sich die
tschechische Opposition in zwei Parteien
espalten, die mit dem Klerus und dem
del verbündeten feudal= ultramontanen
Alttschechen und die liberalen Jungtsche-Ern.
Die letztern protestieren gegen die
ithaltungspolitik der Alttschechen, deren
Abgeordnete weder im Reichstag noch
im Landtag erschienen, nachdem 1872 die
deutsche Partei die Majorität erlangthatte.
Erst 1879 sind die Alttschechen infolge der
Vermittelung des Ministers Taaffe wieder
in den Reichstag eingetreten und haben
sich der Partei der Rechten angeschlos
sen. Val. Palacky, Geschichte Böhmens
(1839—67, Bd. 1—5); Frind, Kirchen-&
chichte Böhmens (1862—78, Bd. 1—4):
lesinger, Geschichte Böhmens (2.
Aufl. 1870).
Deutsche Geschichte.
49
Böhmer, Johann Friedrich, deutscher
Geschichtsforscher, geb. 22. April 1795
Frankfurt a. M., studierte in Heidelerg
und Göttingen die Rechte, wandte
sich aber bald den geschichtlichen Studien
zu. Nach längerm ufenthalt in Italien
trat er 1822 in die Verwaltung des Städelschen
Kunstinstituts zu Frankfurt a. M.,
ward 1823 dem Freiherrn vom Stein bekannt
und von ihm für die Gesellschaft
für ältere deutsche Geschichtskunde gewonnen,
deren Mitdirektor er dann lange
Jahre gewesen ist. 1825 nahm er noch
eine Stellung am Archiv von Frankfurt
an und war 1830—62 Bibliothekar daselbst.
Da er ursprünglich die Herausgabe
der Kaiserurkunden für die „Monumenta
Germaniee bistorica“ übernommen
hatte, so machte er sich daran,
unächst die Regesten zu bearbeiten. Es erscheenen
die Nepesten der Könige und Kaiser
von 911—13131(1834), der Karolinger
(1833; n. Aufl., von Müblbacher 1880 begonnen),
Ludwigs des Bayern (1839) zalsdann
arbeitete er die Nepesien von 1198—
1313 um (1849 u. 1844); endlich veröffentlichte
er Wittelsbachische Regesten bis
1340 (1854). Nachdem er ein -Urkundenbuch
der Stadt Frankfurt- (1836, Teil 1)
begonnen, sammelte er in den -Fontes rerumgermanicarum
(1843—68, Bd.1—
4; Bd. 4 von A. Huber) Geschichtsquellen
des 12. und 13. Jahrh. B. starb 22. Okt.
1863 unvermählt. Aus seinem Nachlaß
erschienen namentlich die wertvollen - Acta
imperü selecta- (1866—68), herausgegeben
von J. Ficker. Dieser gibt seit 1879
auch die Kaiserregesten von 1198—1272
neu heraus. Seine kleinern Schriften und
Briefe, mit Biographie, gab sein Schüler
Janssen (1868, 3 Bde.) geraus
Bonifatius, der Heilige, Erzbischof
von Mainz, eigentlich Win fried,
eboren um 680 im südwestlichen Engand
aus edlem angelsächsischen Geschlecht
und im Benediktinerkloster zu Exeter erzogen,
predigte 716 in Friesland das
Christentum und ging 718 nach Rom, wo
ihm Papst Gregor II. Vollmacht zur Missionspredigt
in Deutschland gab. Nachdem
er in Frreland, dann in Hessen als
Missionär gewirkt, ließ er sich 723 in Rom
4