298 WeıissenreLs: Das Griechische.
gehende Behandlung des Lateinischen um ein bedeutendes erleichtert. Freilich
kommt das nur der Syntax zugute Für die Einübung der Formenlehre des
attischen Dialektes läßt sich aus dem in den lateinischen Stunden schon Gelernten
kein nennenswerter Gewinn ziehen. In zwei Jahren (U III und O III)
muß jetzt die ganze attische Formenlehre bewältigt werden. Etwas Zeit wird
dadurch gewonnen, daß man nicht mehr bloß mechanisch auswendiglernen läßt,
sondern unter diskreter Verwendung der Hauptergebnisse der sprachwissenschaftlichen
Forschung zugleich wirklich erklärt. Dazu gesellt sich nach den
heutigen Lehrplänen schon in diesen Klassen die Verpflichtung, im Anschluß
an das Gelesene das Wichtigste, zum Verständnis eines einfachen Schriftstellers
Notwendigste aus der Syntax mitzuteilen. In Untersekunda wird dann die Syntax
des Nomens, sowie das Wichtigste aus der Tempus- und Moduslehre systematisch
durchgenommen. Zum Abschluß gelangt der syntaktische Unterricht
in Obersekunda, wo die Lehre vom Infinitiv und Partizip durchgenommen wird,
d. h. derjenige Teil der Syntax, der am meisten vom Lateinischen abweicht.
Die für Prima angesetzten Wiederholungen werden zugleich auf charakteristische
Feinheiten des Griechischen gerichtet sein müssen, und wäre es auch nur zu
dem Zwecke, dem der Hauptsache nach schon Gelernten den Reiz der Neuheit
zu geben. Natürlich gilt auch von der sprachlichen Behandlung des Griechischen
das oben über das Lateinische Gesagte: der Unterricht muß vor Abstraktheit bewahrt,
die griechische Sprache fortwährend in Aktion gezeigt werden. Der Lehrer
übe sich im Erfinden und Ausspinnen von passenden Beispielen. Noch dieses sei
bemerkt, daß es sich empfiehlt, diese Beispiele lateinisch formuliert zu bieten.
Altsprachlichen Unterricht sollte nur erteilen, wer utriusque linguae peritus ist.
Wer bloß Griechisch oder bloß Lateinisch kann, ist von häßlicher Einäugigkeit
wie Polyphem. Von systematischer Erlernung des ionischen Dialektes wollen
die Lehrpläne nichts wissen. Es sei aber darauf hingewiesen, daß die griechische
Formenlehre mit der Lektüre Homers eine neue Bedeutung und einen
neuen Reiz für die Schüler gewinnt. Nun erst wird vieles ihnen klar. Natürlich
muß der Lehrer in Tertis schon dem Verständnis des ionischen Dialekts
vorarbeiten. Es ist offenbar, daß die griechische Formenlehre nicht so mechanisch
gelernt werden darf wie die lateinische. Zugleich soll dieser Teil des
griechischen Unterrichts für manches im lateinischen Anfangsunterricht Gelernte
nachträglich die Erklärung bieten. Gestehen wir uns aber, daß des mechanisch
zu Lernenden und geduldig zu Übenden immer noch sehr vieles übrigbleibt.
Griechische Grammatiken: G. Curtius, bearbeitet von W. v. Hartel
(Freytag); C. Koch u. G. Sachse (Teubner); Franke-Bamberg (Berlin, Springer);
A. Kaegi (Weidmann); desselben Repetitionstabellen zur griechischen Schulgrammatik
(Weidmann); P. Weißenfels, in Anlehnung an H. J. Müllers lat. Schulgrammatik
(Teubner); P. Wesener, Paradigmen zur griechischen Formenlehre (Teubner);
R. Wessely (Teubner); B. Gerth (Freytag); F. Hahne (Berlin, Schwetschke u. Sohn);
Arn. Herrmann (Weidmann); H. Uhle (Teubner); G. Wendt (Berlin, Grote).
Griechische Übungsbücher: P. Weißenfels, Griechisches Lese- u. Übungsbuch
für Tertia. 2 Teile (Teubner); P. Wesener, Griechisches Elementarbuch.