68 Fünftes Kapitel.
bestimmte den Kaiser Alexander am 17. Oktober 1811, eine Konvention
zu unterzeichnen, durch welche die Gemeinsamkeit der kriegerischen Aktion
Dreußens und Rußlands geregelt wurde. Aber wie die Lage Hreußens
war, glaubte der König, auch Ssterreichs sich versichern zu müssen. Auch
nach Wien wurde daher ganz in der Stille Scharnhorst gesandt. Indes
in Wien wehte die Luft anders: den Kaiser Franz bekam Scharnhorst
gar nicht zu sehen, und Mietternich erklärte dem preußischen Abgesandten,
daß Esterreich zur Seit völlig außer stande wäre, Hreußen Hilfe zu gewähren.
Es war also klar, daß Esterreich sich auf die Seite Frankreichs
zu stellen gedachte: und von Esterreich her konnte Hreußen in einem
Anlauf überrannt werden, bevor noch ein russischer Soldat die Grenze
erreichte. Daher glaubte König Friedrich wilhelm sich der Übermacht
Frankreichs nicht entzieben zu können und unterzeichnete mit schwerem
Herzen am 5. März 1812 den Bündnis-Dertrag mit Frankreich. Die
Kriegsbedürfnisse, die Oferde, die Lebensmittel, die mit jahrelangem Eifer
für den erhofften Befreiungskampf angesammelt waren, fielen jetzt
Tapoleon zur Derlängerung der herabwürdigenden Gewaltherrschaft zu;
Lieferungen von ungebeurem Umfange wurden neben allen Requisitionen
Hreußen auferlegt. zede Aushebung, jede Truppenansammlung, jede
Annäherung an die französischen Operationslinien wurde Hreußen verboten.
Die eine Rälfte des preußischen Heeres, 20000 Mann mit 60
Kanonen, sollte Aapoleon gegen Rußland HBeeresfolge leisten; die andere
wurde in bestimmte Garnisonen eingeschlossen. Ganz unbestimmt war
eine Bezahlung der Lieferungen sowie eine Landentschädigung für Hreußen
in Aussicht gestellt: aber wer konnte von Napoleon Dertragstreue erwarten?
Dem Könige war der Dertrag in tiefster Seele verhaßt: aber er
hielt ihn für unausweichlich. Mit Unmut sah er es daher, daß etwa
60 jüngere Offiziere — nicht 500, wie man erzählt hat — um ihren
Abschied einkamen, da sie nicht für Krankreich die Waffen führen wollten.
Und schmerzlich berührte es ihn, daß Mapoleon das preußische Kontingent
nicht, wie es doch der König gewünscht hatte, ungeteilt ließ: ein Teil
der Reiterei wurde Murat überwiesen und die übrigen unter dem Befehle
des Generals von Grawert dem Corps Macdonalds zugeteilt.
Grawert zwar war ein entschiedener Franzosenfreund; aber Scharnhorst
sette es durch, daß als Stellvertreter General von Nork ihm beigegeben
wurde, ein Mann von warmem Hatriotismus und unzweifelhafter
Königstreue.
In Dresden wollte Napoleon mit seiner Gemahlin, der österreichischen
Kaisertochter, die letzte Antwort Rußlands abwarten. Ihm zu huldigen,