II.
Die österreichisch-ungarische Monarchie.
1. Januar. (Ungarn.) Abg. Graf Apponyi erklärt, die
Regierung nicht mehr unterstützen zu wollen, weil die militärischen
Zugeständnisse die Nation nicht befriedigten.
5. Januar. (Ungarn.) Das Abgeordnetenhaus genehmigt
mit 161 gegen 51 Stimmen die Vorlage über das Rekrutenkontingent.
8. Januar. (Delegationen.) Die weiteren Sitzungen werden
vertagt, bis in Ungarn das Rekrutengesetz bewilligt ist.
11. Januar. (Wien.) Österreichische Delegation. Debatte
über den Dreibund.
Deleg. Kramarsch (Tsch.): Die freudige Botschaft über die Erneuerung
des Dreibundes habe kaum jemand aufgeregt. Der Minister des
Auswärtigen habe offenbar die Bedeutung dieses welthistorischen Ereignisses
etwas unterstreichen wollen. Er (Kramarcz) glaube, daß die ernsten Gegner
des Dreibundes es gar nicht der Mühe wert hielten, durch eine scharfe
Bekämpfung seine geringe Bedeutung für die gegenwärtige und auch für
die zukünftige Politik des österreichischen Staates zu heben. Solcher rhetorischer
Aufputz in der Rede des Ministers des Auswärtigen verwirre
aber einfache Gemüter dermaßen, daß zum Beispiel der preußische Kritiker
bei den österreichischen Manövern zu verlangen wagte, deutsche Kavallerieoffiziere
seien den österreichischen Kavalleriemanövern zuzuziehen, damit sie
das östliche Gelände besser kennen lernten. Die Herren schienen wirklich
die Entwicklung der letzten Jahre ganz und gar verschlafen zu haben, sonft
müßten sie doch wissen, daß solche Inspizierungen des österreichischen Heeres
nicht wie früher, zu einer Zeit, wo man mit dem Dreibunde einen wahren
Götzendienst trieb, mehr möglich sind und daß sie in die heutige Lage nicht
hineinpassen. Gott sei Dank, wir stehen nicht mehr unter dem Zwange
der Gegnerschaft zu Rußland. Solche Intimitäten mit preußischen Offizieren
mit der direkten Spitze gegen Rußland wären zwar wohl nach
Berliner Geschmack, aber für die österreichische Politik sind sie wohl für
die Zukunft undenkbar. Trotz der traurigen inneren Verhältnisse ist die
auswärtige Stellung der Monarchie durch die Befreiung von der Berliner
Vormundschaft eine viel bessere und freiere geworden. Es wird sich wohl