4. Kapitel. Der juristische Geldbegriff. $& 7. 301
das nicht auf irgend einem Rechtssatze über die Tauschmittelfunktion
des Geldes, sondern entweder darauf, daß die tatsächlich benutzten
Tauschmittel in der Rechtsordnung als Geld im allgemeinrechtlichen
Sinne anerkannt und eventuell ausdrücklich mit einer juristisch in
Betracht kommenden Geldfunktion (z. B. als gesetzliches Zahlungs:
mittel) ausgestattet werden, oder darauf, daß bestimmte Objekte infolge
der ihnen verliehenen rechtlichen Funktionen auch als Tauschmittel-
tatsächlichen Eingang finden. Geld als Gegenleistung (als
Tauschmittel im weitesten Sinne) ist nach unseren deutschen Gesetzen
wohl nur in einem Falle ausdrücklich vorgeschrieben: nach $ 115
der Gewerbeordnung haben die Gewerbetreibenden (bei Vermeidung
einer Geldstrafe bis zu 2000 Mark, im Unvermögensfalle einer Gefängnistrafe
bis zu 6 Monaten) die Löhne ihrer Arbeiter „bar in
Reichswährung auszuzahlen“. Wir befinden uns hier auf dem Gebiete
des Arbeiterschutzes, auf welchem .die Vertragsfreiheit aus sozialpolitischen
Gründen auch nach anderen Richtungen hin ausnahnısweise
Einschränkungen erfahren hat. Übrigens handelt es sich dabei nicht
mehr um einen Kauf- oder Tauschvertrag in rechtlichem Sinne,
sondern um einen Dienstvertrag.
Ebensowenig wie der Staat in der Lage ist, ein Tauschniittel
zum „gesetzlichen Tauschmittel“ zu machen, vermag er Vorschriften
über das Geld als Mittel: des Kapitalverkehrs zu erlassen. Auch
hier ist der Natur der Sache nach für den Gegenstand, in welchem
die Kapitalübertragung erfolgt, einzig und allein entscheidend der
Wille der vertragschließenden Parteien.
Dagegen ist die dritte Teilfunktion des Geldes, die Funktion
als Zahlungsmittel, offenbar von ganz eminenter Wichtigkeit für die
rechtliche Bedeutung des Geldes. Im Gegensatz zum Tausche und zu
der Kapitalübertragung bieten die Zahlungsvorgänge der Gesetzgebung
in weitem Umfange die Möglichkeit, den Gebrauch bestimmter
Sachen, welche als Geld verwendet werden sollen, bindend vorzuschreiben.
Die Möglichkeit liegt am deutlichsten auf der Hand bei
allen jenen einseitigen Übertragungen, die vom Staate und seinen
Gerichten den Individuen zwingend auferlegt werden. Eine freie
Parteiverabredung kommt hier nicht in Betracht, sondern nur der
Wille des Gesetzgebers, der sich hier völlig ungehindert durchzusetzen
vermag. Bei der Festsetzung von Steuern und Abgaben ist der
Staat in der Lage, nicht nur die Höhe des Betrags, sondern auch
die Art der Zahlungsmittel vorzuschreiben. Ebenso kann die Gesetzgebung
für wichtige Kategorien vermögensrechtlicher Leistungen, die
durch richterlichen Spruch aufzuerlegen sind, die Festsetzung der
Leistung in Geld anordnen; die wichtigsten Fälle dieser Art, Schadenersatz,
Unvermögen zur Erfüllung der eigentlich geschuldeten