Contents : Preußische Geschichte. Vierter Band. (4)

I.  Die  Erhebung  von  Heer  und  Volt.  3

zosen  die  Swine  überschritten,  als  der  Vertrag  vom  24.  Februar
alles  friedlich  wandte.

Nun  wurde  York,  weil  „die  gegenwärtigen  Umstände  ihn
darin  zu  belassen  nicht  gestatteten“,  im  April  des  Gouverne—
ments  enthoben.  Jene  Vollmacht  gab  er  zurück.  Auf  Empfehlung
  Scharnhorsts  wurde  er  zum  zweiten  Befehlshaber  des  nach
Rußland  bestimmten  Corps  designiert.  Sollte  er  jene  Fäden
wieder  aufnehmen?  „Politische  Winke“  Hardenbergs  verrieten,
wenn  nicht  Einverständnis  mit  Rußland,  so  doch  Kenntnis
seiner  Pläne  und  den  Wunsch,  sich  ihnen  anzupassen.  Aehnliches
kam  von  anderer  Seite.  York  bat,  so  wichtige  Befehle  möge
der  König  geruhen,  ihm  selbst  zu  geben.  Was  unmittelbar
das  Armeekommando  und  die  Kriegsvorbereitungen  betraf,  auch
die  Disposition  über  die  Festungen  entzog  man  ihm.  Geschah
das,  weil  oder  obgleich  er  eben  einen  Versuch  der  Franzosen
auf  Pillau  vereitelt  hatte?  Im  Befehl  über  das  Hilfscorps
mußte  er  Grawert  nachstehen.  Den  wünschte  Napoleon:  so
sah  man  über  Alter  und  Kränklichkeit  hinweg.  Oder  wollte
man  nur  auf  einem  Umwege  doch  York  in  das  Kommando
bringen?  Seit  dem  13.  August  hat  er  es  statt  des  leidenden
Grawert  geführt.

Die  20  000  Mann  und  60  Geschütze  sollten  möglichst  beisammen
  bleiben  und  zunächst  die  preußische  Grenze  decken.
Nur  drei  Reiterregimenter  wurden  abgegeben.  Das  Gros  gehörte
  als  27.  Division  zu  dem  10.  Corps  der  Großen  Armce
unter  Macdonald.  Aus  Teilen  fast  aller  Regimenter  zusammengesetzt,
  stellte  es  gewissermaßen  die  Armee  in  ihrer  neuen  Einteilung
  und  Ausbildung  dar:  in  ihm  sollte  sie  ihre  erste  Feuerprobe
  bestehen.  Frankreich  zu  dienen  kam  den  Truppen  freilich
hart  an:  daß  sie  ihre  Pflicht  thaten,  bewies  ihren  militärischen
Geist.  Aber  schweigend  standen  sie  am  20.  Juni  bei  Insterburg
  vor  dem  Kaiser  in  Parade,  schwiegen  bei  seinem  Lob,
das  sie  seinen  Garden  als  Muster  hinstellte.  Beim  Ueberschreiten
  der  Grenze  dagegen  (28.  Juni)  hielt  der  sonst  so
wortkarge  York  eine  Ansprache,  die  der  französischen  Waffengenossenschaft
  nicht  gedachte  und  mit  einem  jubelnd  aufgenommenen
  Hoch  allein  auf  den  König  schloß.  Wie  hätten  sie  auch