Full text : Preußische Geschichte. Zweiter Band. (2)

6  Erstes  Buch.  Die  neue  Staatsgründung  des  Großen  Kurfürsten.

„absoluten  Dominat  der  Ostsee“  zu  erreichen,  würden  sie  sich
durch  eine  der  englischen  Navigationsakte  ähnliche  Gewaltmaß—
regel  von  dem  baltischen  Handel  ausgeschlossen  sehen.  Habe
doch  ein  schwedischer  Minister  dem  Kurfürsten  erklärt,  die  Hol—
länder  hätten  den  anderen  Völkern  die  Handlung  in  der  Ost—
see  gestohlen,  man  müsse  sie  ihnen  wieder  nehmen.  Solche
Argumente  machten  Eindruck:  selbst  Johann  de  Witt  erklärte
sich  nun  für  das  Bündnis  mit  Brandenburg,  machte  es  aber
von  unannehmbaren  Bedingungen  abhängig:  wenn  der  Kinfürst
  für  die  zu  bewilligende  finanzielle  Beihilfe  die  preußischen
Häfen  samt  Cleve  der  Repnblik  zu  verpfänden  ablehne,  dürse
er  sic  jedenfalls  niemandem  sonst  verpfänden  oder  einräumen,
auch  die  dortigen  Zölle  nur  mit  Zustimmung  der  Generalstaaten
  ändern.  Die  ferner  gewünschte  Aufnahme  Englands  in
den  Bund  machte  dem  Kurfürsten  die  Rücksicht  auf  die  Oranier  unmöglich.
  Erst  alo  Ende  Juni  1655  die  Schweden  vom  Kurfürsten
Durchzug  durch  Hinterpommern  verlangten,  kam  die  Sache  in
schnelleren  Gang.  Auch  Holland  stimmte  dem  Allianzprojekt  zu.
Unwesentliche  Differenzen  wurden  leicht  beglichen.  Gegen  Ende
Juli  sollte  die  Unterzeichnung  erfolgen,  als  Weimann,  der  nach
dem  Haag  entsandte  elevesche  Kanzler,  die  überraschende  Weisung
erhielt,  den  Abschluß  hinauszuschieben.

Veranlaßt  war  diese  durch  den  Verlauf  der  gleichzeitigen
Verhandlungen  Waldecks  und  Schwerins  mit  den  Schweden  in
Stettin.  Während  Weimann  und  seine  Kollegen  im  Haag  als
entschiedene  Gegner  Schwedens  handelten,  nahm  die  Instruktion
dieser  beiden  vielmehr  ein  Bündnio  mit  Schweden  in  Aussicht,
um  gleichzeitig  die  Unionspläne  durchzuführen  und  die  nordische
Frage  zum  Vorteil  Brandenburgs  zu  lösen.  Der  Preis  des
Uebertritts  zu  Schweden  sollte  die  Sonveränetät  Preußens  und
all  der  Lande  sein,  die  Brandenburg  sonst  als  Satisfaktion
erhalten  würde,  darunter  namentlich  Litauens  und  Ermelands
mit  Braunsberg,  und  eine  „Kommunikationslinie“  zwischen  der
Neumark  und  dem  Herzogtum  Preußen,  besonders  der  Netzedistrikt
  und  Kujavien.  Bei  dem  Widerspruch  zwischen  solchen
Forderungen  und  dem,  was  man  seinerseits  zu  bieten  hatte,
konnte  das  dem  Schwedenkönig  nur  wie  eine  Herausforderung