968 Geschichte der Akademie unter Frieprien Wirners I. (1797-1812).
Und was that bei dem Allen die Akademie? Über ihren Kopf
hinweg wurden zahlreiche Pläne zur Gründung einer Universität
in Berlin eingefordert bez. eingereicht; sie griffen tief in ihre Verfassung
und Existenz! ein; sie sellist aber hatte Lomsarn zum Seeretar
erhalten! Jene Pläne kannte sie nur aus dunklen Gerüchten,
wie sollte sie sie kritisiren? Aber einen LombAarnp durfte sie nicht
ruhig hinnehmen, und sie hat nicht geschwiegen. Am 17. Septenber
richtete sie ein ausführliches Schreiben an den König; einstimmig
ist es beschlossen”, im würtdigsten Tone gehalten, freimüthig
und bestimmt’. Zunächst tritt sie bei dem Könige für ihr
! Fichte reichte seinen Entwurf »Dedueirter Plan einer zu Berlin zu errichtenden
höheren Lehranstalt«) abschnittweise seit dem 29. September ein. Alle Projecte
— es sind im Ganzen 13 —. die allmählich von verschiedenen Seiten einliefen,
findet man bei Körke S.44ff. aufgezählt und besprochen. In mehreren wird die
Akademie der Wissenschaften dem neuen Lehrinstitut zu sehr angenähert. An die
Spitze der 6 oder 7 oder 8 Sectionen (nicht Facultäten) tritt je ein Director. alle
zusammen mit den Secretaren der Akademie bilden das Directorium (so Worr,
llvrezaxp, wesentlich so auch Scamarz). Akademie und Universität werden Eins;
jene nimmt diese in sich auf: die Akademiker sind die eigentlich Lehrenden und behalten
ihre Verfassung als forschende Gesellschaft, sie ernennen Assessoren, Extraordinarien
(so ScHmaArz); nein, die Akademiker sind die Adjuneten der Universität,
bez. die Honorarprofessoren; die gelehrteren Universitätsprofessoren werden mit der
Zeit Akademiker (so Wour, SchÜrz, HvrrrLaxp). Fıentre hat seinen grossartigen,
aber von aller pädagogisch - geschichtlichen Überlieferung losgelösten Plan aus dem
Wesen der Vernunftswissenschaft und dem Kampf des Zeitalters mit dem bösen
Prineip der Finsterniss entwickelt. In seinem Nationalinstitut, das nach Aufhebung
aller Universitäten errichtet werden soll, fehlt die Akademie nicht; sie bildet den
Ratlı der Alten an der Spitze des Ganzen. Die Universitätslehrer, wenn sie eine
Reihe von Jahren unterrichtet haben, legen das Lehramt nieder und treten in sie
ein. Beyur selbst hielt die Ansicht fest, dass Staatsbeamte und Gelehrte zu ihrer
Ausbildung verschiedener Institute bedürften. Für jene wollte er die alten Universitäten.
für diese das neue, mit der Akademie verbundene Institut in Berlin.
? Nur Nicorar, der in der Sitzung nicht zugegen gewesen war, warnte in
einem unrühmlichen Schreiben davor, der Entschliessung des Königs entgegenzutreten
und die Frage der Reorganisation anzurühren; Bursa monirte, die Eingabe
dürfe nicht von allen Mitgliedern unterschrieben werden; denn das sei »republicanisch«.
Die Akademie kehrte sich mit Recht nicht an diese Warnungen (Akademisches
Archiv).
° In zwei Exemplaren erhalten un Akademischen Archiv (l. ı1r und Il, 62),
abgedruckt im Urkundenband Xr.186. Das Original- Concept. welches die Unterschriften
trägt (III, 62), ist von Bırsrer’s Hand geschrieben. Er hat sich in diesem
Actenstück ein leuchtendes Denkmal gesetzt. Das Actenstück ist von 24 Mitgliedern
unterzeichnet, unter ihnen ALEXANDER Von HtsBoLdr, JOHANNES VON MÜLLER
und Worr. Die Kabinetsordre des Königs vom 18. August war erst am 15. September
zur Kenntniss der Akademie gekommen; zwei Tage darauf hat sie die
Gegenvorstellung abgesandt. Aber bereits am 5. September — bevor die Ernennung
Lonsarp's bekannt war — hatte das Directorium (Concept im Akademischen Archiv)
ein ausführliches Schreiben an den König gerichtet. Es berichtete in demselben