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sischen Botschafters Barrere stünden. In einer Auseinandersetzung
mit dem . Resto del Carlino= in Bologna
hat der -Secolo, diese Beschuldigung zurückgewiesen
mit dem Anerbieten, seine Bücher offenzulegen,
wenn die Gegenpartei ebenfalls dazu bereit seia und
es mag dahingestellt bleiben, ob in mehr oder weniger
plumper Weise Bestechungsgelder bezahlt worden 8
oder ob eine andere Art von Beziehungen die beiden
ausgesprochenen Freimaurerorgane veranlaßt hat, der
Loslösung Italiens vom Dreibund und seinem Anschluß
an den Dreiverband beharrlich und planmäßig
vorzuarbeiten. Jedenfalls haben sowohl der -Messaggero-,
das in einer Auflage von 150—170000erscheinende
Lokal- und Skandalblatt der breiten Massen
Roms — er wird im Volksmund wohl auch -Menxognero-,
der Lügner, genannt —, alsder 1866 von dem
bekannten Musikverleger Sonzogno gegründete »Secolo-,
das Organ des unteren Mittelstandes in Mailand,
dessen Auflage übrigens im Laufe des Krieges
von 100000 auf etwa 50000 zurückgegangen sein soll,
erheblich zu dem letzten Endes von der Piazza, d. h. den
Politikern der Straße, herbeigeführten Umschwung der
italienischen Politik beigetragen. JImübrigen waren die
mächtigsten Faktoren dieseslimschwungsdas-Giornale
Ttalia- das 1901 gegründete, beim Eintritt Italiens
in den Krieg angeblich zu einer Auflagenhöhe von
200000 gediehene und in den gebildeten Kreisen Roms
weitverbreitete Blatt des Ministers des Auswärtigen
Sidney Sonnino und Sprachrohr der gegenwärtigen
Regierung, sodann aber und vor allem das eigentliche
Organ der italienischen Nationalisten und des auf
rücksichtslose Expansion gerichteten sacro egoismoc,
die » Idea Nazionaler. Die im Oktober 1914 erfolgte
Umwandlung dieser ehemaligen Wochenschrift in eine
Tageszeitung ist das hervorstechendste äußere Merkmal
des Geistes, der in der italienischen Presse zum
Durchbruch und zur fast ausschließlichen Herrschaft
gelangt ist. Das Blatt gehört der Verlagsgesellschaft
: I. Italiana-, die bei feiner Umwandlung in eine
Tageszeitung über 1 Million Lire verfügte. An
der Spitze des Verwaltungsrates stand zunächst eine
der hervorragendsten Persönlichkeiten der italienischen
Industrie, insbesondere der am Krieg interessierten
Schwerindustrie, der Ingenieur Dante Ferraris.
Er hat jedoch seine Stellung beider Verlagsgesellschaft
niedergelegt, und zwar weil er die Angriffe des Blattes
auf die Banca Commerciale nicht verhindern konnte.
Kurz darauf soll das Stammkapital um 1,2 Million
Lire erhöht worden sein. über die Auflage des Blattes
liegen keine sicheren Angaben vor, es ist aber vor
allem in der Universitätswelt weit verbreitet und wird
daneben auch in Handels- und Industriekreisen viel
gelesen. Die Kriegsbegeisterung der » Idea Nazionaleist
älter als ihre Feindschaft gegen die Mittelmächte;
jetzt aber ist diese Feindschaft aufs schärfste ausgeprägt,
und sie scheut keine Verkeumdungen und Verheßzungen,
wenn auch gewisse Vorzüge und Leistungen der deutschen
Organisation anerkannt werden. Auch das größte
und hervorragendste Mailänder Blatt, der= Corriere
della Sera« (gegründet 1883), hat mit seiner Pflege
des Irredentismus und mit seinem Protest gegen
Deutschlands angebliche Weltherrschaftsgelüste, insbesondere
auch als Blatt des Erzhetzers -Gabriele d'Annunzio"
sofort nach dem Ausbruch des Weltkrieges
die entscheidende Wendung einleiten helfen. Eine Anzahl
anderer maßgebender Blätter hat wenigstens
Schritt für Schritt die Politik der Regierung mitgemacht,
so die römische Tribuna, gegründet 1882, das
IV. Kultur und Geistesleben
Organ aller Regierungen, von Depretis bis Giolitti,
jeßt von dem englischen Botschafter Rennel Rodd
maßgeblich beeinflußt; vom „Giornale d’Italia: (
oben) stark zurückgedrängt, kann die-Tribuna= immer
noch als Organ der Großbanken und der Großindustrie
bezeichnet werden. Maßvoll in seiner Haltung
gegenüber Deutschland ist neben dem vatikanamtlichen
„Osservatore Romano auch das nichtamtliche klerikale
Blatt Roms, der , Corriere d'ltalia-. Gegrün.
det vor etwa zehn Jahren, als Papst Pius X. den
Katholiken die Beteiligung am politischen Leben freigegeben
hatte, unterstützt er warmherzig die Friedenspolitik
des Papstes. Weiter sind als Blätter von gemäßigter
Haltung zu nennen die »Stampa« in Turin.
deren Direktor Frassati von Giolitti zum Senatorge
macht wurde, und die, wie Giolitti selbst, den Eintrin
Italiens in den Krieg so lange wie möglich bekämpfte;
ferner der = Mattino= in Neapel und das Organ der
offiziellen Sozialdemokraten, der früher in Rom, seit
einigen Jahren in Mailand erscheinende »Avantin,
der seiner antimilitaristischen und neutralistischen Haltung
treu geblieden ist. Dafür ist ihm in dem von
seinem früheren Leiter Mussolino herausgegebenen,
ebenfalls in Mailand erscheinenden Konkurrenzblatt
»Popolo TItalia, dem Blatt der Reformsozialisten.
ein wütender Gegner erwachsen, der zugleich in der Beschimpfung
der Mittelmächte das Ungeheuerlichsteleistet.
Die Presse der übrigen feindlichen Länder. Was
die Presse der übrigen uns feindlichen Länder andelangt,
so ist die japanische natürlich von dem Krieg
kaum berührt worden. Die = Deutsche Japanpost“.
das einzige deutsche Blatt des Landes, mußte gleich
nach dem Ultimatum sein Erscheinen einstellen. In
der japanischen Presse selbst hatte der englische Einfluß
von jeher stark überwogen; so machte sich auch in der
Stellung zum Krieg kein erheblicher Unterschied zwischen
den Regierungsblättern und denen der Opposition
geltend, zumal im Laufe des Krieges mit dem
Rücktritt des greisen Qkuma in dem Grafen Terautichi
die Militärpartei an die Regierung gelangte.
Eigentliche Feindseligkeit gegen Deutschland trat nur
vereinzelt zutage, und gelegentlich wurden sogar Auße
rungen der Bewunderung und einer gewissen dank
baren Erinnerung an frühere Wohltaten laut. Die
Meinungsverschiedenheiten über den Krieg erstreckten
sich jedoch in der Hauptsache auf die Frage der Entsendung
von Truppen auf den europäischen Kriegsschauplat
und die des Verhältnisses zu Rußland und
zu den Vereinigten Staaten von Amerika.
In schärfstem Gegensatz zu der japanischen Presse
wurden natürlich die der kleinen europäischen Länder
durch die Kriegsereignisse in allerstärkste Mitleidenschaft
gezogen. In Belgien stellien nach der Einnahme
von Lüttich und nach der Besetzung von Brüssel
sämtliche alten Blätter ihr Erscheinen ein. Von
der Brüsseler Presse siedelten mit der Regierung einzelne
nach Antwerpen und Ostende über, so die weitverbreitete
„Independance belge« die stets für die
französische Regierung gearbeitet hatte, und der sozialistische
Peuple# Mit ihnen betrieb die Antwerpener
„Metropole“ und die in Gent erscheinende Flandre
liberaler die Schürung des glühendsten Hasses gegen
Deutschland. Nach dem Falle Antwerpens hörten
auch diese Blätter zu erscheinen auf, nur der = Ami
de I'Ordre in Namur und der -Bien Public in
Gent sowie einige flämische Blätter in Gent, Antwerpen
und Brüssel beugten sich der deutschen Zenfur.
Dagegen tat sich nunmehr die belgische Flüchtlings.