Full text : Preußische Geschichte. Zweiter Band. (2)

III.  Der  siegreiche  Schwedenkrieg.  231
Vandalenkönigs“  an  der  Ostsee  fürchteten  die  Habsburger  um
den  Frieden,  später  um  die  leitende  Stellung  im  Reiche  zu
kommen.  So  bot  der  Kaiser  in  eben  den  Tagen,  wo  in
Regensburg  endlich  der  Reichskrieg  gegen  Schweden  beschlossen
wurde,  diesem  die  Rückgabe  Pommerns  an,  wenn  Frankreich
seine  belgischen  Eroberungen  Spanien  herausgeben  würde.  Auch
die  militärische  Lage  des  Kurfürsten  verschlechterte  sich.  Würden
seine  Mittel  ausreichen,  Pommern  vollends  zu  erobern  und  zu
behaupten?  Vergeblich  hatte  er  von  Spanien  wenigstens  eine
Abschlagszahlung  auf  die  rückständigen  Subsidien  gefordert.
Seine  Lande  vermochten  kaum  noch  etwas  aufzubringen:  die
Mark  war  durch  die  Schweden,  Cleve  durch  die  Franzosen  verwüstet,
  Preußen  von  den  Polen  bedroht  und  in  Pommern
fiel  der  Unterhalt  der  Einwohner  bereits  zum  Teil  dem  Kurfürsten
  zur  Last.  Obenein  war  er  infolge  der  langen  Dauer
der  Belagerung  von  Stettin  bei  der  Verteilung  der  Winteruartiere
  zu  spät  gekommen.  Zu  dem  eine  Zeitlang  gefürchteten
schwedisch-niederländischen  Sonderfrieden  kam  es  zwar  nicht:
aber  direkt  mit  Frankreich  vereinbarten  die  Generalstaaten  die
Rückgabe  Pommerns  an  Schweden.  Wohl  stemmte  sich  Oranien
dagegen  und  drang  in  den  Kurfürsten,  daß  er  nach  dem  niederrheinischen
  Kriegsschauplatz  eile.  Dazu  aber  reichten  dessen
Kräfte  nicht  mehr  aus:  keine  600  Pferde  erklärte  er  im  Jannar
  1678  mehr  aufbringen  zu  können;  von  seiner  Infanterie
waren  vor  Stettin  kaum  noch  5000  Mann  übrig,  und  die
drei  besten  Regimenter  mußten  als  Besatzung  dort  bleiben.
Die  von  ihm  geforderte  neue  Entsendung  der  niederländischen
Flotte  nach  der  Ostsee  hinderte  die  Ebbe  in  der  Kasse  der  Republik.
  Der  Separatfriede  war  unabwendbar,  mochten  Brandenburg
  und  Dänemark  auch  erklären,  allein  fortkämpfen  zu  wollen.
In  heftigen  Worten  ergoß  sich  des  Kurfürsten  Unwillen  gegen
Oranien:  alle  Welt  sei  bestürzt  durch  die  unbegreifliche  Uebercilung
  der  Republik,  welche  die  von  allen  Verbündeten  verworfenen
  Vorschläge  nun  annehme;  er  erinnerte  an  die  Dienste,
die  er  ihr  wiederholt  geleistet  und  die  bei  der  Nachwelt  unvergessen
  bleiben  würden;  niemand  mehr  würde  ihr  trauen,
mit  ihr  sich  verbinden;  er  berene,  auf  die  lockenden  Anträge