Full text : Hermann Stegemanns Geschichte des Krieges. Dritter Band. (3)

Der  Kampf  bei  Sid  ul  Bachr,  Kap  Helles  und  Ari  Vurnu  525

einfiel,  ließ  er  die  Feldartillerie  spielen,  nahm  die  zurückverlegten  englischen
Linien  und  Eski  Hissarlik  unter  heftiges  Feuer  und  ging  um  10  Uhr  zum
Angriff  über.  Seine  Bataillone  brachen  gegen  Esli  Hissarlik  vor,  gerieten
  aber  ins  Licht  der  Scheinwerfer,  die  von  den  Gefechesmasten  der
Kriegsschiffe  bligten,  und  trafen  auf  der  Höhe  von  Hissarlik  auf  die  South
Wales  Borderers,  die  sich  mit  Drahthindernissen  umgürtet  hatten  und
weder  schrecken  noch  werfen  ließen.  Nur  im  Jentrum,  an  der  Straße  Sid
ul  Bachr,  drang  der  Angriff  durch  und  in  die  Ruinen  des  Schlosses  ein,
wo  d  Amades  Legionäre,  um  ihre  Fahne  geballt,  sich  wehrten,  bis  der
Angreifer  von  ihnen  abließ  und  im  Dunkel  verschwand.

Marschall  Liman  von  Sanders  halte  die  Kämpfe  von  der  Höhe  von  Krithia
verfolgt.  Als  der  Nachtangriff  mit  einem  halben  Erfolg  endete,  kehrte  er  ins
Hauptquartier  zurick,  um  Verstärkungen  auszubieten  und  die  rückwärtigen  Verbindungen
  seiner  ungedeckt  fechtenden  Divisionen  zu  sichern.  Das  Schlachtseld
  hüllte  sich  in  Dunkel,  aber  auf  dem  Meere  blinkten  Tausende  unabgeblendetler
  Lichter  —  die  Flotte,  die  keinen  Feind  zu  scheuen  hatte  —,  und
in  der  Meerenge  brannte  Maidos  mit  heller  Flamme  und  übergoß  die  Ufer
und  die  Wasser  des  Hellespont  von  Tschanak  bis  Nagara  mit  purpurner  Glut.

Der  Kampf  beginnt  zu  erstarren.  Hamillon  rüstet  unverzagt  zu  neuen
Stürmen,  wird  aber  von  Sodenstern  so  in  uruhe  und  Atem  gehalten,  daß  er
nicht  sofort  dazu  kommt,  den  Augriff  zu  erneuern.  Als  die  Franzosen  in  der
Dacht  auf  den  1.  Mai  wiederum  angefallen,  Senegalschützen  und  Zuaven  von
den  Anatoliern  in  den  Silberdisteln  des  Kerevisderetals  zu  Hunderten  erstochen
werden,  Hamilktons  Flanke  dadurch  abermals  in  Gefahr  gerät  und  britische
Marineinfanterie  die  Lage  um  hohen  reis  wiederherstellen  muß,  entstehen
tiefgehende  Verstimmungen  zwischen  d  Amade  und  Sir  Jau.  Die  französische
Regierung  sieht  sich  veranlaßt,  d  Amade  abzurufen,  der  sich  dem  britischen
Oberbefehl  von  Anfang  umvillig  gefügt  hat,  und  sendet  General  Gouraud
mit  Verstärkungen  nach  den  Dardanellen.  Auch  auf  türlischer  Seite  findee
ein  Wechsel  statt.  Liman  rust  Weber-Pascha  von  Cschanak  Kale  nach
Gallipoli  und  überträge  ihm  die  Verkeidigung  der  Südfront,  wo  jetzt  mehr
als  drei  Divisionen  im  Kampf  stehen.

Erst  am  5.  Mai  ist  Hamiston  wieder  zum  allgemeinen  Vorsloß  bereit.
Er  gibt  Befehl,  Krithia  und  Eltschi  Tepe  noch  einmal  mit  verstärkten  Kräften
anzugreifen,  zieht  die  29.  Division  nach  links  zusammen,  gliedert  ihr  die
Neuseeländerbrigade  an  und  stellt  d  Amade  —  General  Gouraud  krifft
erstam  13.  Mai  ein  —  die  2.  Seebrigade  zur  Verfügung,  um  am  Kerevisdere
festen  Fuß  zu  fassen.  Nach  heftigster  Beschießung  der  türkischen  Gräben
durch  Marinegeschüße,  schwere  Artillerie  und  Minenwerfer  gehen  Eng.
länder  und  Franzosen  gegen  die  Linie  der  9.,  11.  und  4.  Division  vor.  Der
Aulauf  endet  am  7.  Malin  den  ersten  türkischen  Gräben,  wo  er  im  Maschinengewebrfeuer
  deuescher  Marineabteilungen  und  an  der  Standfestigkeit  der