II. Strafgesetzbuch 8 167. 85
andere mit Korporationsrechten innerhalb des Bundesgebietes
bestehende Religionsgesellschaft oder ihre Einrichtungen und
Gebräuche beschimpft, ingleichen wer in einer Kirche oder in
einem anderen zu religiösen Versammlungen bestimmten Orte
beschimpfenden Unfug verübt, wird mit Gefängniß bis zu drei
Jahren bestraft.
§ 167. (Landg.) Wer durch eine Thätlichkeit oder Drohung
Jemand hindert, den Gottesdienst einer im Staate bestehenden
Religionsgesellschaft auszuüben, ingleichen wer in einer Kirche
oder in einem anderen zu religiösen Versammlungen bestimmten
13. Dez. 79 R. 1. 144. Die Beschimpfung Luthers kann als solche der
evangel. Kirche angesehen werden: 8. Nov. 83 E. 9. 158; R. 5. 676. Die
10 Gebote stellen keine Einrichtung dar: 4. Febr. 95 E. 26. 435. Die
päpstl. Unfehlbarkeit ist eine Lehre der kath. Kirche: 1. Dez. 94 E. 26.
294. Ueber Angriffe gegen die Lehren der Bibel: 12. Nov. 85 R. 7. 659.
2) Herabwürdigende Aeußerungen sind nicht Lästerungen,
solche bekunden Verachtung: 13. Dez. 79 R. 1. 144. Beschimpfung
erfordert den Ausdruck der Mißachtung in besonders verletzender roher
Form: 8. Juni 95 E. 27. 284; Frivolität genügt nicht: 21. Febr. 84
E. 10. 146; allein auch ohne Gebrauch einer rohen Form kann die Beschimpfung
im Inhalt liegen, wenn die behauptete oder verbreitete Thatsache
an sich schimpflicher Art ist: 2. Juni 96 E. 28. 403. Beschimpfender
Unfug durch Beischlaf auf einem Friedhof: 27. März 85 R. 7. 196;
Ausrufung von Verwünschungen: 9. Mai 92 E. 23. 103. Oeffentlich,
wenn die Aeußerung von unbestimmt welchen und wie vielen Personen gehört
werden konnte, z. B. auch in einem, nur den Arbeitern zugänglichen
Fabrikraum: 23. Nov. 91 E. 22. 241; dagegen nicht in einer nur Lehrer
und Schülern zugänglichen Schule: 24. Febr. 87 R. 9. 151. 23. Sept.
87 R. 9. 464.
3) Subj. Erforderniß: das Bewußtsein, daß die Handlung an
einem der bezeichneten Orten vorgenommen und das religiöse Gefühl
Anderer zu verletzen geeignet ist. Beweggrund gleichgültig: 9. Mai 92
E. 23. 103. Der Glaube an die Wahrheit der Beschimpfung kann nur
für die Beurtheilung des Bewußtseins von dem beschimpfenden Charakter
der Aeußerung in Betracht kommen: 2. Juni 96 E. 28. 403.
§ 167. Vgl. 8 339. Zu den gottesdienstlichen Verrichtungen gehört
auch eine kirchliche Bestattung: 14. Juni 95 E. 27. 296. Die Störung
braucht nicht in der Kirche rc. verübt zu sein: 23. Febr. 81 E. 3. 397;
R. 3. 70. 8. Dez 81 E. 5. 258; auch nicht gerade während eines Aktes
des Geistlichen: 17. Jan. 84 E. 10. 42. Störung durch Lärm genügt:
19. April 88 E. 17. 316; R. 10. 307. Verhinderung liegt auch in
der Unmöglichkeit rechtzeitigen Beginnens: 3. März 87 R. 9. 169. —
Straßen, durch welche die übliche Prozession zieht, sind nicht zu religiösen