Im sechszehnten Jahrhundert. 31
ritterlich-romantischen Ueberlieferungen fort. Es wurde
bis gegen 1560 hin noch viel turnirt und sonst im Stil
der herkömmlichen Höfischkeit gehandelt und gewandelt.
Aber entweder erscheint dieses ritterliche Treiben als ein
gespenstiger Spuk, zum Zerrbild verschnörkelt, oder ganz
ins Gemeine verflacht. Das Ritterthum, welches selbst
in der Person eines Franz von Sickingen nur für kurze
Weile wieder eine künstliche Bedeutung hatte gewinnen
können, war todt von der Zeit an, wo die Kriege mittels
„frummer Landsknechte", d. i. mittels sehr unfrommer
Söldnerheere geführt wurden. Die Ritter wurden selber
zu Landsknechten und Landsknechtshauptleuten oder zu
Hofdienern oder zu einem unerquicklichen Mischmasch von
Krautjunkern und Wegelagerern. Man lese nur die
Selbstbiographieen des Götz von Berlichingen, des Hanns
von Schweinichen und des Bartholomäus von Zastrow
und man wird erfahren, wie prosaisch, gemein und lumpig
es im 16. Jahrhundert in den „ritterlichen“ Kreisen
hergegangen, im Südwesten wie im Osten und Norden
unseres Vaterlandes 15). Es gehörte das Genie Göthe's
dazu, aus diesem Götz einen Helden zu machen; denn in
der Wirklichkeit war er, obzwar von der Natur zu einem
15) Das Leben Götzens v. Berlichingen, Nürnberg 1731.
Graf Götz v. Berlichingen, Geschichte des Ritters Götz v. Berlichingen,
Leipzig 1861. Begebenheiten des schlesischen Ritters Hanns
v. Schweinichen, herausgegeben v. Büsching, Breslau 1820—23.
Denkwürdigkeiten von Hanns v. Schweinichen, herausgegeb. von
Oesterley, Breslau 1878. B. Sastrowen Herkunft, Geburt und
Lauf seines Lebens, herausg. von Mohnike, Greifswald 1823—24.