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einexerziert, schon öfter, ja hundertmal aus der Pistole geschossen
und gut gezielt, aber der ‚Kerl‘ habe eine Bewegung gemacht,
und so habe er ihn verfehlt. Er fühle nicht die geringste Reue
über seine Tat und sei auch bei der Ausübung nicht im mindesten
erregt gewesen. Ob er einen Kopf kürzer gemacht werde oder ins
Zuchthaus komme, sei ihm gleich. Er hätte es ausgeführt, auch
wenn ein Gendarm in Uniform dabeigestanden wäre. Als Beweggrund
gab er auch dem Untersuchungsrichter an, daß ihn die
Kirchengesetze und auch die Einsperrung der
Bischöfe so tief gekränkt hätten.
Hatte Kullmann keinen Komplizen und sich selbst eingeredet
gehabt, die Mordtat aus eigenstem Antriebe unternommen
zu haben, so änderte dies nichts an dem Tatbestand, daß er in
keiner Weise befähigt war, die Kirchengesetze, um deren Willen
er den Reichskanzler unbedingt erschießen wollte, zu beurteilen.
Bis zu seinem Verkehr im ‚‚katholischen‘‘ Männerverein zu
Salzwedel war er kirchlich so indifferent gewesen, daß er nicht
einmal seine Osterbeichte abzulegen pflegte, er sich um die Kirche
überhaupt nicht gekümmert hatte. Auf einmal begann er, sich
für Pfarrer Störmann zu begeistern, ein eifriger Kirchgänger zu
werden, die ‚gut‘ katholischen Blätter zu verschlingen und gegen
den vermeintlichen Urheber der Kirchengesetze zu toben! Je
ungebildeter, je roher er war, um so klarer nur tritt zutage, wie
die Einwirkung, die er im „katholischen Männerverein‘ durch
das Lesen der Kaplanpresse empfangen hatte, ihm die Mordtat
eingegeben hatte, die bei ihm, in einer Art religiösem Wahnsinn,
zur fixen Idee geworden war. Damit war die geistige Urheberschaft
wahrlich klar genug gegeben.
Die ‚gut‘ römisch-katholische Presse ließ kein jesuitisches
Mannöver unversucht, um den Eindruck der Mordtat abzuschwächen.
Die Berliner ‚„Germania‘‘, das Hauptorgan der Rörnlinge,
drehte den Spieß dreist um. ‚‚Fürst Bismarck könne sich
nicht wundern, wenn der Unwille sich in dem einen oder anderen
Kopfe zum Plan einer verbrecherischen Gewalttat verdichte.‘“
Nicht lange und die Kaplanpresse brachte es fertig, den Ernst des
Attentats in Frage zu stellen, dasselbe als eine ‚„Polizeikomödie“
darzustellen, in Szene gesetzt, um die Popularität Bismarcks aufzufrischen!
Es fehlte nicht viel, und der Vorfall wäre, wie im
Falle Emil Westerwelle, ins Lächerliche gezogen worden. Noch
in seiner Geschichtsdarstellung (1886) weiß ein Paul Majunke