Um so intensiver beschäftigte mich der Gedanke an den festen Zusammenschluß
der protestantischen Kirchen, zunächst Preußens,
dann Deutschlands, schließlich Europas. Mein Verkehr mit dem
Oberkirchenrat, den Generalsuperintendenten usw. war sehr lebhaft,
um den Weg zu diesem Zusammenschluß zu finden. Die Eisenacher
Konferenz habe ich mit Interesse begrüßt und verfolgt. Zur Kirchenweihe
in Jerusalem habe ich alle Generalsuperintendenten versammelt
und auch Deputationen aus Schweden, Norwegen usw. begrüßen
können. Ebenso bei der Domweihe in Berlin, wo unter vielen anderen
Deputationen auch die englische Kirche durch den als Schriftsteller wie
Prediger gleich bedeutenden Bischof von Ripon, W. Boyd Carpenter,
den Seelsorger der Königin Victoria von England, vertreten war. Bei
jeder Gelegenheit suchte ich Ausgleich, Annäherung und Zusammenschluß
herbeizuführen. Allein es kam zu keinem positiven Ergebnis.
Trotzdem die Union in Preußen sich gut bewährt hatte, standen sich
in anderen Teilen des Vaterlandes Lutheraner und Reformierte fremd
gegenüber. Manche Landesherren wachten eifrig über ihr Recht
ihren Kirchen gegenüber und waren darum einem engeren Zusammenschluß
der Landeskirchen abhold. So hat trotz meinen Bemühungen
die deutsche protestantische Kirche sich lange nicht zum Zusammenschluß
und zu gemeinsamem Widerstand gegen die ihr feindlichen Kräfte zu
entwickeln vermocht. Erst die Not, in die die Kirche durch den politischen
Umsturz geraten ist, hat das zustande gebracht. Am Himmelfahrtstage
1922 ist zu meiner großen Freude die Gründung des
„Deutschen Evangelischen Kirchenbundes“ in der Schloßkirche zu
Wittenberg feierlich vollzogen worden.
In der Zeit meiner ersten militärischen Dienstjahre in Potsdam
hatte ich die Unzulänglichkeit der Predigten, die häufig nur trockene
Dogmatik behandelten, hingegen die Person Christi allzu sehr zurücktreten
ließen, stark empfunden. In Bonn lernte ich dann D. Dryander
kennen, der auf mich für mein ganzes Leben einen tiefen
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