Drittes Rapitel.
Sonnenlicht und Sonnenwärme.
„Vom Wärmeluß des Lichts erreget,
Wird lebensbalsamreich die Luft,
Und was sonst mühsam nur sich reget.
Wird munterwohl im Sonnenduft.“
% Landbeck.
achdem wir den Bau des menschlichen Körpers besprochen
haben und damit das zweite Kapitel, seine Ernährung,
logisch begründeten, Wasser und Luft, die Unentbehrlichen,
ihm anreihten, gelangen wir nun an einen anderen Lebens---
faktor, ohne welchen wir auf die Dauer weder lange besehen,
noch viel weniger gedeihen können: es ist das Licht und die Wärme
der Sonne. Was wären wir ohne die Sonne!
Ein Gedicht aus dem Russischen, „Das Ende“ betitelt, das das Erkalten
der Sonne, das Versiegen der lebenspendenden Licht= und Wärmestrahlen
und den langsam beginnenden Tod auf der immer kälter und kälter werdenden
Erde schildert, bringt uns den ganzen Einfluß der Sonne zum Bewußtsein.
Die Sonnenfinsternis, die wir im Jahre 1900 erlebten, erinnerte lebhaft
an das fahle Licht, das auch in dem Gedichte geschildert wird und das
sich über die Erde ausbreitet und ein beklemmendes, bedrückendes Gefühl in
Mensch und Tier hervorruft.
Ergreifend schildert das Gedicht die sich steigernde Angst der Menschen
über die unerklärlichen Vorgänge in der Natur, über die zunehmende Kälte
der ganzen Umgebung und die langsam sich steigernde Dunkelheit; Handel
und Wandel stocken, die Uhren stehen still, bald weiß niemand mehr, wann
Mitternacht, wann Mittag ist, und allgemeine Verwirrung ergreift die Menschen.
Eisige Kälte macht alles Leben draußen erstarren, die vorhandenen Nahrungsmittel
versiegen, und die geistesgestörten Menschen vergessen ihren Hunger.
Mit der Finsternis wächst die Kälte und was die Augst vorher nicht getötet
hat, kommt jetzt durch die Kälte um.
Das war — „Das Ende“ mit Grausen, weil die Sonne erlosch und
das Leben auf der Erde durch ihr Licht, durch ihre Wärme nicht mehr
erhalten wurde! Unvergeßlich bleibt jedem der Eindruck dieser Schilderung.