Volltext : Heinrich der Löwe Herzog von Bayern und Sachsen.

334  Drittes  Buch.  V:  Scheitern  der  Politik  Friedrichs.

Es  war  von  vornherein  klar,  daß  die  letztere  Klausel  nur  ein  Schein  war,
um  dem  Bündnis  den  Anstrich  des  Gesetzlichen  zu  geben.  Das  wahre  Gesetz
waren  noch  die  Bestimmungen  von  Roncaglia,  die  von  allen  lombardischen
Städten  beschworen  worden").  Freilich  war  dies  damals  zu  einer  für  die
Lombarden  sehr  unglücklichen  Zeit  geschehen;  freilich  hatte  auch  der  Kaiser
die  ihm  durch  jene  Konstitutionen  zugewiesenen  Befugnisse  weit  überschritten:
dennoch  waren  diese  letzten  Maßnahmen  der  Lombarden  nur  durch  die  Notwehr
  zu  entschuldigen  und  keineswegs  gesetzlich.  Denn  kaum  hatte  sich  der
Bund  auf  das  schnellste  vergrößert,  als  die  vereinigten  Städte  an  einem  vorher
  gemeinschaftlich  festgesetzten  Tage  überall  die  kaiserlichen  Statthalter  vertrieben
  und  dann  den  Beschluß  faßten,  Mailand  wieder  zu  erbauen.  Anfangs
  zagten  die  Mauländer  selbst  über  diese  Kühnheit  und  fürchteten  jeden
Augenblick,  die  Paveser  mit  Schwert  und  Brandfackel  über  sich  einstürmen
zu  sehen.  Aber  während  die  schwache  kaiserliche  Partei  in  der  Lombordei
aus  Bestürzung  und  Mißtrauen  gegen  ihre  eigenen  Mitglieder  nicht  zu  handeln
  wagte,  waren  die  Freiheitsmänner  um  so  energischer.  Jetzt  rächte  sich
die  Unklugheit  bitter,  daß  der  Kaiser  vor  fünf  Jahren  nicht  Mailands  Einwohner
  weit  von  ihrer  alten  Heimat  —  im  südlichen  Mittelitalien  oder  auch
in  Deutschland  —  angesiedelt  hatte.  Bald  nacheinander  trafen  aus  Bergamo,
aus  Cremona,  aus  Brescia  die  Streithaufen  ein  und  führten  die  Moiländer  in

27.  April  ihre  öde  Vaterstadt  zurück.  Mit  fröhlichem  Eifer  arbeiteten  alle  an  der  Wiederherstellung
  der  Gräben,  Mauern  und  Türme,  um  die  Stadt  von  neuem  verteidigungsfähig
  zu  machen.  Und  kaum  war  dieses  kriegerische  Werk  einigermaßen
  vollendet,  da  gingen  die  Mailänder  —  bezeichnend  genug  für  ihren
damaligen  Standpunkt  —  an  den  gründlichen  Neubau  des  erzbischöflichen
Palastes  und  der  Kirchen,  zu  deren  Fertigung  man  alle  noch  vorhandenen
Kostbarkeiten  willig  hergab.  Auch  die  letzte  Errungenschaft  von  Friedrichs
vieljährigen  italischen  Kämpfen  ging  so  verloren:  das  zerstörte  Mailand  erhob
sich  aus  seiner  Asche,  kühner,  freiheitliebender,  voll  größeren  Hasses  gegen
die  Deutschen,  als  je.

Auch  mit  diesem  Erfolge  begnügten  sich  die  Lombarden  noch  nicht.  Von
allen  italischen  Städten  verdankte  Lodi  dem  Kaiser  am  meisten.  Er  hatte  es,
nachdem  es  von  den  Mailändern  zerstört  worden,  größer  und  fester  am  Addaufer
  wieder  erbaut.  So  waren  die  Einwohner  dem  Kaiser  treu  ergeben;  und
doch  wurden  sie  jetzt  von  den  Lombarden,  die  innerhalb  ihrer  Grenzen  keine
zweideutige  Stadt  dulden  wollten,  gezwungen,  dem  Bunde  beizutreten.
Dann  wurde  des  Fort  Trezzo  an  der  oberen  Adda,  wo  der  Kaiser  bedeutende
  Kostbarkeiten  und  Geldsummen  niedergelegt  hatte,  erstürmt  und
zerstört.  —  Die  Lombardei  war  für  Friedrich  verloren.  Dazu  war  er  jetzt
zum  vierten  Male  über  die  Alpen  gezogen,  dazu  hatte  er  in  unzähligen
Schlachten  gegen  die  Lombarden  gekämpft,  dazu  sich  mit  dem  Padsttum

 

*)  Seite  215.