Die Sesfion 1880. 147
Quittungen, Checks, Lotterieloose und Urkunden über Lombarddarlehen.
Aber als wenn damit noch nicht genug Opposition wachgerufen
wäre, so wurde auch noch eine Vorlage gemacht zur Abänderung
der Verfassung behufs Festsetzung des Etats jedesmal
für die Dauer von zwei Jahren und behufs Verlängerung der
Wahlperioden.
Die „Goune für den Walsisch“.
Wie in der vorigen Session das „Maulkorbgesetz“, so machte
auch in dieser Session diese Vorlage zur Abänderung der Verfassung
den Eindruck der Tonne, die den Walfisch beschäftigen sollte,
während seine Aufmerksamkeit anderen ihm drohenden Gefahren
sonst allein zugewendet sein würde.
Die Vorlage forderte eine Abänderung der Verfassung dahin,
daß die Berufung des Reichstags künftig nicht alljährlich,
sondern nur mindestens alle zwei Jahre stattfinden solle;
die Legislaturperiode des Reichstags sollte vier Jahre
dauern; der Etat sollte zwar für jedes Jahr veranschlagt, aber
für einen Zeitraum von zwei Jahren festgestellt werden. Nach
dieser Verfassungsänderung also sollte die Regierung der Notwendigkeit
überhoben sein, den Reichstag alljährlich zu berufen.
Jedenfalls sollte eine Etatsberatung nur im zweiten Jahre stattfinden,
um die an die Etatsberatung geknüpfte Kritik der einzelnen
Ressorts der Reichsverwaltung einzuschränken.
Die Vorlage war seitens des Fürsten Bismarck bereits zu
Ausgang der Session 1879 vorbereitet worden. Am 9. Dezember 1882
war Finanzminister Scholz gegenüber einer nationalliberalen Opposition
so boshaft, im Reichstage durch Verlesung des Protokolls
des Staatsministeriums zu enthüllen, daß sein damaliger Vorgesetzter,
Minister Hobrecht, sich im Frühjahr 1879 im Prinzip
für solche Verfassungsänderung erklärt und dieselbe nur zur Zeit,
bis zur größeren Konsolidierung der Finanzverhältnisse, für unzweckmäßig
erklärt hatte.
In der Session 1880 kam diese Vorlage nicht einmal zur
ersten Lesung. Gegen diese Verfassungsvorlage durfte der Nationalliberalismus
sich um so tapferer gebärden, wenn er nur gleichzeitig die
Militärvorlage annahm. Diejenigen, welche demnächst dem neuen
Septennat zustimmten, konnten sich alsdann darauf berufen, daß sie an
anderer Stelle um so mannhafter die Verfassung verteidigt hätten.
Seltsamerweise wurde eine Beratung der Vorlage im Reichstag
in dieser Session von keiner Seite auch nur angeregt, und Fürft
Bismarck ergab sich zunächst in diese Situation, indem er bei
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