auf die preußischen Verschanzungen die Hand bieten; Butturlin wollte eine so
gefährliche Arbeit nicht wagen, trotz eines Versprechens, welches er während
eines muntern Gelages den Oestreichern gegeben hatte. Allein nun gebrach es
an dem Unterhalt, denn es wurde bald unmöglich, für eine so ungeheure Masse
die nöthigen Lebensbedürfnisse herbeizuschaffen. Die Noth in dem Hungerlager,
wie es auch die Preußen nannten, da sie nicht weniger als die Feinde
litten, wurde unerträglich, und Butturlin trat seinen Rückzug an. In Folge
dessen zog sich auch Laudon, welcher allein dem Könige gegenüber sich keinem
Unfall aussetzen wollte, in die Gebirge zurück, und die preußischen Truppen
waren für die unsäglichen Leiden, welche sie vom 20. August bis zum 15. September
standhaft ertragen hatten, belohnt; denn die Folgen derselben waren
nicht geringer, als die einer gewonnenen Schlacht.
Kaum aber sah sich Friedrich II. aus seiner gezwungenen Stellung erlöst,
so begann auch wieder die rüstigste Entwickelung seiner Thatkraft. General
Platen eilte mit 7000 Mann auf seinen Befehl über die Oder und bedrohte
die Verbindungslinie der Russen nach Polen hin. Mehrere Magazine wurden
zerstört und Vorrathszüge weggenommen, und Butturlin hierdurch in solche
Besorgniß für die Unterhaltung seines Heeres versetzt, daß er mit dem gräößten
Theile desselben ebenfalls über den Strom zurückging; nur Ceernischef mit
20,000 Russen blieb bei Laudon zurück.
Friedrich hätte seinen Gegner gern zu einer offenen Schlacht vermocht,
obgleich derselbe mit dem russischen Hülfsheer fast doppelt so stark war. Ebensowenig
konnte er ihn durch drohende Märsche nach Böhmen hineintreiben. Da
die Verpflegung des Heeres um Schweidnitz zu schwierig wurde, ging Friedrich
einige Tagemärsche gegen Reisse zu. Diesen Augenblick benutzte Laudon zu
einer kühnen Unternehmung auf den von dem Könige so eben verlassenen Punkt.
Die Besatzung von Schweidnitz war nicht nur von geringer Zahl, sondern bestand
zum großen Theil aus Ueberläufern und sonst unzuverlässigen Truppen,
weil der König alles von Streitkräften, was einigermaßen sein Vertrauen
erweckte, bei dem großen Mangel an Ersatzmannschaft, in seine Feldregimenter
nehmen mußte; auch fehlte es ganz besonders an Artilleristen, ein böser Umstand,
da gerade in der guten Bedienung des Geschützes die Hauptstärke der Belagerten
besteht. Ueberdies hatte Laudon Einverständnisse mit kriegsgefangenen
Oestreichern in der Stadt. In Erwägung dieser Verhältnisse hielt Laudon einen
kühnen Handstreich für ausführbar, und wagte ihn in der Nacht des 1. Octobers.
General-Major von Zastrow, der Commandant des Platzes, wurde von seinem
schlauen Gegner, der Alles in der größten Stille zu dem Sturme vorbereitet
hatte, vollkommen überrascht. Zwar versuchte er noch durch verzweifelte
Gegenwehr den eindringenden Feind zurückzuwerfen; doch war die zu späte
Anstrengung vergebens, der Theil der Besatzung, welche den Kampf überlebt
hatte, wurde kriegsgefangen, und ein wichtiger Punkt, der den Eingang in des
Königs Länder von Böhmen aus deckte, befand sich wieder in den Händen