es dem letzten Besuch des Kaisers in England und der allgemeinen
Haltung der deutschen Regierung zu verdanken habe, wenn England
ein fremder Interventionsversuch erspart geblieben sei. Daß
ein solcher Versuch und auch nur eine Vermittelung von England
abgelehnt worden wäre, stand von vornherein fest. Ein gefälliges
Anerbieten des Washingtoner Kabinetts hatte früher schon der
Londoner Regierung erwünschte Gelegenheit gegeben, aller Welt zu
verkünden, daß England kraft seiner Souveränitätsrechte über
Transvaal keinen Einmischungsversuch zulassen werde. Die Außerung
des Prinzen von Wales stützte sich neben den Erklärungen,
die der Botschafter Sir Frank Lascelles alsbald nach Kriegsbeginn
in Berlin erhalten hatte, auch auf den Briefwechsel, den der Kaiser
nach seinem letzten Besuch in England mit seiner Großmutter,
der Königin, und dem Prinzen von Wales unterhielt.
Das war aber nicht, wie allgemein angenommen wird, die
einzige russische Anregung zu einer Vermittelung. Eine zweite
folgte ini Oktober 1901. Der russische Geschäftsträger übergab
dem Staatssekretär Freiherrn von Richthofen eine Aufzeichnung,
die in sehr vorsichtigen Wendungen wieder den Gedanken einer
Vermittelung in der südafrikanischen Frage behandelte. Einen
anderen Auftrag als den, die Auffassung der deutschen Regierung
zu erkunden, hatte der Geschäftsträger nicht. Was konnte der
taktische Zweck dieses Schrittes sein? Holstein schöpfte den Verdacht,
daß die russische Regierung versuchen wollte, ein Druckmittel
auf England in ihren asiatischen Streitigkeiten zu erlangen.
An solchen fehlte es ja nicht. In der Mandschurei deckten sich die
Handlungen russischer Befehlshaber nicht mit den nach den Boxerwirren
abgegebenen russischen Regierungserklärungen. In Mittelasien
war Rußland bei der vom Kriegsminister Kuropatkin geleiteten
sog. Probemobilmachung kaukasischer Truppen bis zu dem
befestigten Posten Kuschk, gegen über von Herat, vorgestoßen. Mit
Hilfe einer Anleihe sollte sich der russische Einfluß in Persien ausdehnen.
Eine frenndliche deutsche Antwort auf die russische Anfrage
hätte daher wohl dazu dienen können, England, dessen Hauptsorge
noch immer die völlige Unterwerfung der Buren war, nachgiebiger
in den asiatischen Fragen zu machen. Bülow schloß sich
dieser Ansicht an. Die Antwort auf die russische Anfrage be-59